Silbernitrat kann das Kind im Mutterleib schädigen. Werdende oder stillende Mütter dürfen mit diesem Stoff nicht arbeiten, auch nicht mit stark verdünnten Lösungen. Generell keine Schülerversuche mit Silbernitrat oder mit Lösungen ab 0,3 % Konzentration (ca. 0,017 mol/l) durchführen! Regionale oder behördliche Totalverbote für Schulen beachten!
Allgemeine Hinweise: Beim Arbeiten mit Silbernitrat oder deren Lösungen ist das Tragen von Schutzbrille und Schutzhandschuhen notwendig, das Arbeiten mit dem Feststoff erfolgt im Abzug. Die Hände und der Arbeitsplatz müssen nach jeder Arbeit gut gewaschen werden. Mit Silbernitrat-Lösung benetzte Haut, Kleidung oder Arbeitsflächen müssen sofort gut mit Wasser gereinigt werden, da sich sonst unter Lichteinwirkung schwarz-violette Silberüberzüge bilden, die nur schwer zu säubern sind. Generell sollte zum Chlorid-Nachweis in Schulen nur Silbernitrat-Lösung 0,01 mol/l verwendet werden. Reste müssen korrekt entsorgt werden.
Verspiegelungs-Experimente für Schulen sind problematisch. Die zum Verspiegeln verwendete ammoniakalische Silbernitrat-Lösung darf auf gar keinen Fall aufbewahrt werden, da sich hierbei explosive Kristalle bilden können. Die Durchführung der
Tollens-Probe zum Nachweis von Kohlenstoffmonooxid an Schulen ist ebenfalls problematisch. Lösliche Silberverbindungen haben ein sehr hohes umweltgefährliches Potenzial (siehe
letale Konzentration). Reste müssen sorgfältig gesammelt und
sachgemäß entsorgt werden.
GBU Deutschland: Chlorid-Nachweis mit Silbernitratlösung 0,01 mol/l
SB Schweiz: Chlorid-Nachweis mit Silbernitratlösung 0,01 mol/l
Silbernitrat bildet klare Kristalle, die im kristallinen Pulver weiß erscheinen. Das bitter metallisch schmeckende Silbersalz wirkt stark ätzend und bakterientötend. In Wasser ist es sehr gut löslich. Die Lösung reagiert schwach sauer. Schon Spuren in einem Gewässer können die Organismen darin töten.
Silber(I)-nitrat wird durch organische Stoffe wie
Glycerin, aber auch durch Staubteilchen, besonders im Licht zu fein verteiltem, schwarzem
Silber reduziert. Daher muss es unter Lichtabschluss aufbewahrt werden. Benetzte Haut färbt sich unter Lichteinwirkung nach ein paar Stunden bräunlich. Das auf der Hautoberfläche gebildete Silber baut sich nach einigen Tagen aber wieder ab. Früher wurde das Silbersalz zum Ätzen von Warzen verwendet. Aufgrund der Verfärbung auf der Haut nannte man es Höllenstein.
Die Flecken können mit
Kaliumiodid sofort entfernt werden. Gibt man zu einer Silber(I)-nitrat-Lösung Kaliumchlorid, flockt lichtempfindliches und im Wasser nicht mehr lösliches
Silberchlorid aus:
AgNO
3 + KCl

AgCl + KNO
3
Auf diese Art und Weise lassen sich viele Silbersalze herstellen: Mit
Natriumhydroxid erhält man
Silber(I)-oxid Ag
2O, mit
Natriumcarbonat Silber(I)-carbonat und mit
Kaliumchromat kann man Silberchromat herstellen. Vermischt man eine Silber(I)-nitrat-Lösung mit
Ethanol lässt sich das in den Knallerbsen vorhandene Silberfulminat oder Knallsilber CNOAg auskristallisieren (>
rechtlicher Hinweis). Dieses ist noch viel berührungsempfindlicher als der Initial-Sprengstoff Knallquecksilber. Bei der Umsetzung von ammoniakalischer Silbernitrat-Lösung zu Silbernitrid Ag
3N entsteht ebenfalls ein explosiver Stoff. Dieses „Knallsilber“ unterscheidet sich chemisch aber vom Silberfulminat oder vom Silberazid. Das Silberazid AgN
3 wird durch die Reaktion von Natriumazid mit Silbernitrat dargestellt. Es detoniert schon bei bloßer Berührung.
