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Baden-Württemberg: Grube Clara / Wittichen / Schwarzwald diverse / Hochschwarzwald / Schwäbische Alb / Hegau / Kaiserstuhl / Oberrhein, Neckar

Wittichen im Schwarzwald

Das Kloster Wittichen liegt von der Grube Clara aus gesehen etwa 10 Kilometer in östlicher Richtung, nördlich von Schiltach im Landkreis Rottweil. Der Bergbau im Wittichen ist schon seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. Es gibt viele alte Stollen, zum Beispiel die Grube Sophia, die Grube Neuglück mit ihrem Safflorit-Vorkommen, die Grube Gnade Gottes – als Quelle für schöne Stufen mit Silber gediegen – oder die Grube Johann am Burgfelsen, aus der Fluorit in verschiedenen Farben geborgen wurde. Bis in die 1990er-Jahre fanden die Sammler auf der Schmiedestollenhalde sehr schöne Mineralienstufen, die für den Micromounter und Fotografen interessant sind. Heute ist die Fundsituation nicht mehr so gut, weil die Halde schon vielfach umgegraben wurde. Am bekanntesten von Wittichen sind wohl die beiden Cobaltminerale Erythrin und Kobaltkoritnigit, die oft miteinander verwachsen und schwer zu unterscheiden sind. Auch seltene Uranylarsenate wie Walpurgin oder sogar Orthowalpurgin in der Typlokalität treten auf. Der Heinrichit zeigt im langwelligen UV-Licht starke grüne Fluoreszenz, während dies beim Zeunerit nicht oder nur ganz schwach auftritt. Neben Wismut gediegen kommen auch andere Wismuterze wie Bismuthinit, Bismutoferrit oder Wittichenit vor, der in Wittichen zuerst entdeckt wurde. Der grauschwarze Emplektit oder auch der Bismuthinit ist manchmal durch eine Pseudomorphose zu grünem Bismutit umgewandelt. Dieser kommt auch in gelben Nadeln oder Kugeln vor. Der türkisgrüne Mixit ist oft mit dem gelbgrünen Atelestit kombiniert. Der Hämatit bildet rötliche Kristalle oder hochglänzende Eisenrosen, die häufig mit Baryt vergesellschaftet sind. Weitere vorkommende Raritäten sind Arseniosiderit, Novacekit, Preisingerit oder Moorhouseit. Die abgebildeten Stücke mit der Bezeichnung „Wittichen“ stammen alle von der Schmiedestollenhalde:



Arseniosiderit
Wittichen

Arseniosiderit nach
Erythrin  Wittichen

Baryt
Wittichen

Hämatit, Baryt
Wittichen

Bismutit nach Emplektit,
Wismut  Wittichen

Bismutit
Wittichen

Bismuthinit
Wittichen

Bismutoferrit
Wittichen

Emplektit
Wittichen

Erythrin
Wittichen

Erythrin
Wittichen

Fluorit
Grube Johann

Heinrichit TL
Wittichen

Heinrichit im UV-Licht
Wittichen

Kobaltkoritnigit
Erythrin  Wittichen

Mixit
Wittichen

Atelestit, Mixit
Wittichen

Moorhouseit
Wittichen

Pikropharmakolith
Grube Sophia

Pitticit
Grube Sophia

Safflorit
Grube Neuglück

Wismut, Safflorit
Grube Neuglück

Walpurgin
Wittichen

Walpurgin, Mixit
Wittichen

Walpurgin, Mixit
Wittichen

Orthowalpurgin TL
Wittichen

Silber gediegen
Grube Gnade Gottes

Wismut gediegen
Wittichen

Wittichenit TL
Wittichen

Zeunerit
 Wittichen

Zeunerit
 Wittichen


Diverse Fundstellen im Schwarzwald: Wildschapbachtal / Hechtsberg / Grube Ludwig / Grube Segen Gottes / Artenberg / Weitere

