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  Salzsäure   HCl . aq 
  
  
  
  
  
Farblose, rauchende   
Flüssigkeit   
  
Vorkommen   
im Magensaft   
(0,1 bis 0,5%-ig)
 Molmasse  36,461 g/mol (HCl)  
  
  
   
AGW (HCl)  2 ml/m3 (TRGS 900)  
Dichte (37%)  1,19 g/cm3  
Schmelzpunkt (37%)  -30 °C 
Siedepunkt (20,17%)  +110 °C 
Wasserlöslichkeit   
in jedem Verhältnis mischbar
Piktogramme 
GHS 05 
GHS 07 
Gefahr
Gefahrenklassen + Kategorie   
Spez. Zielorgantox. Atemwege 3 
Ätz-/Reizwirkung auf die Haut 1B 
Korrosiv gegenüber Metallen 1   
(Abstufung bei Verdünnungen)
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)   
H 314, 335, 290   P 260, 280.1-3+7, 301+330+331, 303+361+353, 305+351+338, 310    Entsorgung
Etikett drucken Deutscher Name Englischer Name
CAS  7647-01-0 Salzsäure Hydrochloric acid
  
Hinweis: Für Schülerversuche mit jüngeren Schülern sollte höchstens die 10%ige Säure verwendet werden. Bei erfahrenen Praktikumsteilnehmern kann auch die 20%ige Lösung eingesetzt werden. 
  
Flaschen mit rauchender Salzsäure geben schon bei Raumtemperatur sehr gerne Chlorwasserstoff an die Umgebung ab. Es wird empfohlen, rauchende Salzsäure nur im Originalgebinde oder in Flaschen mit Teflonverschluss aufzubewahren. Dafür geeignet sind auch Schraubverschlusskappen aus PBT, die mit PTFE beschichtet sind. An Schulen sollte rauchende oder konzentrierte Salzsäure nur in geeigneten Säure- und Laugenschränken mit einer kontinuierlich laufenden Ablüftung aufbewahrt werden. 
  
 
Wirkung auf den menschlichen Körper 
  
Die handelsübliche, 37%-ige Lösung von Chlorwasserstoff in Wasser riecht stark stechend (Einatmen der Dämpfe siehe Wirkung von Chlorwasserstoff). In den Augen entstehen starke Reizungen, auch irreparable Verätzungen mit Hornhauttrübung sind möglich. Auf der Haut ruft die konzentrierte Salzsäure Rötung, Blasen und brennende Schmerzen hervor. Beim Trinken entstehen schmerzhafte Verätzungen im Rachen, Speiseröhre und Magen, was tödlich wirken kann. Bei Augenkontakt wird empfohlen, das betroffene Auge 10 Minuten lang unter fließendem Wasser zu spülen. Danach ist das Aufsuchen eines Augenarztes notwendig. Bei Hautkontakt muss ebenfalls mit viel Wasser und später mit verdünnter Natriumcarbonatlösung (Soda) gespült werden. Das Einnehmen von viel Wasser oder Milch verdünnt die Säure im Magen. Neutralisationsversuche mit Aktivkohle oder Laugen dürfen nicht erfolgen. Bei Erbrechen ist der Patient in Bauchlage so zu halten, dass der Kopf tief liegt, damit er nicht erstickt. 
 

Eigenschaften 
  
Erhitzt man die konzentrierte Salzsäure, entweicht zunächst der Chlorwasserstoff, bis man eine 20,17%-ige azeotrope Mischung erhält, die bei 110 °C siedet. Diese Mischung lässt sich durch eine einfache Destillation nicht mehr trennen.  
  
