Arsen Schwefel  Tellur Brom
 
 Selen                                                34Se
 engl. selenium; griech. seléne ("Mond")
 
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Relat. Atommasse   
Ordnungszahl    
Schmelzpunkt    
Siedepunkt    
Oxidationszahlen     
Dichte    
Härte (Mohs)     
Elektronegativität    
Elektronenkonfig.   
Natürl. Häufigkeit  
  
Physikalische Daten: 
graues Selen 
  
 
78,96    
34    
221 °C     
685 °C    
6, 4, -2    
4,79 g/cm³   
2    
2,55 (Pauling)    
[Ar]3d104s24p4   
Se-74: 0,89%  
Se-76: 9,37%  
Se-77: 7,63%  
Se-78: 23,77%  
Se-80: 49,61%  
Se-82: 8,73%
 
 
      
 
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Beim Erhitzen von grauem Selen im Reagenzglas erhält man nach dem Abkühlen rotes, amorphes Selen.
    
 GHS-Piktogramme  
  Gefahr
Gefahren (H-Sätze) 
  
H 301, 331, 373, 413 
 
 
CAS-Nummer  
  
7482-49-2 
 
 
 
 
Physikalisch-chemische Eigenschaften
Selen zeigt ähnlich wie der Schwefel eine große Vielfalt an Erscheinungsformen. Das graue, metallische Selen ist die bei Raumtemperatur stabilste Modifikation. Es entsteht, wenn die anderen Modifikationen auf über 100°C erhitzt werden. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und schmilzt bei 217°C zu einer braunroten Schmelze, die bei 685°C in einen braungelben Dampf übergeht. Kühlt man den Dampf plötzlich ab, entsteht ein lockeres, rotes Pulver, das amorphe, rote Selen. Beim Abschrecken der braunroten Schmelze erhält man eine rotbraune, glasartige Masse, die beim Zerreiben ebenfalls das amorphe, rote Selen ergibt.   
   
   
 Erhitzen von Selen
 
 
 Beim Erhitzen von grauem Selen erhält man bei 217°C eine braunrote Schmelze, die bei 685°C
verdampft. Beim pötzlichen Abkühlen entsteht rotes amorphes oder kristallines Selen.
 
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Löst man das amorphe, rote Selen in Schwefelkohlenstoff, kristallisieren beim Stehenlassen monokline Kristalle von kristallinem, rotem Selen aus. Je nach Kristallisationsbedingungen (Temperatur, Geschwindigkeit) erhält man drei weitere, verschiedene kristalline Modifikationen des Selens.   
  
Das graue, metallische Selen zeigt einen ausgeprägten Photoeffekt. Während es im Dunkeln ein schlechter Leiter für elektrischen Strom ist, nimmt seine Leitfähigkeit bei Belichtung um den Faktor Tausend zu. Aufgrund dieses Effekts eignet sich das Metall zur Herstellung von lichtempfindlichen, elektronischen Bauteilen wie Photodioden oder Phototransistoren.  
   
Physiologie - Toxikologie 
Selen ist ein lebensnotwendiges Ultraspurenelement für den Schilddrüsenstoffwechsel und für die Schutzsysteme der Zellen. Als Antioxidanz ist es in der Lage, freie Sauerstoffradikale zu neutralisieren. Selenmangel führt beispielsweise zur Schwächung des Immunsystems, zu rheumatischen Beschwerden oder zu Augenerkrankungen. Das Ultraspurenelement findet sich in Heringen, Thunfisch, Sardinen, Sojabohnen, Weizenvollkornbrot und im Muskelfleisch (Rind, Schwein) in höheren Konzentrationen. Beim Selen ist die Schwelle vom nützlichen Bioelement bis zum giftigen Stoff nur gering. Eine chronische Vergiftung, die Selenose, entsteht bei der Aufnahme von wenigen Milligramm pro Tag. Die Symptome äußern sich in Haarausfall, Hautentzündungen, Übelkeit und in einem knoblauchartigen Atemgeruch. 
    
Fein verteiltes Selen oxidiert an der Luft bereits bei Raumtemperatur zu Selendioxid  SeO2. Dieses kann sich nach dem Einatmen im Atemtrakt (oder auch im Magen) zu Seleniger Säure umsetzen. Die Säure besitzt eine sehr hohe schleimhautreizende Wirkung. Es treten Hustenreiz, Niesreiz und Atembeschwerden auf. Dann kommen Kopfschmerzen an der Stirn, Schwindel, Schwäche, Übelkeit und Brechreiz hinzu, in schweren Fällen eine Bronchitis oder sogar eine Lungenentzündung.
  
