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  Chlorwasserstoff   HCl 
  
  
  
  
  
  
Farbloses, stechend   
riechendes Gas
Molmasse  36,461 g/mol    
    
AGW  2 ml/m3 (TRGS 900) *)   
Dichte  1,6423 g/l (Gas, 0 °C, 1013 hPa)  
(HCl : Luft = 1,27)  
Schmelzpunkt  -114,17 °C    
Siedepunkt  -85 °C    
Wasserlöslichkeit 
Konz. bei 20 °C 720 g/l 
Piktogramme  
GHS 04 
GHS 05 
GHS 06 
Gefahr
Gefahrenklassen + Kategorie  
    
Gase unter Druck, verdicht. Gas  
Akute Toxizität inhalativ 3  
Ätz/Reizwirkung auf die Haut 1A
HP-Sätze (siehe Hinweis) 
280, 314, 331    
260, 280, 304+340, 303+361+353, 305+351+338, 315, 403, 405 
Entsorgung  besondere Hinweise
  Deutscher Name Englischer Name
CAS 7647-01-0 Chlorwasserstoff Hydrogen chloride
    
Bemerkung für Schulen: Gasflaschen mit Chlorwasserstoff dürfen an Schulen nicht aufbewahrt werden. Zur Demonstration der Eigenschaften kann das Gas durch Erhitzen aus rauchender Salzsäure ausgetrieben werden. Dafür ist ein Abzug notwendig. Schutzbrille und Schutzhandschuhe müssen angezogen werden. Der Springbrunnenversuch ist im Fachraum bei guter Lüftung möglich, da mit einer geschlossenen Apparatur gearbeitet wird. Da ein kurzzeitiges Vakuum auftritt, müssen auch die Zuschauer Schutzbrillen tragen, oder es wird eine Schutzscheibe eingesetzt. Der Versuch ist für Schüler nicht geeignet.


Wirkung auf den menschlichen Körper 
  
Die Dämpfe reizen Haut, Augen, Schleimhäute und die Atmungsorgane. Chlorwasserstoff zerstört Schleimhautzellen, beim Eindringen in den Kehlkopf besteht die Gefahr der Ausbildung eines tödlichen Kehlkopfödems. Dabei schwillt das Gewebe durch das Eindringen von Wasser an. Bei hohen Konzentrationen dringt das Gas in die tieferen Luftwege und schädigt die Bronchien und die Lungenbläschen. Auch dort kann ein Lungenödem zum Tode führen. Eine Schädigung der Lungenkapillaren kann als Nachwirkung auch Schocksymptome oder Infarkte verursachen. Ob eine gefährliche Reaktion im Kehlkopf oder an den unteren Atemwegsorganen auftritt, hängt von der Gesamtmenge des eingeatmeten Gases ab, eine kurze Reizwirkung muss nicht zwangsläufig zu gefährlichen Reaktionen führen. Das Gas löst sich sofort in der Flüssigkeit der Mundschleimhaut, die entstehende Säure greift auch die Zähne an. Auch reagieren verschiedene Personen unterschiedlich. Beim häufigen Einatmen geringer Konzentrationen besteht die Gefahr einer chronischen Bronchitis. 


Eigenschaften   
  
Chlorwasserstoff ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das nicht brennbar ist. Das Gas ist in Wasser außerordentlich gut löslich, bei Zimmertemperatur (20° Celsius) lösen sich 442 Liter Gas in einem Liter Wasser. Die Lösung des Gases in Wasser nennt man Salzsäure. Beim Springbrunnenversuch wird ein mit Chlorwasserstoff gefüllter Rundkolben, der mit einer Düse versehen ist, in einen Behälter mit Wasser gehalten:
   
 
 
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Im trockenen Zustand ist Chlorwasserstoff selbst bei hohen Temperaturen stabil. An feuchter Luft bildet sich ein feiner Nebel aus Salzsäuretröpfchen. Unter Druck verflüssigter, wasserfreier Chlorwasserstoff leitet elektrischen Strom ähnlich gut wie die Salzsäure. Chlorwasserstoff dient in der organischen Chemie als Grundstoff für zahlreiche Synthesen. Unter Druck lagert er sich bei 200° Celsius in Gegenwart von Quecksilber auf Aktivkohle an Acetylen an: 
   