Nördlich von Wolfach liegt die Ortschaft Schapbach im Wolfachtal. Das Wildschapbachtal zweigt vor Schapbach nach Nordwesten ab. Am bekanntesten sind die Grube Friedrich Christian und die Grube Herrensegen. Neben dem Quarz und typischen Erzen wie Baryt, Fluorit oder Galenit kommen von dort zum Beispiel auch Anglesit, Cerussit, Langit oder Linarit. Der Pyromorphit aus der Grube Herrensegen bildet häufig kugelige Aggregate. Die Grube Friedrich Christian galt früher als Typlokalität für den Schapbachit. Die in beiden genannten Gruben gefundenen grauschwarzen Nadeln im Quarz werden heute als Mischmineral aus Schapbachit mit Matildit angesehen, wobei der Matildit überwiegt. Die alten Stufen mit erkennbaren kubischen Kristallen haben sich als Mischung von Matildit mit Bleiglanz herausgestellt, so dass die Typlokalität diskreditiert wurde.



Anglesit
Gr. Friedrich Christian

Cerussit
Gr. Friedrich Christian

Langit
Gr. Friedrich Christian

Linarit
Gr. Friedrich Christian

Pyromorphit
Grube Herrensegen

Schapbachit – Matildit
Grube Herrensegen


Zwischen Hausach und Haslach im Kinzigtal liegt der Steinbruch Hechtsberg. In den 1960er-Jahren wurden dort ungewöhnliche Funde gemacht. Zwischen dem grünblauen Chrysokoll finden sich kugelige Aggregate des Bismutsilicats Eulytin. Die Kugeln sind durch den Chrysokoll gelbgrün bis blaugrün gefärbt. Manche zeigen einen sehr hohen Glanz. Nur selten erkennt man die tetraedrischen Kristalle, die die kugelartigen Aggregate aufbauen. Auf dem Chrysokoll oder sogar auf den Eulytinkugeln sitzen manchmal auch dunkelgrüne, kugelig-nierige Aggregate. Hierbei handelt es sich um das Kupfer-Bismut-Mineral Namibit. Der extrem seltene Hechtsbergit wurde im Steinbruch erstmals gefunden. Dieses Bismutvanadat tritt in winzigen, braunen Kristallen auf. Neben einigen anderen Mineralen wurden auch Epidot, Erythrin oder Malachit gefunden.



Epidot
Hechtsberg

Erythrin
Hechtsberg

Eulytin, Chrysokoll
Hechtsberg

Eulytin, Chrysokoll
Hechtsberg

Eulytin, Chrysokoll
Hechtsberg

Hechtsbergit
Hechtsberg

Malachit
Hechtsberg

Namibit
Hechtsberg

Eulytin, Namibit
Hechtsberg

Eulytin, Namibit
Hechtsberg


Direkt hinter dem Steinbruch am Hechtsberg liegt die Grube Ludwig mit vier ehemaligen Gängen und Halden im Adlersbachtal. Dort wurden früher Silbererze wie Miargyrit abgebaut, der im Quarz eingeschlossen ist. Der Pyrit aus dem Friedrichgang weist sogar einen geringen Goldgehalt auf. Antimonminerale sind ebenfalls vertreten: Das Antimonerz Stibnit (Antimonit) kann teilweise in Stibikonit umgewandelt sein. Der Semseyit ist recht häufig, allerdings sind kristalline Formen eher selten. Er ist im Quarz eingesprengt oder zeigt blättrige Aggregate. Weiter kommen neben einigen weiteren Erzen auch Arsenopyrit, faseriger Boulangerit und brauner Sphalerit (Zinkblende) vor.



Arsenopyrit
Grube Ludwig

Boulangerit
Grube Ludwig

Miargyrit
Grube Ludwig

Pyrit
Grube Ludwig

Semseyit
Grube Ludwig

Sphalerit
Grube Ludwig

Stibnit
Grube Ludwig


Die Grube Segen Gottes bei Schnellingen nördlich von Haslach im Kinzigtal ist heute ein Besucherbergwerk. Früher wurden dort Silbererze wie Proustit oder Pyrargyrit gefördert. Sichtbar ausgebildete Kristalle aus dieser Grube sind sehr selten, weil die Silbererze fein verteilt in den Erzgängen vorkommen. Besonders die Halden waren für Mineraliensammler interessant. Blei- und Zinkerze wie Bleiglanz, Cerussit oder Zinkblende waren häufig zu finden, ebenso Chalkopyrit. Der Fluorit bildet mit dem blättrigen Baryt oder mit den genannten Erzen hübsche Kombinationen. Auch schön ausgebildeter oder verzwillingter Markasit kommt aus dieser Grube. Der Hämatit überzuckert in schwarzen Blättchen den Quarz.



