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  Salpetersäure   HNO3

 
Teflonverschluss

  

   
  
In braunen Flaschen 
aufbewahren 

Farblose oder gelbliche,   
an der Luft rauchende 
Flüssigkeit
Molmasse (reine HNO3 63,013 g/mol  
  

  
AGW  1 ml/m3 (TRGS 900) 

pKs-Wert  -1,37 
Dichte (69,2%)  1,42 g/cm3   
Schmelzpunkt (69,2%)  ca. -42 °C  
Siedepunkt (69,2%)  +121,8 °C   
Wasserlöslichkeit   
in jedem Verhältnis mischbar
Piktogramme 

GHS 03
 
GHS 05 
Gefahr

Gefahrenklassen + Kategorie  
Oxidierende Flüssigkeiten 3  
Ätz-/Reizwirkung auf die Haut 1A
Schwere Augensch ädigung 1
 
Korrosiv gegenüber Metallen 1 
(Abstufung bei Verdünnungen)
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)  
H 272, 314, 318,290   P 260, 280.1-4+7,  
303+361+353, 304+340, 305+351+338, 
309+310

Entsorgung  Vorbehandlung Säuren/Basen
Etikett drucken Deutscher Name Englischer Name
CAS  7697-37-2 Salpetersäure Nitric acid
   
Bemerkung für Schulen: Für Schülerversuche sollte höchstens die 12%ige Säure verwendet werden, für das Schullabor höchstens die 69%ige Säure. Rauchende oder konzentrierte Salpetersäure ist kein Explosivstoff, sie kann aber zur Herstellung von derartigen Stoffen verwendet werden (>Hinweise). Schutzbrillen, Schutzkittel und Schutzhandschuhe sind für alle Konzentrationen obligatorisch. Zur Aufbewahrung der konzentrierten Säure werden Flaschen mit Teflonverschluss oder das Originalgebinde empfohlen. Geeignet sind auch Schraubverschlusskappen aus PBT, die mit PTFE beschichtet sind. >GefährdungsBU (verdünnte Lösungen)
    
  
Eigenschaften 
  
Als "Konzentrierte Salpetersäure" bezeichnet man die handelsübliche, etwa 65 bis 69%ige Lösung der Salpetersäure in Wasser. Die Lösung und die Dämpfe wirken auf Haut, Augen und Schleimhäute stark ätzend. Das Einatmen führt zu Bronchialkatarrh, Lungenentzündung und Verätzung der Lungenbläschen. Bei Hautkontakt erfolgt eine Gelbfärbung in einer Xanthoprotein-Reaktion. Dabei bildet sich ein gelber Nitrofarbstoff.     


Rauchende Salpetersäure

Rauchende Salpetersäure setzt Stickstoffdioxid frei
Xanthoproteinreaktion

Xanthoproteinreaktion an einem Daumen
  
 
Die hundertprozentige, rote, rauchende Salpetersäure ist im absolut reinen Zustand farblos, wenn sie unter Luftabschluss gekühlt aufbewahrt wird. Die rauchende Salpetersäure zersetzt sich schon an der Luft oder beim Sieden unter Bildung von rotbraunem Stickstoffdioxid, das die Rotfärbung verursacht:   
  
4 HNO3   4 NO2  +  2 H2O  +  O2    

Rauchende Salpetersäure ist ein sehr starkes Oxidationsmittel und kann Holz oder Stroh spontan entzünden. Die Dichte variiert bei den unterschiedlichen Konzentrationen. Beim Verdünnen der Säure muss dies berücksichtigt werden. Für den Unterricht in Schulen wird "verdünnte" und "konzentrierte" Salpetersäure gebraucht, damit meint man meistens die 12%ige und die 65%ige Salpetersäure. Die "rauchende" Salpetersäure hat ein hohes Gefahrenpotenzial, sie wird für den Unterricht nicht empfohlen.  
 

