Benzol C6H6

Teflonverschluss
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Klare, farblose und leicht
bewegliche Flüssigkeit
Vorkommen Steinkohle, Erdöl
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Molmasse 78,112 g/mol
AGW k.A., krebserzeugender Stoff
Dichte 0,8788
g/cm3
Schmelzpunkt +5,538
°C
Siedepunkt +80,08
°C
Wasserlöslichkeit
Konz. bei 20 °C 1,8
g/l
Brechungsindex (20°C) 1,5011
Explosionsgrz. 1,2 bis 7,8 Vol.-% (Luft)
Flammpunkt
−11 °C
Zündpunkt
+498 °C |
Piktogramme
GHS 02
GHS 07
GHS 08
Gefahr
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Gefahrenklassen
+ Kategorie
Entzündbare Flüssigkeiten
2
Ätz-/Reizwirkung auf
die Haut 2
Schwere Augenschäd./-reizung
2
Keimzellenmutagenität
1A
Karzinogenität 1A
Spez. Zielorgan-Toxizität
w. 1
Aspirationsgefahr 1 |
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)
H 225, 304, 315, 319, 340, 350, 372, 412
P 210, 260, 280.1-4,6,7, 301+310, 305+351+338, 308+313, 403+233
Entsorgung G 1
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Dt. Bezeichnung
Synonyme (deutsch) |
Engl. Bezeichnung
Synonyme (engl.) |
| CAS 71-43-2 |
Benzol
Benzen |
Benzene
[6]Annulene |
Bemerkung
für
Schulen: Benzol ist ein stark krebserzeugender Arbeitsstoff. Er darf
im Schullabor nicht aufbewahrt und auch nicht eingesetzt werden. Da
Benzol als Antiklopfmittel in Autobenzin enthalten ist, darf dieses an
Schulen im Chemieunterricht nicht eingesetzt werden.
Wirkung auf den menschlichen Körper
Benzoldämpfe
wirken
beim Einatmen sehr toxisch. Die Symptome
äußern sich in
Schwindel,
Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Die Flüssigkeit
kann auch über
die Haut aufgenommen werden und verursacht auf diesem
Weg schwere
Vergiftungen.
Bei einem Benzolgehalt von zwei Volumenprozent in der
Atemluft tritt der
Tod nach fünf bis zehn Minuten ein. Chronische
Vergiftungen bei
Aufnahme von kleineren Mengen
über einen längeren Zeitraum führen zu
einer Schädigung des Knochenmarks, der Leber und der Nieren. Benzol
kann Leukämie hervorrufen und gilt als stark krebserzeugender
Stoff.
Eigenschaften
Benzol ist eine klare,
leicht bewegliche Flüssigkeit, die mit einem Brechungsindex von 1,5011 stark lichtbrechend ist. Benzol mischt sich mit Wasser kaum, beim Mischen schwimmt es aufgrund seiner
geringeren Dichte oben. Ethylalkohol, Diethylether, Benzin, Fette, Harze,
Phosphor und Iod lassen sich in Benzol gut lösen.

Das Benzol in dieser
Flasche schwimmt auf einer
Wasserschicht, es ist stärker
lichtbrechend als Wasser.
An der Luft verbrennt
der Kohlenwasserstoff Benzol mit rußender Flamme unter Bildung von CO2 und H2O. Aufgrund der dabei hohen, entstehenden Verbrennungswärme
und seiner Eigenschaft, Frühzündungen im Ottomotor – dem „Klopfen“
– zu verhindern, wird er als Zusatzstoff im bleifreien Benzin verwendet.

