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| Silber
besitzt von allen Substanzen der Erde das höchste Reflexions- und
Absorptionsvermögen für Licht. Diese Eigenschaft erklärt
den strahlend weißen Metallglanz des Silbers. Silber
ist fast so dehnbar wie Gold, es kann zu feinen,
durchscheinenden Folien von Blattsilber ausgewalzt werden. Das Edelmetall
besitzt die beste elektrische und thermische
Leitfähigkeit aller Metalle. Es wird mit den meisten anderen Metallen
- mit Ausnahme von Eisen und Cobalt legiert.
Silber ist an sauberer Luft beständig, es läuft jedoch bei Anwesenheit von Schwefelwasserstoff oder beim längeren Kontakt mit Schwefelverbindungen schwarz an. Dabei reagiert der Schwefel mit dem Silber zu Silbersulfid. Dies erklärt, warum Silberbesteck schwarz anläuft, wenn man damit Eier, die Schwefelverbindungen enthalten, isst. Auch der unangenehme Geruch des Silberbestecks ist auf die Anwesenheit von Schwefelatomen zurückzuführen.
3 Ag + 4 HNO3 2 Ag + 2 H2SO4 Silber löst sich in Alkalicyanidlösungen, gegen Laugen ist es sehr beständig. Mit trockenem Chlor bildet sich eine Schutzschicht von Silberchlorid, feuchtes Chlor reagiert oberhalb von 80°C heftig mit dem Metall. Silberverbindungen wie Silberchlorid oder Silbernitrat sind sehr lichtempfindlich und müssen in braunen Flaschen aufbewahrt werden. |
| Beim Silber ist eine allergieauslösende Wirkung vermutlich nicht vorhanden. Beim Einatmen von feinen Silberstäuben gelangt das Element in den Blutkreislauf. Es wandelt sich langsam zu Silbersulfid um. Dieses kann in der Haut, auf den Schleimhäuten und in gravierenderen Fällen auch in den Augen zu blaugrauen Verfärbungen führen. Die so auftretende Argyrose ist nicht mehr reversibel, allerdings führt sie wohl nicht zu ernsthaften Gesundheitsschäden. Silber ist kein essenzielles Spurenelement, es beeinträchtigt aber die Wirkung von Kupfer und Selen. Lit [33] Bei der Aufnahme von wasserlöslichen Silbersalzen wie Silbernitrat, ist die Gefahr einer auftretenden Argyrose erheblich größer. |
Silber
ist ein seltenes Element, es kommt allerdings etwa 20mal häufiger
als Gold vor und steht an 67. Stelle der Elementhäufigkeit.
Am Aufbau der 16km dicken Erdkruste ist es mit 0,08g/t Gestein beteiligt,
im Meerwasser finden sich 1,2 Mikrogramm Silber pro m³. In der Natur
kommt es als Silber gediegen in
Form von Körnern, Blättchen, Drähten oder Locken vor. Es
kristallisiert wie Gold und Platin
in der kubischen Kristallform. Silber
gediegen aus dem Erzgebirge und aus Kongsberg/Norwegen ist vor allem durch
Mineraliensammler berühmt geworden.
Chemisch gebundene Silberatome kommen auch in Silbererzen vor. Mindestens 129 verschiedene Silbermineralien sind bekannt, darunter die Silbererze Akanthit, Argyrodit, Chlorargyrit, Proustit oder Pyrargyrit. Eine Besonderheit stellt Allargentum dar, es ist das Silbermineral mit dem höchsten Silbergehalt nach Silber gediegen. Die Hauptvorkommen an Silbererzen liegen in Nevada/USA, Kanada, Mexiko, Peru, Bolivien, Russland und Australien.
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| Silber
war nach Kupfer und Gold das dritte Gebrauchsmetall, das die Menschen benutzten.