Salzsäure ist eine starke Säure, die wässrige Lösung ist fast vollständig zu Chlorid-Ionen (Cl-) und Hydronium-Ionen (H3O+ ) dissoziiert: 
  
HCl  +  H2   Cl +  H3O+  
 
Im Labor und in der Schule sind verschiedene Konzentrationen gebräuchlich. Je nach Konzentration variiert die Dichte der Lösung: 
 
Konzentration Bezeichnung Dichte
37% rauchend 1,1844 g/cm3
32% konzentriert 1,1594 g/cm3
20% konzentriert 1,0980 g/cm3
10% verdünnt 1,0476 g/cm3
3% verdünnt 1,0130 g/cm3
    
  
Hält man eine offene Flasche mit konzentrierter Ammoniaklösung an die Öffnung einer Salzsäureflasche, entsteht ein weißer Nebel. Das Ammoniakgas (NH3) reagiert dabei mit dem Chlorwasserstoff (HCl) zu Ammoniumchlorid (NH4Cl):  

NH3  +  HCl   NH4+  +  Cl-  
  
   

Ammoniak reagiert mit Chlorwasserstoff
 
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Entstehung eines weißen Nebels.
Salzsäure reagiert mit Metallen
 
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Magnesium und Zink löst sich auf, Kupfer nicht.
 
Filme erhältlich auf >DVD
    
  
Schon die verdünnte Säure reagiert gerne mit unedlen Metallen unter Bildung von Wasserstoff und Metallsalzen. Dabei entstehen die Chloride, die Salze der Salzsäure. Mit Magnesium erhält man Magnesiumchlorid, mit Zink Zinkchlorid:   
  
2 HCl (aq)  +  2 Mg   2 MgCl2  +  H2  
2 HCl (aq)  +  2  Zn   2 ZnCl2  +  H2   
 
Eisen wird durch Salzsäure und Chlorwasserstoff leicht zum Rosten gebracht. Mit Metalloxiden reagiert Salzsäure ebenfalls. Reines Kupfer wird von Salzsäure nicht zersetzt, wohl aber Kupfer(II)-oxid. Eine Gasentwicklung ist dabei nicht zu beobachten, da statt Wasserstoff Wasser entsteht. Nach dem Eindampfen der Lösung bleibt grünes Kupfer(II)-chlorid zurück:   
  
CuO  +  2 HCl (aq)   CuCl2  +  H2O  
      
  
 
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Mit Kupfer(II)-oxid reagiert Salzsäure zu Kuper(II)-chlorid.
 
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Mit Natrium entsteht Natriumchlorid und Wasserstoff.
 
    
Legt man ein erbsengroßes Stück Natrium auf konzentrierte Salzsäure, bewegt es sich auf der Oberfläche hin und her. Dabei entsteht Wasserstoff und Natriumchlorid. Dieses ist anfangs so hoch konzentriert, dass es an den Boden des Gefäßes fällt.  
  
2 Na  +  2 HCl (aq)   2 NaCl  +  H2  
  
Gold ist gegen Salzsäure beständig. Eine Mischung von Salzsäure und Salpetersäure (Königswasser) löst das Gold auf und es entsteht eine Lösung von Tetrachlorogold(III)-säure (H[AuCl4]), aus dem andere Goldverbindungen hergestellt werden können.  
  
  
Salzsäure, Königswasser und Gold 
 
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In konzentrierter Salzsäure ist Gold beständig (links),
nach Zugabe von konz. Salpetersäure löst sich das Gold.
Salzsäure reagiert mit Calcit 
 
 
Träufelt man verdünnte Salzsäure auf einen Calcit,
dann beginnt es zu schäumen.
  
  
Mit Kalk reagiert die Salzsäure unter Kohlenstoffdioxid-Entwicklung und Bildung von Calciumchlorid und Wasser. Auf diese Art und Weise kann ein Mineraliensammler einen Calcit erkennen.   

CaCO3  +  2 HCl (aq)   CaCl2  +  CO2  +  H2O  

 
   
Herstellung 
  
Im Gegensatz zur Schwefelsäure und Salpetersäure wurde die Salzsäure relativ spät entdeckt. Die Herstellung einer salzsäureähnlichen Substanz wurde in dem Werk "Alchemia" von Andreas Libavius (geb. um 1540) durch das Glühen von Kochsalz und Ton beschrieben. Basilius Valentinus beschrieb nur wenig später die Umsetzung von "Vitriol" (Kupfersulfat) mit Kochsalz, bei der "ätzendes Wasser" ("aqua caustica") entstand. Johann Rudolph Glauber (1604-1670) entwickelte ein eigenes Verfahren: Er tränkte glühende Holzkohle mit einer Kochsalzlösung und verbrannte diese in einem Ofen. Das Verfahren von Valentinus erweiterte er, in dem er eine Mischung aus Vitriol und Alaun auf die glühenden Kohlen gab. Auf diese Art und Weise konnte Glauber eine konzentriertere Salzsäure ("Spiritus salis") darstellen als die Vorgänger. Eine der größten Entdeckungen Glaubers war jedoch die Herstellungsmethode aus Kochsalz und Schwefelsäure. Dieses Verfahren wird heute noch im Labor angewandt:   
  