Benzol rußt sehr stark beim Verbrennen.
Film
Benzol ist aufgrund seines Benzolrings im Molekül-Bau der einfachste Vertreter der Aromaten.
Die Addition von Halogenen gelingt mit UV-Licht: Wenn sechs Chlor-Atome am Benzolring addiert werden, erhält man Hexachlorcyclohexan, das verschiedene Diastereomere bildet: Bekannt geworden ist γ-Hexachlorcyclohexan unter dem Namen Lindan. Es ist ein in der Natur schwer abbaubares
Insektenvernichtungsmittel, das sich in der Nahrungskette anreichert.
γ-Hexachlorcyclohexan (Lindan)
Mesomerie im Benzolmolekül
Bei der Darstellung des
Benzol-Moleküls gäbe es theoretisch zwei Möglichkeiten. Der
Mesomerie-Pfeil und die eckige Klammer verdeutlichen, dass die beiden dargestellten
Grenzstrukturen nicht wirklich existieren:
Da der Bindungsabstand
zwischen einer Einfachbindung und einer Doppelbindung verschieden ist,
müsste ein unregelmäßiges Sechseck entstehen. Mit Hilfe
der Röntgenstrukturanalyse lässt sich aber errechnen, dass die
Bindungslängen zwischen allen C-Atomen im Benzol gleich sind. Die
Elektronen sind daher ringförmig in den Elektronenwolken verteilt,
sie sind delokalisiert und richten eine symmetrische Struktur aus. Der
Ring bei der Darstellung des Benzol-Moleküls verdeutlicht dies.
Es liegen nach Paulings Hybridorbital-Modell π-Bindungen vor. Diese Erscheinung der
delokalisierten Elektronen nennt man Mesomerie oder Resonanz. Sie kommt bei zahlreichen anderen
anorganischen und organischen Verbindungen vor, so auch beim Lachgas.
Der Resonanzbegriff bei chemischen Bindungen geht auf Pauling zurück.
Herstellung von Halogenaromaten
Die Wasserstoff-Atome
am Benzolring lassen sich bei Gegenwart von Eisen(III)-chlorid mit Halogenen substituieren: Mit Chlor entsteht flüssiges Chlorbenzol, das als Lösungsmittel verwendet und zur Phenol-Synthese benötigt wird. Bei der Bromierung von Benzol mit Brom unter Einsatz des Katalysators Eisen(III)-bromid FeBr3 entstehen die aromatisch riechende Flüssigkeit Brombenzol und gasförmiger Bromwasserstoff:
Benzol + Brom Brombenzol + Bromwasserstoff
C6H6 + Br2 C6H5Br + HBr
Diese Reaktion ist ein Lehrbuchbeispiel für eine typische Elektrophile aromatische Substitution SEAr. Das Fe3+-Ion im Katalysator FeBr3 ist eine starke Lewis-Säure, die Elektronenpaare aufnehmen kann. Dadurch wird das Br2-Molekül polarisiert. Das nukleophile π-Elektronensystem des Benzolrings verstärkt diese
Polarisation beim Annähern zusätzlich. Ein Brom-Atom im Br2-Molekül
wird dadurch positiv polarisiert und wirkt elektrophil:
Das System aus dem polarisierten Brom-Molekül und dem π-Elektronensystem wird als π-Komplex bezeichnet. Diese Wechselwirkung führt zur Spaltung des Br2-Moleküls: Ein
Brom-Atom wird über eine σ-Bindung an ein C-Atom des Benzolrings
gebunden. Es entsteht ein positiv geladenes Zwischenprodukt, das auch
als Arenium-Ion oder als σ-Komplex bezeichnet wird. Dieses ist nicht
aromatisch und daher energetisch ungünstig. Das andere Brom-Atom
bildet zusammen mit dem Katalysator ein FeBr4−-Ion:
Durch die Abspaltung eines Protons wird die Aromatizität des
Benzolrings wiederhergestellt. Das entstehende Brombenzol ist deutlich
stabiler als das Zwischenprodukt. Das abgespaltene Proton verbindet sich
mit einem Bromid-Ion aus dem FeBr4−-Ion zu HBr. Der Katalysator liegt anschließend wieder in seiner ursprünglichen Form vor:

Folie: Reaktionsmechanismus
Nitrobenzole und Azobenzole
Mit
Nitriersäure, einem Gemisch aus rauchender Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure, erhält
man Nitrobenzol, ein wichtiges
Zwischenprodukt zur Anilin-Herstellung. Beim
erneuten Nitrieren lassen sich auch Dinitrobenzol und Trinitrobenzol
darstellen. Sämtliche Nitrobenzole sind stark toxisch,
Trinitrobenzol ist ein brisanter Sprengstoff.
| Chlorbenzol |
Nitrobenzol |
Azobenzol |
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Nitrobenzol
kann auch zur Herstellung von Azobenzol verwendet werden. Dieses Zwischenprodukt
zur Synthese von Azofarbstoffen erhält man beispielsweise durch eine
Reduktion von Nitrobenzol mit Lithiumaluminiumhydrid. Dabei entsteht die typische
Azogruppe -N=N-. Azobenzol bildet orangerote Blättchen, die sich in Wasser kaum, in
Alkohol jedoch gut lösen.

Dinitrobenzol und Azobenzol aus einer alten Chemikaliensammlung.
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Verwendung
Benzol dient in Motorkraftstoffen
als Beimischung zur Erhöhung der Klopffestigkeit. Der Aromat ist Ausgangsstoff für viele organische und aromatische
Verbindungen wie Nitrobenzol, Anilin, Phenol, Styrol, Insektizide wie Lindan oder DDT,
Azo-Farbstoffe, Kunststoffe und Kunstharze. Benzol wird auch zur Waschmittelherstellung
benötigt. Es ist ein ausgezeichnetes, leider aber stark toxisches
Lösungsmittel
für Lacke, Harze, Wachse und Öle. Im Ausland
gefertigte Billig-Schuhe können Benzol-Reste enthalten, wenn
benzolhaltige Klebstoffe eingesetzt wurden.
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