Eigenschaften
Pyrit ist ein goldglänzendes, hartes Mineral, das in der Regel kein Gold enthält. Daher wird es auch als „Katzengold“ bezeichnet. Pyrit ist mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 deutlich härter als der ähnliche Chalkopyrit, er läuft nicht farbig an und bildet die typischen Kristalle des kubischen Systems wie Würfel oder Oktaeder. Pyrit ist chemisch stabiler als Markasit. Beim Anfassen eines Markasits schmeckt die Haut danach metallisch oder nach Eisensulfat, beim Pyrit ist dieses Phänomen deutlich weniger ausgeprägt.
Beim Schlagen auf einen Feuerstein entstehen unter Schwefel-Geruch Funken. Beim starken Erhitzen auf über 800 °C färbt sich Pyrit schwarz, dabei wird toxisches Schwefeldioxid freigesetzt. Beim Abkühlen an der Luft entsteht rotes Eisen(III)-oxid als zweites Reaktionsprodukt. Pyrit wird von verdünnter Salzsäure nicht angegriffen, in konzentrierter Salpetersäure wird er zersetzt.
Varietäten und Pseudomorphosen
Pyrit kann durch Fremdbeimengungen Varietäten ausbilden. Der Bravoit enthält zum Beispiel Nickel. Der Hengleinit enthält Cobalt und Nickel, während der Gelpyrit eine arsenhaltige Varietät darstellt.
An der Luft verwittert der Pyrit in einem sehr langsamen Prozess zu Limonit. Daher findet man häufig auch Pseudomorphosen von Limonit nach Pyrit. Der Pyrit kommt pseudomorph nach Pyrrhotin vor. Er kann zahlreiche andere Mineralien durchdringen und pyritisieren. Eine Pyritisierung tritt auch als Prozess bei der Versteinerung von Fossilien oder von Holz auf.
Kristallformen und Wachstum
Pyrit bildet perfekte Würfel, Oktaeder oder weitere Kristallformen des kubischen Systems aus. Darin unterscheidet sich der Pyrit vom chemisch ähnlich aufgebauten Markasit, der nach dem orthorhombischen System kristallisiert. Die kubischen Kristallformen treten beim Pyrit in zahlreichen Kombinationen und Zwillingen auf. Durchdringungszwillinge der Pyritoeder sind als „Eisernes Kreuz“ bekannt. Einen Pyritoeder oder Pentagondodekaeder dürfte es nach den mathematischen Gesetzen der Kristallografie eigentlich gar nicht geben, er ist eine eigene Erfindung des Pyrits. Aggregate kommen in derben oder körnigen Massen vor. Man findet sie auch knollig oder nierig.
Das Mineral Pyrit ist in den Erzlagerstätten immer mit anderen Mineralen vergesellschaftet, zum Beispiel mit Arsenopyrit, Bleiglanz, Calcit, Chalkopyrit, Dolomit, Quarz, Talk oder Zinkblende.
Geschichte
Der Pyrit ist nach dem griechischen Wort pyr für „Feuer“ benannt. Dies kommt daher, dass sich beim Schlagen auf einen Feuerstein Funken bilden. Wahrscheinlich wurden Pyritknollen schon in der Steinzeit zum Feuermachen benutzt. Theophrastus erwähnt den Pyrit in seinem Buch Über Steine im Zusammenhang mit dem Lapislazuli, der von Pyritadern durchzogen ist. Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der bergmännische Begriff „Schwefelkies“ nicht mehr für zwei verschiedene Mineralien verwendet: Seither unterscheidet man den Pyrit vom Markasit.
Vorkommen
Pyrit ist das am häufigsten auftretende sulfidische Erz. Er kann in mächtigen Erzgängen auftreten und ist häufig Bestandteil vieler Sulfide der Erzlägerstätten. Man findet ihn auch in Sedimentgesteinen, wo er im anaeroben Milieu gebildet wird. Beispiele dafür sind die weltberühmten Fundstellen bei den kleinen Orten Navajún und Ambas Aguas in Spanien. Das Vorkommen wurde 1960 durch den Bergmann und Mineralogen Pedro Ansorena entdeckt und später durch seinen Sohn zu einer Mine umgebaut, in der man zwischenzeitlich gegen eine Gebühr selbst suchen konnte. Bei Navajún haben sich die extrem glatten und perfekt ausgebildeten Pyritwürfel im hellen Mergel gebildet. In den dunkleren, tiefer liegenden Tonschieferschichten sind die Pyritwürfel ineinander verwachsen. Dieses Gestein ist härter als der Mergel und das Wachstum der Würfel wurde begrenzt, was die Durchdringungszwillinge erklärt. Auch die Kristalltrachten aus Würfel und Oktaeder, die zu einem „Kuboktaeder“ ausgebildet sind, stammen aus dieser Schicht, sie sind selten und stellen große Raritäten dar, vor allem wenn sie mehrere Zentimeter Durchmesser erreichen. 18 Kilometer weiter nördlich liegt Ambas Aguas, bei dem ähnlich gute Funde im dunklen Tonschiefer gemacht werden können.