Natriumchlorid  +  Schwefelsäure   Chlorwasserstoff  +  Natriumhydrogensulfat  
      NaCl       +     H2SO4                HCl          +         NaHSO4    
   
Glauber war damit der erste, der gasförmigen Chlorwasserstoff herstellte. Dabei konnte er neben einer relativ konzentrierten Salzsäure ("Salzgeist", vermutlich bis zu 26%) auch das nach ihm benannte Natriumsulfat ("sal mirabile Glauberi") gewinnen. Beim Lösen von Metallen in der Säure stellte er auch erstmals die Metallchloride dar ("solvirte Metalle").  

Im heutigen Labor kann man Chlorwasserstoff direkt durch die Reaktion von Chlor mit Wasserstoff herstellen. Diese Reaktion kann, vor allem unter Lichteinwirkung, explosionsartig erfolgen:   
  
Wasserstoff     +   Chlor   Chlorwasserstoff  
       H2         +    Cl2         2 HCl  
   
Der Chlorwasserstoff wird dann in Wasser gelöst. Dabei wirkt der Chlorwasserstoff als Säure und gibt ein Proton an das Wassermolekül ab.  
   
 

Springbrunnenversuch mit Chlorwasserstoff
 
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Füllt man einen trockenen Rundkolben mit Chlorwasserstoff
und versieht diesen mit einer nach innen zeigenden Düse,...
Erläuterung des Springbrunnenversuchs
 
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...dann wird Wasser aus einer Schale angezogen.
Die Universalindikator-Lösung färbt sich dabei rot.
  
Film erhältlich auf >DVD
  
 
Beim Springbrunnenversuch wird ein Rundkolben mit Chlorwasserstoff gefüllt. Nach dem Verschließen des Kolbens mit einem Stopfen, der mit einer nach innen ragenden Glasdüse versehen ist, hält man den Kolben in eine Schale mit Wasser. Dem Wasser wird ein Indikator zugesetzt, beispielsweise Universalindikatorlösung. Nach einer Weile wird das Wasser in den Kolben schlagartig hineingesaugt und es entsteht ein Springbrunnen.  
 
In der chemischen Industrie gewinnt man die Salzsäure bei Chlorierungs-Prozessen der organischen Chemie, wo sie z.B. bei der Herstellung von Vinylchlorid aus Ethen als Nebenprodukt anfällt:   
  
Ethen            +  Chlor   Dichlorethan   Vinylchlorid  +  Chlorwasserstoff  
H2C=CH2  +  Cl  ClH2C-CH2Cl   H2C=CHCl  +  HCl    
   
Vinylchlorid ist ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung des Kunststoffes PVC (Polyvinylchlorid). Im ersten Schritt wird das Ethen durch eine elektrophile Addition mit Chlor zu Dichlorethan chloriert. Im zweiten Schritt wird Chlor mit Hilfe eines Aluminiumoxid- Katalysators eliminiert. Das Salzsäuregas lässt man in Türmen herabrieselndem Wasser entgegenströmen, wobei die wässrige Salzsäurelösung entsteht.
   
  
Verwendung 
  
Salzsäure wird zum Reinigen von Kalkrückständen an Fliesen eingesetzt; sie ist ein wichtiger Stoff für Laborversuche und Zwischenprodukt zur Herstellung zahlreicher Stoffe, wie die Chloride und organische Chlorverbindungen (zum Beispiel PVC); ferner dient sie zum Herauslösen von Metallen bei der Erzaufbereitung, bei der chemischen Analyse zum Auflösen von Proben im Labor, zum Ätzen von Metallen und bei der Holzverzuckerung zur Glucosegewinnung. 
   
  
Copyright: T. Seilnacht