Fluorit, Baryt
Grube Segen Gottes

Fluorit, Baryt
Grube Segen Gottes

Fluorit, Bleiglanz
Grube Segen Gottes

Fluorit, Zinkblende
Grube Segen Gottes

Hämatit, Quarz
Grube Segen Gottes

Markasit
Grube Segen Gottes


Der Steinbruch Artenberg bei Steinach im Kinzigtal ist heute nicht mehr frei zugänglich. Früher wurden dort ungewöhnlich schöne Stufen für den Micromounter in den Quarz-Calcit-Gängen gefunden. Der Calcit kommt in vielen Formen und Farben vor. Er kann Phantome enthalten oder mit anderen Mineralen wie goldenem Chalkopyrit, gelblichem Dolomit, kugeligem Hämatit oder grünem Fluorit bewachsen sein. Der Quarz tritt als klarer Bergkristall oder in der Varietät Eisenkiesel auf. Diese ist manchmal mit dem weißen Eisenaluminiumsulfat Halotrichtit oder auch mit dem goldgelben Eisenhydroxidsulfat Copiapit vergesellschaftet. Auch der Calcit kann durch Eisenoxid-Einschlüsse orangerot erscheinen. Erze wie Bleiglanz, Boulangerit, Bournonit, Malachit, Markasit, Molybdänit, Pyrit, Pyrrhotin, Tetraedrit oder Zinkblende bilden meist nur sehr kleine Kristalle. Aus dem Steinbruch stammen auch Titanminerale wie Anatas, Brookit, Rutil und Titanit.



Boulangerit
Artenberg

Bournonit
Artenberg

Calcit mit Phantom
Artenberg

Calcit
Artenberg

Calcit, Hämatit
Artenberg

Calcit, Chalkopyrit
Artenberg

Calcit, Dolomit
Artenberg

Calcit, Dolomit
Artenberg

Calcit, Quarz
Artenberg

Calcit, Eisenkiesel
Artenberg

Copiapit
Artenberg

Dolomit, Eisenkiesel
Artenberg

Dolomit, Calcit
Artenberg

Fluorit, Calcit
Artenberg

Malachit, Calcit
Artenberg

Markasit
Artenberg

Molybdänit
Artenberg

Pyrit, Eisenkiesel
Artenberg

Eisenkiesel, Halotrichit
Artenberg

Tetraedrit
Artenberg

Zinkblende
Artenberg


Es sind viele bedeutende Mineralfunde aus dem Schwarzwald dokumentiert. Berühmt ist der Dyskrasit in seiner Typlokalität aus der Grube Wenzel. Das ehemalige Silberbergwerk bei Oberwolfach ist heute ein Besucherbergwerk. In der Grube Fortuna im Gelbachtal wurden Fluorit oder Stolzit gefunden. Am Roßgrabeneck bei Zell am Harmersbach gibt es im Wald in den Quarzgängen schwarzen Schörl und Wolframit. Ohlsbach im Kinzigtal lieferte blauen Apatit. Die Grube Silberbrünnle bei Gengenbach ist vor allem wegen seinem hervorragenden Pseudomalachit bekannt. Im Steinbruch Hühnersedel bei Schweighausen im Schuttertal kommt das Aluminiumsilicat Nakrit vor. Auf den ehemaligen Halden bei Neubulach im Landkreis Calw fand man früher schönen Azurit. Weltberühmt ist der heute verschüttete Stollen „Zum Pyrolusit“ beim Triberger Ortsteil Gremmelsbach. Von dort stammt aus dem Triberger Granit Pyrolusit, der pseudomorph nach Manganit auftritt und wohl in jeder Mineraliensammlung vertreten ist. Das Manganerz Braunit kommt in kleinen, schwarzen Oktaedern vor.