Typisch ist das Vorkommen von Pyrit im Tonschiefer aus dem Erdzeitalter Lias wie in der Tongrube Frick im Schweizer Kanton Aargau oder im jüngeren Schieferton, der nicht so stark verdichtet ist und aus der jüngeren Kreidezeit stammt. Beide Schichten können mit Fossilien angereichert sein. Eine große Rarität ist der Pyrit im Schieferton aus dem Brass Balls Claim in der State Bridge Area im Eagle County im US-Bundesstaat Colorado. Das goldene Mineral hat im Lauf der Jahrmillionen Versteinerungen wie Schnecken oder Ammoniten ersetzt. Am Ende der pyritisierten Versteinerungen sind dann oft Pyritkugeln gewachsen (siehe Foto). Das verfallende organische Material lieferte den Schwefel zum Entstehen des Eisen(II)-disulfids. Die notwendigen Eisenverbindungen waren bereits in den Tonsedimenten enthalten.
Berühmt sind auch die pyritisierten, flügelartigen Brachiopoden Paraspirifer Bownockeri aus der Silica-Formation in Sylvania. Die City liegt im Lucas County an der Nordgrenze im US-Bundesstaat Ohio. Diese Schicht ist wesentlich älter, sie stammt aus dem Mittleren Devon vor 345 bis 395 Millionen Jahren.
In Deutschland wurde Pyrit bis 1992 in Meggen im Sauerland industriell abgebaut. Pyrit wurde früher auch in der Grube Bayerland bei Pfaffenreuth in Bayern gefördert. Von dort gibt es massive Gangstufen. Schöne Pyrit-Stufen aus dem Schwarzwald stammen aus Brandenberg im Wiesental oder aus dem Steinbruch Artenberg im Kinzigtal. Knollen- bis kugelförmiger Pyrit kommt auf der Schwäbischen Alb im Ölschiefer vor, zum Beispiel bei Dotternhausen südlich von Balingen oder in Ohmenhausen bei Reutlingen. Die heute zum Naturdenkmal umgestaltete Tongrube Unterstürmig bei Eggolsheim nördlich von Nürnberg enthält kalkhaltigen Tonmergel aus dem Lias delta. Von dort stammen vollständig pyritisierte Ammoniten. Zwischen Lemgo und Extertal in Nordrhein-Westfalen gibt es zahlreiche Schürfstellen im Tonschiefer. Der darin sitzende Pyrit ist zu Limonit verwittertet und zeigt die seltene Zwillingsbildung „Eisernes Kreuz“. Auch aus dem Steinbruch Maibolte bei Dörentrup kommen solche Stücke.
Fast jeder Sammler kennt die weißen Dolomitstufen aus der Grube Lengenbach im Binntal, die von kleinen Pyritkristallen durchzogen sind. Der Pyrit kommt dort mit zahlreichen anderen Mineralien zusammen vor, zum Beispiel mit Realgar oder mit Sphalerit. Heute ist diese Fundstelle im Schweizer Wallis fast erschöpft. In der Pyrit-Grube bei Aproz im Wallis ist der Pyrit in den Anthrazit eingewachsen. Er wurde früher zur Herstellung von Schwefelsäure verwendet. In der österreichischen Magnesit-Talk-Lagerstätte Oberdorf-Niederdorf bei Sankt-Katharein an der Laming in der Steiermark findet man Pyrit, der im Talk eingebettet ist.
Pyrit aus Elba ist fast nur noch aus alten Sammlungen zugänglich. Die großen Erzlagerstätten in Osteuropa wie Cavnic und Herja in Rumänien, Trepca im Kosovo oder Madan in Bulgarien haben ebenfalls reiche Pyritvorkommen. Das Eldorado für besonders große Stufen in allen Ausprägungsformen ist die Huanzalá Mine in Peru. „Klassiker“ stellen auch die Pyritstufen aus dem Bergbaugebiet Huaron in Peru oder aus den Minen Concepción del Oro in Mexiko dar. Die kristallisierten „Pyrit-Sonnen“ kommen aus der chinesischen Provinz Guangxi. Man findet sie dort eingebettet im Schiefer.
Die teuersten Pyrite der Welt stammen vom Spruce Claim aus dem Bundesstaat Washington in den USA. Eine der größten Erz-Lagerstätten liegt bei der Gemeinde Minas de Riotinto in der andalusischen Provinz Huelva in Spanien.
Verwendung
Pyrit ist heute nur noch ein eher selten eingesetzter Rohstoff zur Herstellung von Schwefelsäure. Durch das Rösten des Minerals entsteht das dafür notwendige Schwefeldioxid. Heute gewinnt man das Schwefeldioxid hauptsächlich durch Verbrennen von Schwefel, der aus der Aufbereitung von Erdgas zugänglich ist. In der Lithium-Eisensulfid-Batterie wird reines Eisen(II)-disulfid als Kathode verwendet. Stabiler Pyrit kann zu Schmucksteinen verschliffen werden. Das „Katzengold“ ist aufgrund der perfekten Kristallformen ein sehr beliebtes Sammlermineral.
Hinweise zum Sammeln von Pyrit: In der Mineraliensammlung werden intakte Pyrite auf jeden Fall getrennt von Markasiten aufbewahrt. Zerbröselnde Pyrite sind von der Sammlung zu separieren. Pyrite aus Peru gelten als sehr stabil, während Pyrit-Sonnen aus China oder auch bestimmte Elba-Stufen anfällig sind.
Didaktisches Material
Zeichnungen typischer Kristallformen beim Pyrit
Modellbaubogen für Kristallmodelle
