Konzentration
Massenprozent
Konzentration
Stoffmenge
Bezeichnung

Dichte
bei 20°C
100 % 24,01 mol/l "rauchend" 1,513 g/cm3
69 % 15,42 mol/l
"konzentriert" 1,409 g/cm3
65 % 14,35 mol/l
"konzentriert" 1,391 g/cm3
12 % 2,03 mol/l
"verdünnt" 1,066 g/cm3
    

Eine 69,2%ige Salpetersäure bildet ein azeotropes Gemisch, das bei 121,8 °C siedet. Die Salpetersäure ist eine relativ starke Säure, sie ist in wässriger Lösung fast vollständig dissoziiert:  
   
Salpetersäure  +  Wasser    Nitrat-Ion  +  Hydronium-Ion    
HNO3  +  H2   NO3- +  H3O+    
   
Bei der Reaktion mit den Metallen entstehen die Salze der Salpetersäure, die Nitrate. Mit Zink erhält man Zinknitrat, mit Kupfer Kupfer(II)-nitrat. Das bei dieser Reaktion gebildete Stickstoffmonooxid NO reagiert mit Luft sofort weiter zu rotbraunem Stickstoffdioxid NO2 . 
  
3 Zn  +  8 HNO3   3 Zn(NO3)2  +  4 H2O  +  2 NO
3 Cu  +  8 HNO3   3 Cu(NO3)2  +  4 H2O  +  2 NO 
 
 
Metalle reagieren mit konzentrieter Salpetersäure  

Bei der Reaktion der konzentrierten Salpetersäure mit Metallen lösen sich Magnesium, Zink, Kupfer und Silber auf. Dabei entstehen Stickstoffdioxid und die entsprechenden Salze der Metalle. Gold ist dagegen beständig, erst bei der Zugabe von konzentrierter Salzsäure löst sich auch dieses.
 
    Film erhältlich auf >DVD   

 
Scheidewasser und Königswasser  
  
Salpetersäure ist neben Salzsäure und Schwefelsäure eine der stärksten Säuren und zersetzt sogar Edelmetalle wie Silber. Nur Gold und Platin sind beständig. Da man mit einer 50%igen Salpetersäure Silber aus Gold herauslösen kann, wurde diese Lösung früher auch als Scheidewasser bezeichnet. Vermischt man ein Volumenteil konzentrierte Salpetersäure mit drei Volumenteilen konzentrierter Salzsäure, entsteht Königswasser. Diese Mischung löst Gold auf. Dabei bildet sich die Goldverbindung Tetrachlorogold(III)-säure HAuCl4 . Diesen Stoff kann man auskristallisieren lassen, wobei lange, gelbe Nadeln entstehen, die an der Luft zerfließen und sich in Wasser und Alkohol sehr gut lösen. Bei der Zugabe von Zinn(II)-chlorid entsteht kolloidales Gold, das purpurrot oder violett gefärbt ist. Das Pigment wird auch als Cassius'scher Goldpurpur bezeichnet. Es ist nach dem Arzt Cassius benannt, der es im Jahr 1663 entdeckte:  
   
  
Kolloidales Gold

Gold in kolloidaler Form
Kolloidales Gold

Purpurrote Färbung des Goldes
  
   
Die Tetrachlorogold(III)-säure dient zur Herstellung anderer Goldverbindungen. Gold(III)-chlorid und gold-organische Verbindungen eignen sich als Katalysator für organische Synthesen. Mit Gold(III)-oxid lassen sich Gläser färben. 
   
Herstellung 
  
Die Herstellung von Salpetersäure kommt schon bei den mittelalterlichen Alchimisten wie Geber vor. In dem Werk "De inventione veritatis" (Von der Entdeckung der Wahrheit, erschienen vermutlich im 14. Jahrhundert) wird das Erhitzen einer Mischung aus Kupfervitriol (Kupfersulfat), Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) und Salpeter (Kaliumnitrat) auf Rotglut beschrieben. Die dabei entstehenden (nach heutigem Wissen) nitrosen Gase ließen sich mit Wasser zur Salpetersäure umsetzen. Möglicherweise stellten aber die arabischen Alchimisten schon vor dem Mittelalter Salpetersäure her. Die Herstellung von Königswasser aus Salpetersäure und Ammoniumchlorid geht vermutlich bis in die Zeit vor dem Mittelalter, bis zu den arabischen Alchimisten im 7. oder 8. Jahrhundert zurück. In den Raimundus Lullus untergeschobenen pseudo-lullischen Schriften wird um 1332 die Wirkung der Salpetersäure auf Metalle, die Herstellung von Scheidewasser ("aqua fortis acuta") und von Königswasser beschrieben. Die heute im Labor noch gebräuchliche Herstellung aus Schwefelsäure und Kaliumnitrat geht auf Johann Rudolph Glauber (1604-1670) zurück:   
  