Dyskrasit TL
Grube Wenzel

Stolzit
Grube Fortuna

Apatit
Ohlsbach

Schörl (Turmalin)
Roßgrabeneck

Wolframit
Roßgrabeneck

Agardit
Silberbrünnle

Malachit, Cornwallit
Silberbrünnle

Pseudomalachit
Silberbrünnle

Pseudomalachit
Silberbrünnle

Nakrit
Hünersedel

Azurit
Neubulach

Zálesíit
Neubulach

Braunit
Gremmelsbach

Pyrolusit
Gremmelsbach


Hochschwarzwald und Südschwarzwald


Der Schwarzwald befindet sich östlich des Oberrheingrabens, er ist wie die Vogesen durch Emporhebung als Folge der Absenkung des Oberrheingrabens entstanden. Die ursprünglichen Sedimente wurden abgetragen, so dass die Erzkörper wieder weit bis an die Oberfläche reichen. Im Schwarzwald gab es früher zahlreiche Bergwerke. Das Gestein im Hochschwarzwald am Schauinsland oder am Feldberg ist überwiegend aus Gneis aufgebaut. Es enthält in Quarzgängen Blei- oder Zinkerze wie Cerussit, Descloizit, Hemimorphit, Pyromorphit oder Sphalerit. An manchen Orten wurden silberhaltige Erze zur Gewinnung von Silber abgebaut. Von der alten Halde Gründenwald bei St. Ulrich stammt nadelförmiger Berthierit. Im Hochschwarzwald wurde auch Flussspat (Fluorit) und Schwerspat (Baryt) abgebaut, zum Beispiel in den Gruben Anton und Tannenboden bei Wieden.



Cerussit
Schauinsland

Descloizit
Schauinsland

Dolomit, Sphalerit
Schauinsland

Hemimorphit
Schauinsland

Pyromorphit
Schauinsland

Sphalerit
Schauinsland

Pyromorphit
Rotenbach, Feldberg

Berthierit
Gründenwald, St. Ulrich

Baryt
Grube Anton, Wieden

Hemimorphit
Tannenboden, Wieden


Im Krunkelbachtal südlich des Feldbergs gibt es bei Menzenschwand eine der wenigen Uranerzlagerstätten in Mitteleuropa. Dort findet man die Uranerze Pechblende und Uranocircit-II, welcher im UV-Licht eine starke gelbgrüne Fluoreszenz aufweist. Es kommen viele weitere Uranminerale vor, zum Beispiel auch Heinrichit, Schoepit, Torbernit oder Uranophan.



Heinrichit
Menzenschwand

Pechblende
Menzenschwand

Schoepit
Menzenschwand

Uranocircit-II
Menzenschwand

Uranocircit-II
im UV-Licht

Uranophan, Torbernit
Menzenschwand


Die ehemalige Grube Gottesehre befindet sich bei Urberg hoch über dem Albtal. In dem heute stillgelegten Bergwerk wurden seit dem Mittelalter Blei- und Silbererze abgebaut. Ab 1951 förderte man Baryt und Fluorit. Die Abraumhalde in Oberbildstein war seinerzeit bei Sammlern sehr beliebt. Noch in den 1980er-Jahren konnte man auf einem Schiff im Rheinfelder Hafen im frisch geförderten Gangmaterial nach Mineralien suchen. 1987 wurde das Bergwerk endgültig geschlossen. Die Grube lieferte auch sehr schöne Stufen mit Bleiglanz, Calcit, Cerussit, Dolomit, Hemimorphit, Quarz, Mimetesit oder Wulfenit. Aus einem Silbererzgang kamen Silber gediegen und einige Silberminerale.