Die Assysrer kannten es als "sarpu", die Germanen verwandten das Wort "silabra",
die Goten "silubr", die Römer nannten es "argentum" (nach dem griechischen
Wort "argyros", was so viel heißt wie "weiß-metallisch". Die
alten Ägypter schmückten die Spitzen ihrer Obelisken mit Elektrum,
einer Legierung aus Silber und Gold. Im alten Griechenland wurde seit dem
7. Jahrhundert vor Christus Silbermünzen geprägt. Das Silber
stammte aus den Minen in Lavrion, ca. 50km südlich von Athen. Zunächst
galt Silber wertvoller als Gold. Der römische Kaiser Caligula führte
im Circus einen Wagen vor, der aus 124000 Pfund Silber bestand.
In Europa wurden im Mittelalter
Silbererzvorkommen in Böhmen und in Sachsen entdeckt, was die Prägung
von Silbermünzen in Mitteleuropa ermöglichte. Seit Anfang des
16. Jahrhunderts brachten die Spanier erhebliche Mengen des Edelmetalls
aus Amerika nach Europa, der Wert des begehrten Metalls sank.
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| Etwa
die Hälfte des genutzten Silbers fällt bei der Rohstoffgewinnung
von Kupfer, Zink und vor allem bei der Bleiherstellung aus silberhaltigem
Bleiglanz an. Ein Viertel der Gewinnung
stammt aus Silbererzen, ein weiteres Viertel aus dem Recycling von Altmetallen.
Die Herstellung aus den Silbererzen erfolgt wie beim Gold
mit Hilfe der Cyanidlaugerei. Die fein gemahlenen Erze werden dabei mit
einer 0,1 bis 0,2%igen Natriumcyanidlösung ausgelaugt, wobei die Silberionen
der Erze komplex in Lösung gehen. Mit Hilfe von Zin- oder Aluminiumstaub
kann dann das Silber aus der Lösung ausgefällt werden:
2 Na[Ag(CN)2] + Zn Das Produkt wird durch Filterpressen abgetrennt und geschmolzen, so dass man etwa 95%iges Rohsilber erhält. Die Anreicherung erfolgt durch eine elektrolytische Reinigung mit Silbernitratlösung als Elektrolyt. Die Anoden bestehen aus 1cm dicken Rohsilberplatten, die Kathoden aus dünnem Feinsilberblech. Das reine Silber kommt vor allem in Form von Barren, Blechen oder Drähten in den Handel. |
Silber
ist heute das meist gebrauchte Edelmetall. Es spielte von alters her eine
wichtige Rolle zur Herstellung von Münzen. Sein Preis liegt heute
jedoch deutlich unterhalb von Gold, Platin oder Palladium. Es dient aufgrund
seiner hohen elektrischen Leitfähigkeit zur Herstellung von elektrischen
Kontakten, von Elektroden oder elektronischen Bauteilen. Sein Aussehen
und seine thermische Leitfähigkeit führte zu einer weit verbreiteten
Anwendung bei Geschirr und Bestecken im Haushalt. Für die Herstellung
von Schmuck wird es aufgrund seiner Weichheit zur Erhöhung der Härte
meist mit anderen Metallen legiert. "Sterlingsilber" besitzt einen Feingehalt
von 92,5% Silber. Zahnärzte verwenden eine Legierung aus Quecksilber
und Silber (Amalgam) für Zahnfüllungen. Aufgrund der Giftigkeit
des Quecksilbers ist diese Anwendungsmöglichkeit
jedoch sehr umstritten. Silberverbindungen wie Silberchlorid werden aufgrund
ihrer Lichtempfindlichkeit für hochwertige Fotopapiere verwendet.
Aufgrund seiner bakterientötenden Wirkung findet Silberpulver auch
in Salben eine Anwendung. Ein eingewobener Silberfaden in Kleidung oder
in Matratzen soll sich für Allergiker günstig auswirken.
Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die Herstellung von Spiegeln: Dabei werden Glasscheiben zuerst sorgfältig gereinigt und danach in eine Silbersalzlösung getaucht (z.B. Silbernitrat). Die Zugabe eines Reduktionsmittels (Glucose oder Fructose) führt zu einer gleichmäßigen Ausscheidung des Silbers, das sich auf der Glasoberfläche festsetzt. Dieses Verfahren ist heute jedoch weitgehend durch das sogenannte Silber-Spitzverfahren verdrängt, bei dem das Silber direkt auf die Glasplatten aufgedampft wird. |
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| Copyright: Thomas Seilnacht |