 C2H2  +  HCl   H2C=CHCl 
Acetylen  +  Chlorwasserstoff    Vinylchlorid 
    
Polyvinylchlorid (PVC), als Polymerisationsprodukt des Vinylchlorids, ist ein bedeutender Kunststoff. Allerdings wird die beschriebene Reaktion heute kaum noch zur Herstellung von PVC verwendet.Bei der Oxychlorierung werden Chloratome in eine organische Verbindung eingebaut. In Gegenwart von Kupfer(II)-chlorid lässt sich Ethylen bei 180° Celsius mit Hilfe von Chlorwasserstoff zunächst zu 1,2-Dichlorethan umwandeln. Danach kann man durch Erhitzen wieder Chlorwasserstoff abspalten, so dass ebenfalls Vinylchlorid entsteht. Dieses technische Verfahren ist heute eher gebräuchlich. Auch Alkane lassen sich mit der Oxychlorierung chlorieren. Bei etwa 450° Celsius erhält man in Gegenwart von Kupfersalzen aus Methan den Halogenkohlenwasserstoff Chlormethan (Methylchlorid): 
   
2 CH4  +  2 HCl  +  O2    2 CH3Cl  +  2 H2O 
Methan + Chlorwasserstoff + Sauerstoff   Chlormethan + Wasser 
    
Bei der Chlormethylierung wird die Atomgruppe -CH2Cl in eine organische Verbindung eingeführt. Hierzu wird eine aromatische Verbindung wie Benzol mit Formaldehyd versetzt. Leitet man danach Chlorwasserstoff in Gegenwart von Zinkchlorid oder Aluminiumchlorid ein, erhält man Benzylchlorid:

C6H6  +  HCOH  +  HCl   C6H5-CH2Cl  +  H2O 
Benzol + Formaldeyhd + Chlorwasserstoff  Benzylchlorid + Wasser 
  
Bei dieser Reaktion entsteht aber als Nebenprodukt der äußerst gefährliche Bis(chlormethyl)ether (BCME oder 1,1-Dichlordimethylether): 


     

BCME gehört zu den am stärksten bekannten, krebserzeugenden Stoffen. Außerdem wirkt er beim Einatmen sehr toxisch. Sobald Chlorwasserstoff und Formaldehyd zusammenkommen, besteht die Gefahr einer Bildung von BCME. Er zerfällt bei Wasserzugabe wieder relativ leicht zu Chlorwasserstoff und Formaldehyd. Auch an trockener Luft zerfällt er und kann dabei explosive Peroxide bilden. In feuchter Luft hält sich BCME aber einige Zeit stabil.
   
  
Herstellung  
  
Im Labor erhält man Chlorwasserstoff durch die Reaktion von Chlor mit Wasserstoff. Diese Reaktion kann, vor allem unter Lichteinwirkung, explosionsartig erfolgen:   
  
H2  +  Cl2   2 HCl      ΔHR = -184 kJ/mol 
   
Eine andere Möglichkeit ist die Umsetzung von Natriumchlorid (Kochsalz) und Schwefelsäure  
   
NaCl  +  H2SO   HCl  +  NaHSO4    
   
Zur großtechnischen Gewinnung von Chlorwasserstoff: siehe unter Salzsäure.
     
   
Verwendung   
   
Chlorwasserstoff dient in der chemischen Industrie zur Herstellung von Salzsäure und Chloriden, zur Synthese von organischen Verbindungen (Chlorsulfonsäure oder PVC) oder zur Isomerisierung von Kohlenwasserstoffen. Neuerdings wird zunehmend verflüssigter, wasserfreier Chlorwasserstoff statt Salzsäure verwendet, da er Rohrleitungen nicht angreift.  
   
   
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Chlorwasserstoff ist ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von Weich-PVC.
  
    
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