Hemimorphit
engl. Hemimorphite
Nach den griechischen Wörtern hemi („halb“) und morphe („Gestalt“).
Formel  
Stoffgruppe
Farbe
Strich
Glanz

Transparenz
Härte (Mohs)
Dichte
Spaltbarkeit
Bruch

Kristallsystem
Kristallklasse
Zn4Si2O7(OH)2 • H2O
Silicate
farblos, weiß, gelblich, bräunlich
weiß

Glasglanz, Seidenglanz, auf den Spaltflächen Perlmutterglanz
durchscheinend bis durchsichtig
4,5 – 5
3,4 g/cm³
vollkommen
muschelig

orthorhombisch
orthorhombisch-pyramidal
HemimorphitLupe
Eigenschaften
Pseudomorphosen
Kristallformen
Geschichte
Vorkommen
Verwendung
Beschreibung

Hemimorphit
Lupe
Hemimorphit aus der Potosi Mine in Mexiko
Calcit mit Hemimorphit
Lupe
Rhomboedrischer Calcit mit Hemimorphit aus der Potosi Mine
Hemimorphit
Lupe
Hemimorphit auf Hämatit aus der Ojuela Mine, Mapimi, Mexiko
Hemimorphit
Lupe
Hemimorphit aus Ramsbeck im Sauerland
Hemimorphit
Lupe
Hemimorphit aus der Barbara Mine in Laurion
Eigenschaften

Der Hemimorphit besteht aus einem Zinksilicat, das noch einen Kristallwasseranteil eingebaut hat. In ganz reiner Form ist er durchsichtig. Durch Gitterbaufehler wird er milchig trüb und durch geringe Fremdbeimengungen mit Eisen-, Kupfer-, Blei- oder Cadmium-Ionen kann er auch Farben annehmen. Der ebenfalls transparente Cerussit ist nicht so gut spaltbar wie der Hemimorphit. Die Dichten der Bleierze Cerussit und Anglesit sind auch viel höher. Hemimorphitkristalle zeigen – zum Beispiel im Vergleich zu einem Calcit – fast immer eine Längsstreifung.

Beim Erhitzen des Hemimorphits im Reagenzglas wird ein Teil des Kristallwassers freigesetzt. Er löst sich in Salzsäure unter Abscheidung von Kieselsäure. Vor dem Lötrohr ist er nicht schmelzbar.


Pseudomorphosen

Der Hemimorphit kann pseudomorph nach Calcit, nach Fluorit, nach Bleiglanz oder nach Pyromorphit auftreten.


Kristallformen und Wachstum

Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen System. Die Kristalle werden aus Pinakoiden, Pedien, Domen, Prismen und Pyramiden gebildet. Der Habitus ist tafelig-langgestreckt, die Kristalle sind in Längsrichtung gestreift. Sie bilden häufig Kristallrasen und sind gerne garbenartig oder radialstrahlig angeordnet. Es kommen auch nierige, körnige, faserige oder derbe Aggregate vor. Der Hemimorphit ist mit Anglesit, Calcit, Cerussit, Goethit, Hämatit, Hydrozinkit, Smithsonit, Wulfenit und weiteren Mineralien vergesellschaftet


Geschichte

Die Bergleute kannten das Zinkmineral unter den Bezeichnungen „Zinkgalmei“ oder Kieselzinkerz. Der deutsche Mineraloge Gustav Adolf Kenngott (1818–1897) führte 1853 den heute gültigen Namen ein. Er benannte das Mineral nach der hemimorphen Kristallform: Bei diesem Phänomen ist ein Kristall an den beiden Enden verschieden ausgebildet. Zusammengesetzt ist der Begriff aus den griechischen Wörtern hemi („halb“) und morphe („Gestalt“).


Vorkommen

Das Mineral kommt gerne in der Oxidationszone von Zinkerz-Lagerstätten vor, wo es durch Verwitterung anderer Zinkerze entsteht. In Deutschland kommt es zum Beispiel bei Ramsbeck im Bundesland Nordrhein-Westfalen vor. Eine bekannte Fundstelle in Österreich sind die Gruben bei Bad Bleiberg in Kärnten. Auch die Minen bei Laurion in Griechenland führen den Hemimorphit. Hervorragende Kristalle liefern die Minen in Mexiko, zum Beispiel die Ojuela Mine in der Region Mapimí oder die Potosi Mine bei Santa Eulalia in Chihuahua.


Verwendung

Der Name „Kieselzinkerz“ deutet darauf hin, dass der Hemimorphit als Erz zur Gewinnung von Zink geeignet ist. Schöne Kristalle werden vor allem für den Sammlermarkt abgebaut.
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