Vorkommen 
Selen ist ein seltenes Element und steht mit einem Anteil von 8 x 10-5 % an 59. Stelle der Elementhäufigkeit. Damit ist es seltener als Uran aber häufiger als Quecksilber oder Silber. In der Natur kommt es sehr selten als Selen gediegen vor, meist in Verbindung mit Schwefel. Selenminerale sind ebenfalls sehr selten. Zu ihnen gehören der Berzelianit (Kupferselenid), der Tiemannit (Quecksilberselenid), der Naumannit (Silberselenid) und der Clausthalit (Bleiselenid). Die Selengewinnung erfolgt hauptsächlich aus Nebenprodukten bei der Kupferherstellung aus Kupfererzen. So enthalten Sulfid-Erze wie Pyrit, Eisenkies, Kupferkies oder Zinkblende meist Selensulfide in geringen Verunreinigungen. Dabei ist es oft mit Tellurverbindungen vergesellschaftet.  
   
 
 Gediegen Selen und Clausthalit
 
 
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 links: Selen gediegen aus Radvanice/Tschechien,
rechts: silbrig glänzender Clausthalit aus Potosi/Bolivien
 
 
Geschichte 
Dem schwedischen Chemiker Jöns Jakob Berzelius (1779-1848) fiel im Jahre 1817 im Schlamm der Bleikammern einer schwedischen Schwefelsäurefabrik in Gripsholm eine ungewöhnliche Rotfärbung auf. Danach untersuchte er den Schlamm. Nach der Behandlung mit Königswasser erhielt er bei der Lötrohrprobe eine fahlblaue Flammenfarbe und einen starken Geruch nach Rettich. Durch weitere Experimente gelang ihm auch die Herstellung einer metallisch glänzenden Substanz. Berzelius benannte das neue Element nach dem griechischen Wort seléne ("Mond"), in Anlehnung an das schon früher entdeckte Tellur ("Erde").  
   
   
 Der Entdecker des Selens
 
 
 
 
 
 J.J. Berzelius (1779-1848) stellte neben Selen auch als erster Silicium her.
 
  
Herstellung     
Die technische Gewinnung erfolgt aus dem Anodenschlamm bei der Kupfer-Raffination. Die enthaltenen, wasserunlöslichen Selenide (im Beispiel Kupferselenid) werden mit Soda und Kaliumnitrat geschmolzen oder durch Rösten zu wasserlöslichem Natriumselenid oxidiert: 
  
Cu2Se  +  Na2CO3  +  2 O2   2 CuO  +  Na2SeO3  +  CO2   
  
Das noch vorhandene Tellur wird durch eine Neutralisationsreaktion mit Schwefelsäure beseitigt. Dabei fällt unlösliches Tellurdioxid aus. Durch diese Reaktion reagiert das Natriumselenid zu Seleniger Säure, die durch das Einleiten von Schwefeldioxid zu Selen reduziert wird:  
  
H2SeO3  +  2 SO2  +  H2  Se  +  2 H2SO4   
  
Bei Kälte erhält man rotes, amorphes Selen, das durch eine nachfolgende Vakuumdestillation gereinigt wird.   
   
Beim Rösten sulfidischer Erze wie Zinkblende oder Pyrit fällt neben dem Schwefeldioxid auch ein geringer Anteil an Selendioxid an. Dieses ist im Gegensatz zum Schwefeldioxid fest und findet sich daher als fein verteiltes Pulver im Flugstaub. Mit Hilfe von Schwefelsäure kann es ebenfalls in Selenige Säure umgewandelt werden. 
  
Verwendung 
Selen ist ein wichtiger Rohstoff für die Halbleiterindustrie und dient zur Herstellung von Photozellen, Solarzellen, Belichtungsmessern, Radaranlagen oder von fotoleitenden Schichten bei Fotokopiergeräten. Früher, in den Zeiten der analogen Fotografie, waren Selenbelichtungsmesser im Handel erhältlich. Diese enthielten Fotodioden mit polykristallinem Selen, sie benötigten keine Batterien.  
 
 
 Alter Selen-Belichtungsmesser
 
 
 
 Die Fotodioden an der Front des Gehäuses erzeugen aus dem Licht elektrischen Strom.
 
   
Werden Selen oder Selenverbindungen bei der Glasherstellung in Konzentrationen von 1-2g pro kg zugemischt, erhält man leuchtend rotes Glas, das auch als Selenrubinglas bezeichnet wird. Dieses wird zum Bau von Signal- und Ampelanlagen verwendet. Geringe Selenkonzentrationen entfärben dagegen Gläser. Shampoos enthalten bis zu 1% Selensulfid  SeS als Antischuppenmittel. In der Medizin werden Selenpräparate zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt.  
   
  
 Rotes Glas einer Verkehrsampel
 
 
 
 
 Signalleuchten sind oft aus rotem Selenrubinglas.
 
 
Copyright: Thomas Seilnacht