Zum Verspiegeln von Glas wird eine 0,1 molare Silbernitrat-Lösung mit so viel 10%iger Ammoniaklösung versetzt, bis sich der entstehende Niederschlag wieder löst. Bei der Zugabe von Glycerin oder anderen reduzierend wirkenden Stoffen entsteht beim Erwärmen ein Silberspiegel auf Glas. Es ist sehr gefährlich, wenn ammoniakalische Silbernitrat-Lösungen zum Verspiegeln längere Zeit stehen bleiben oder aufbewahrt werden. Dann kristallisieren die explosiven Silbernitrid-Kristalle aus. Bloßes Drehen am Verschluss oder nur wenig Schütteln kann die Explosion auslösen.
Tollens Reagenz ist ein Gemisch von 10%iger Silbernitrat-Lösung und 10%iger Natronlauge, dem wenig Ammoniaklösung zugesetzt wird, bis die gerade auftretende Silberoxid-Fällung wieder verschwindet. Die Tollens-Probe dient im Labor zum Nachweis von reduzierend wirkenden funktionellen Gruppen. Aldehyde werden mit Tollens Reagenz zu Alkansäuren oxidiert, wobei elementares Silber entsteht. Beim Einleiten von
Kohlenstoffmonooxid in Tollens Reagenz wird Kohlenstoffmonooxid zu Kohlenstoffdioxid oxidiert. Die Tollens-Probe weist Kohlenstoffmonooxid bereits in geringen Mengen nach. Die Durchführung der Tollens-Probe an Schulen ist problematisch, da die Lösung nur frisch angesetzt werden darf und die Reste korrekt zu
entsorgen sind. Es wird empfohlen, stattdessen ein elektronisches Nachweisgerät für Kohlenstoffmonooxid einzusetzen, wie es im Elektronikbedarf erhältlich ist.
Durch das Auflösen von
Silber in konzentrierter
Salpetersäure erhält man Silber(I)-nitrat, wobei sich Stickstoffmonooxid bildet:
3 Ag + 4 HNO
3 
3 AgNO
3 + 2 H
2O + NO
Das Stickstoffmonooxid (NO) geht bei der Berührung mit der Luft in rotbraunes Stickstoffdioxid NO
2 über. Dieser Versuch darf nur in einem gut gelüfteten Abzug durchgeführt werden, da die Stickoxide sehr toxisch sind.
Die chemische Industrie benötigt Silbernitrat zur Herstellung anderer Silberverbindungen wie Silberchlorid oder Silberiodid. Diese waren lange Zeit Bestandteil der lichtempfindlichen Fläche von Filmen für die analoge Fotografie. In der Galvanotechnik lassen sich mit Silbernitrat galvanische Versilberungen durchführen. Früher diente Silbernitrat als Ätzmittel gegen Warzen, zum Schwarzfärben von Haaren und zur Herstellung nicht auslöschbarer Tinten. Im Labor ist die wässrige Lösung ein wichtiges Reagenz zum analytischen Nachweis der Halogenide.
Analytik
Chloride sowie Salzsäure bilden mit Silber(I)-nitrat schwer lösliches Silber(I)-chlorid AgCl, das als weißer Niederschlag aus der Flüssigkeit ausfällt. Bei der Reaktion von Natriumchlorid mit Silber(I)-nitrat erhält man Silber(I)-chlorid und Natriumnitrat.
AgNO
3 + NaCl

AgCl ↓ + NaNO
3
Weitere Infos und didaktisches Material
Durchführung einer chemischen Analyse im
virtuellen Labor
Chloride im Lexikon der Säuren, Basen und Salze
Silbersalze in der Fotografie.
Tollens-Probe auf reduzierend wirkende funktionelle Gruppen