Baryt, Cerussit
Grube Gottesehre

Baryt, Cerussit
Grube Gottesehre

Bleiglanz, Fluorit
Grube Gottesehre

Calcit
Grube Gottesehre

Calcit
Grube Gottesehre

Calcit
Grube Gottesehre

Cerussit-Zwilling
Grube Gottesehre

Dolomit
Grube Gottesehre

Fluorit
Grube Gottesehre

Hemimorphit, Wulfenit
Grube Gottesehre

Mimetesit
Grube Gottesehre

Mimetesit, Quarz
Grube Gottesehre


Die Sophienruhe bei Badenweiler war in den 1970er-Jahren die bekannteste Mineralienfundstelle in Südbaden. Die abgebildete fast 20 Zentimeter große Quarzdruse wurde vom Autor als Kind selbst gefunden. Etwas weiter oben im Wald fand man am Altemannfels oder in der benachbarten Grube Haus Baden Richtung Sehringen Cerussit, Pyromorphit oder Mimetesit. Nachdem es einige Sammler zu wild getrieben und sogar Sprengstoff eingesetzt hatten, erfolgte ein Sammelverbot.



Cerussit
Badenweiler

Mimetesit
Badenweiler

Pyromorphit
Badenweiler

Quarz
Badenweiler


Der Steinbruch bei Grimmelshofen im Landkreis Waldshut ist für seine Calcite berühmt. Dort wurden große Skalenoeder bis 20 Zentimeter Länge gefunden. Die Aggregate mit reich besetzten Calcit-Igeln stammen teilweise noch aus alten Funden, die beim Bau der Eisenbahn nach Blumberg mit ihren zahlreichen Kehrtunneln ans Tageslicht kamen. Das mittlere Bild zeigt eine 30 Zentimeter breite Museumsstufe.



Calcit
Grimmelshofen

Calcit
Grimmelshofen

Calcit
Grimmelshofen


Schwäbische Alb

Die Schwäbische Alb im Südosten von Baden-Württemberg ist eine ehemalige Hochebene, die wie der Schweizer Jura hauptsächlich aus Jurakalk besteht und durch Erosion teilweise wieder abgetragen wurde. Die Schwäbische Alb wird von der Donau durchschnitten. Im Kalk findet man neben den Fossilien vor allem gut ausgebildeten Calcit, zum Beispiel in den Steinbrüchen bei Allmendingen oder am Kapellenberg bei Schelklingen. Das Bohnerz ist ein Brauneisenerz, es kann in kalkhaltigen Erden oder in Kalkhöhlen entstehen, wenn lösliche Eisenverbindungen hinzukommen. Es eignet sich zur Gewinnung von Ockerpigmenten.



Calcit
Allmendingen

Calcitzwillinge
Schelklingen

Bohnerz
Ulm


Hegau

Die Hegauvulkane liegen südlich der Schwäbischen Alb zwischen der Donau und dem Bodensee. Am bekanntesten ist der Hohentwiel bei Singen. Dort wurde der Natrolith erstmals gefunden und durch Martin Heinrich Klaproth 1803 beschrieben. Der Natrolith bildet in der Typlokalität zonar weiß und gelb gefärbte Sonnen, die im graubraunen Phonolith vorkommen. In den Hohlräumen des vulkanischen Gesteins ist der Natrolith auch nadelig ausgebildet. Im 19. Jahrhundert wurde der Phonolith abgebaut, heute herrscht am Hohentwiel striktes Sammelverbot. Vereinzelt sind einzigartige Schmucksteine in Sammlungen vertreten, die das Sonnenmuster im geschliffenen Phonolith zeigen. Das aus einem Basaltblock bestehende Höwenegg ist der nördlichste der ehemaligen Hegauvulkane. Heute ist dort beim See und dem alten Steinbruch ein Naturschutzgebiet. Aus alten Funden stammen Calcit, Tobermorit oder die typischen Zeolithe, wie sie im vulkanischen Gestein vorkommen, zum Beispiel Chabasit, Phillipsit, Natrolith oder Mesolith.



