Schwefelwasserstoff
H2S
CAS 7783-06-4
Schwefelwasserstoff
Hydrogen sulfide
34,081 g/mol
 
5 ml/m3 oder 7,1 mg/m3 (TRGS 900)
1,5359 g/l (Gas, 0 °C, 1013 hPa)
(H2S zu Luft = 1,19) 
−85,5 °C
−59,55 °C
Konz. bei 20 °C 3,98 g/l
4 bis 44 Vol.-% (Luft)
+260 °C

Farbloses Gas mit Geruch nach faulen Eiern

GHS 02GHS 04 GHS 06 GHS 09
Gefahrenklassen + Kategorie

Entzündbare Gase 1
Gase unter Druck, verdicht. Gas
Akute Toxizität inhalativ 2
Gewässergefährdend akut 1
Piktogramme
GHS 02
GHS 04
GHS 06
GHS 09
Gefahr
Seite oben Spezielle Bemerkungen für die Schule
Riechversuche mit Schwefelwasserstoff werden nicht empfohlen, auch wenn die Geruchsschwelle für dieses Gas weit unter der Vergiftungsschwelle liegt. Nach der deutschen DGUV-Liste Unterricht in Schulen mit gefährlichen Stoffen dürfen Schülerinnen und Schüler mit diesem Gas nicht arbeiten. Nach der deutschen RISU dürfen Gasflaschen mit Schwefelwasserstoff an Schulen nicht gelagert werden.
Seite oben Eigenschaften
Wirkung auf den menschlichen Körper

Schwefelwasserstoff ist ein stark toxisches Gas, das etwa so toxisch wie Blausäure wirkt. Aufgrund des üblen, nach faulen Eiern riechenden Geruchs wird das Gas schon in geringsten Konzentrationen wahrgenommen. Die Geruchsschwelle liegt bei 0,15 Milligramm pro Kubikmeter, sie liegt also weit unter dem Arbeitsplatzgrenzwert. Es kann aber allmählich eine Abstumpfung stattfinden. Luft, die nur wenige Prozent des Gases enthält, wirkt innerhalb weniger Sekunden tödlich, Vergiftungen mit kleineren Mengen führen zu Schwindel, Atemnot und Errregungszuständen. Die Giftwirkung beruht auf einer Umwandlung des Blutfarbstoffes Hämoglobin zu Sulfhämoglobin, einer Schwefelverbindung. Dadurch wird das Atemzentrum gelähmt, dem eine Schädigung des Herzens folgt. Bei Vergiftungsfällen sollte viel frische Luft geatmet und gegebenenfalls auch künstlich beatmet werden.

Chemisch-physikalische Eigenschaften

Schwefelwasserstoff ist ein farbloses, brennbares Gas, das geringfügig schwerer als Luft ist. Es ist in Wasser mäßig und in Ethanol gut löslich. Dabei bildet sich eine leicht saure Lösung. Wässrige Lösungen sind nicht beständig, da der Schwefelwasserstoff durch den gelösten Sauerstoff oxidiert wird: 

2 H2S  +  O2 reagiert zu  2 S  +  2 H2O   

Eine gesättigte Lösung besitzt einen pH-Wert von 4,5 und reagiert schwach sauer. Beim Erhitzen zerfällt Schwefelwasserstoff in Wasserstoff und Schwefel. Beim Anzünden an der Luft verbrennt er zu Wasser und Schwefeldioxid. Mit Metallen bildet er bei Anwesenheit von Feuchtigkeit Metallsulfide, mit Eisen entsteht zum Beispiel Eisensulfid, mit Chlor Chlorwasserstoff und mit Schwefelsäure Schwefel und Schwefeldioxid.  

Mit Schwefelwasserstoff färbt sich das Bleiacetatpapier bräunlich.

Mit Schwefelwasserstoff färbt sich das Bleiacetat-Papier bräunlich.

Der Nachweis des Schwefelwasserstoffs erfolgt entweder am Geruch oder mit Bleiacetat-Papier. Dabei entsteht bräunlich-schwarzes Bleisulfid: 
H2S  +  Pb2+ reagiert zu   PbS  +  2 H+  

Silbermünzen reagieren mit Schwefelwasserstoff unter Bildung von schwarzem Silbersulfid. Aus diesem Grund verfärben sich Silberlöffel, wenn man sie zum Essen von Eiern benutzt:

Der Silberlöffel rechts ist durch den Kontakt mit schwefelhaltigen Eiern schwarz angelaufen.

Der Silberlöffel rechts ist durch den Kontakt
mit schwefelhaltigen Eiern schwarz angelaufen.
Seite oben Herstellung
Schwefelwasserstoff fällt in großen Mengen bei der Entschwefelung von Erdöl an. Im Labor kann man das Gas durch die Einwirkung von Salzsäure auf Eisen(II)-sulfid erzeugen:   

FeS  +  2 HCl reagiert zu  FeCl2  +  H2S    

In der chemischen Industrie erfolgt die Herstellung durch die Reaktion von Schwefel und Wasserstoff bei etwa 350 °C mit Hilfe von Katalysatoren:  

S  +  H2 reagiert zu  H2S      ΔHR = −21 kJ/mol 
Seite oben Verwendung
Schwefelwasserstoff dient zur Schwefelgewinnung aus Erdöl, zur Herstellung von Sulfiden, zum Beispiel von Natriumsulfid oder Natriumhydrogensulfid und von organischen Schwefelverbindungen (Thiole, Thiophene). Im chemischen Labor wird er als Fällungsreagenz zum Nachweis von Blei eingesetzt. Leitet man Schwefelwasserstoff in eine Blei(II)-salz-Lösung, fällt braunschwarzes Blei(II)-sulfid aus.

Einleiten von Schwefelwasserstoff in eine Bleisalz-Lösung

Beim Einleiten von Schwefelwasserstoff in eine Blei(II)-salz-Lösung
fällt braunschwarzes Blei(II)-sulfid aus.
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