Kaliumnitrat + Schwefelsäure Salpetersäure + Kaliumhydrogensulfat 
KNO3  +  H2SO4    HNO3  +  KHSO4  
     
Glauber entwickelte auch als erster ein Verfahren zur Darstellung von Königswasser ("Aqua regis") aus Kochsalz und Salpetersäure.   
   
Im Jahre 1903 entwickelten der norwegische Physiker Kristian Olaf Bernhard Birkeland (1867-1917) und der norwegische Ingenieur Sam Eyde (1866-1940) ein Verfahren, bei dem sie Luftstickstoff mit Luftsauerstoff im Lichtbogen zur Reaktion brachten. Legt man zwischen zwei Elektroden in einer Reaktionskugel eine Hochspannung an, entsteht ein Lichtbogen. Dabei reagiert der Luftstickstoff mit dem Luftsauerstoff zu Stickstoffmonooxid NO. Dieses reagiert mit noch vorhandenem Sauerstoff weiter zu Stickstoffdioxid NO2, das orangebraun gefärbt ist:  
   
N2  +  O2   2 NO   
2 NO  +  O    2 NO2    
    
  
Reaktionskugel  

Reaktionskugel mit gewöhnlicher Luft
Hochspannung  

Nach dem Einschalten der Hochspannung
 
Film erhältlich auf >DVD
  

  
 
Wenn das entstehende Stickstoffdioxid in Wasser geleitet wird, dann bildet sich Salpetersäure und erneut Stickstoffmonooxid:  
   
3 NO2  +  H2  2 HNO3  +  NO   
   
Dieses Verfahren zur Herstellung von Salpetersäure wird selten angewandt. Es konnte sich einige Zeit lang nur in Skandinavien behaupten, also in Ländern, wo die Elektrizität durch Wasserkraft preiswert zur Verfügung steht. Heute wird Salpetersäure in der chemischen Industrie hauptsächlich nach dem Ostwald-Verfahren durch die Oxidation von Ammoniak hergestellt.  


Ostwald-Verfahren zur Salpetersäureherstellung
  
Geschichte zur Entwicklung des Ostwald-Verfahrens
    
  
Verwendung 
  
Salpetersäure ist ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung von Düngemitteln und anderen chemischen Verbindungen, zum Beispiel Phosphorsäure, Oxalsäure, Collodium, Amine, Farbstoffe oder Medikamente. Sie ist auch ein Ausgangsstoff zur Herstellung von Sprengstoffen wie Nitroglycerin: Beim Aufsaugen auf Kieselgur erhält man mit diesem Dynamit. Auch für die Herstellung von Trinitrotoluol (TNT) oder Hexogen (RDX) wird Salpetersäure benötigt. Kaliumnitrat, ein Salz der Salpetersäure, ist ein Bestandteil des Schwarzpulvers. Juweliere verwenden Salpetersäure in verschiedener Konzentration und Kombination mit Salzsäure als Prüfsäure zur Bestimmung des Goldgehaltes in Schmuck. Dabei überprüfen sie, ob sich ein Abrieb des Schmuckstückes in der Prüfsäure löst. Die Konzentration wird ständig erhöht, löst sich der Abrieb, dann liegt der Goldgehalt darunter.

Prüfsäurekasten  

Prüfsäurekasten mit Probiersäuren
verschiedener Konzentrationen
Schieferplättchen


Aufträufeln der Probiersäure auf Abriebe
von Goldschmuck auf einer Schieferplatte
  
Film erhältlich auf >DVD
  
 
   
 
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