Natrolith TL
Hohentwiel

Natrolith im Phonolith
Hohentwiel

Natrolith TL
Hohentwiel

Calcit, Natrolith
Höwenegg

Chabasit
Höwenegg

Phillipsit
Höwenegg

Phillipsit, Natrolith
Höwenegg

Mesolith
Höwenegg

Tobermorit
Höwenegg


Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl ist ein kleines, vulkanisches Gebirge, das mitten im Oberrheingraben westlich von Freiburg im Breisgau liegt. Im blasenreichen Basalt am Limberg bei Sasbach sind typische Minerale zu finden: Der Augit durchsetzt das Gestein mit schwarzen, monoklinen Kristallen. Der Phillipsit bildet glitzernde Krusten oder Drusenfüllungen, sowie Zwillinge oder Mehrlinge. Offretit und Erionit treten oft als Mischkristalle auf. Es kommen weitere Minerale wie nadelförmiger Aragonit, Calcit, Montmorillonit, Hyalit, sowie oktaedrischer Faujasit in der Typlokalität vor. In der Umgebung von Vogtsburg sind zahlreiche Fundstellen: Die schwarze, titanhaltige Andradit-Varietät Melanit wird bei Oberbergen oder auch in den Steinbrüchen am Kirchberg bei Niederrotweil gefunden. Am Büchsenberg bei Achkarren ist Merlinoit in Kristallbüscheln zu finden. Vom Badloch bei Badberg stammt die Peroswkit-Varietät Dysanalyt. Die winzigen Würfelchen des Niob-Minerals können mit Salzsäure aus dem Carbonatit herausgelöst werden. In den Steinbrüchen am Orberg bei Schelingen wurde früher Carbonatit zum Kalkbrennen abgebaut. In dem grobkörnigen, magmatisch gebildeten Kalk findet man Magnesioferrit in schwarzen, bis zu mehreren Millimeter großen Oktaedern, die Mischkristalle mit Magnetit bilden. Bei den winzigen, orangefarbenen Oktaedern handelt es sich um „Koppit“. So bezeichnete man früher ein Mineral aus der Pyrochlor-Gruppe. Der Apatit tritt in feinen Nadeln auf, der Forsterit in gelblichen Körnern oder Kristallen.



Aragonit
Limberg, Sasbach

Augit, Phillipsit
Limberg

Calcit
Limberg

Faujasit TL
Limberg

Montmorillonit
Limberg

Offretit
Limberg

Phillipsit Zwillinge
Limberg

Melanit
Oberbergen

Merlinoit
Büchsenberg

Dysanalyt
Badloch, Badberg

Forsterit
Orberg, Schelingen

Koppit
Orberg

Magnesioferrit, Apatit
Orberg


Oberrheingraben, Neckar

Der Oberrheingraben zwischen Basel und Frankfurt am Main entstand durch Absenkung im Laufe der letzten 50 Millionen Jahre. In früheren Erdzeitaltern reichte das Meer bis in diese Gegend, heute prägt der Rhein das Landschaftsbild. Durch Ablagerungen entstanden einst die Salzlagerstätten. Das Kalisalzbergwerk Buggingen war noch bis 1973 in Betrieb. Die Minerale Carnallit, Halit oder Sylvin sind typische Vertreter aus dieser Lokalität. Die Salinen Schweizerhalle bei Basel fördern noch heute Sole aus alten Salzlagerstätten. Etwa 15 Kilometer südlich von Heidelberg liegt Wiesloch. Dort gab es früher zahlreiche Stollen und Erzgruben. Der vorhandene Muschelkalk wurde an dieser Stelle im Laufe der Zeit von Erzkörpern verdrängt, so dass auch Blei- und Zinkerze vorhanden waren. Aus alten Sammlungen stammen Stücke mit Wurtzit, Sphalerit und Galenit in Schalenblende. Die bekannten Gipskristalle aus „Wiesloch“ stammen allerdings aus der seit den 1990er-Jahren geschlossenen Tongrube im Dämmelwald beim Kompostwerk. Im 30 Millionen Jahre alten Septarienton aus dem Oligozän fand man Gips-Schwimmer mit bis zu zehn Zentimeter Länge, die teilweise auch eine Sanduhrzeichnung aufweisen. Südlich des Odenwaldes befindet sich das vom Neckar geprägte Heilbronner Becken. Aus der Tongrube Ilsfeld bei Heilbronn stammen die schönsten Kalkversinterungen aus Deutschland.



Carnallit
Buggingen
Klinochlor
Kalisalz
Buggingen

Schalenblende
Wiesloch

Gips
Wiesloch

Kalksinter
Tongrube Ilsfeld


Hinweis: Es werden nicht alle Minerale einer Fundstelle aufgezählt, sondern nur die bekanntesten.



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