Amphibol-Supergruppe
engl. Amphibole
Nach dem griechischen Wort amphibolos („zweideutig“)
Formel
Stoffgruppe
Farbe
Strich
Glanz
Transparenz
Härte (Mohs)
Dichte
Spaltbarkeit
Bruch

Kristallsystem
Kristallklasse
AB2C5[(OH,F)2/T8O22]
Kettensilicate
schwarz, braun, gelb, rot, weiß, grün
variierend
Glasglanz, Seidenglanz
durchsichtig bis undurchsichtig
5,5 – 6
2,9 – 3,6 g/cm³
vollkommen (monokline Amphibole)
uneben

monoklin oder orthorhombisch
je nach Kristallsystem
FluororichteritLupe
Eigenschaften
Minerale
Kristallformen
Geschichte
Vorkommen
Verwendung
Beschreibung

Eigenschaften

Die Amphibol-Supergruppe umfasst eine Vielzahl an Mineralen, die aus Silicat-Doppelketten aufgebaut sind. Die Doppelketten werden auch als Amphibolband bezeichnet. Die Amphibole sind sehr gut spaltbar und spalten sich in zwei Richtungen schräg zueinander. Die Spaltflächen spiegeln und glänzen wie Glas. Faserige Minerale zeigen auch Seidenglanz. Amphibole sind mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6 weniger hart als ein schwarzer Turmalin, der eine Mohshärte von 7 aufweist. Amphibole sind in den meisten Säuren nicht löslich, nur Flusssäure kann sie angreifen. Sie schmelzen vor dem Lötrohr gar nicht oder erst nach energischem Erhitzen zu einem dunkelgrünen Glas. Die einzelnen Minerale sind mit herkömmlichen Methoden chemisch kaum unterscheidbar.

Bei den Amphibolen sind im Amphibolband OH-Ionen eingebaut. In der allgemeinen Amphibolformel AB2C5[(OH,F)2/T8O22] stehen die Buchstaben für diese Kationen:

A: Na+, K+, und weitere oder Leerplatz
B: Na+, Ca2+, Mg2+, Fe2+, Mn2+, Li+, und weitere
C: Mg2+, Fe2+, Mn2+, Al3+, Fe3+, Ti4+, und weitere
T: Si4+, Al3+, Ti4+

Ferro-Hornblende
Lupe
Ferro-Hornblende aus dem Val Canaria im Tessin
Pyroxen
Lupe
Kein Amphibol: Pyroxen, Üdersdorf, Eifel
Aktinolith
Lupe
Aktinolith aus dem Feldbachtal, Region Binntal, Kanton Wallis
Amianth
Lupe
Amianth aus dem Val Champorcher, Aostatal, Italien
Glaukophan
Lupe
Glaukophan, Varietät Crossit, Gantertal am Simplonpass, Wallis, Schweiz
Amphibol aus der Eifel
Lupe
Amphibol aus Nickenich in der Eifel
Kaersutit aus der Eifel
Lupe
Oxo-Magnesio-Hastingsit vom Radersberg, Dreis Brück, Eifel
Die Amphibole werden in verschiedene Untergruppen eingeteilt. Die Hornblende-Gruppe ist eine davon, zu ihr zählt ein Großteil der Ca-Amphibole, zum Beispiel Oxo-Magnesio-Hastingsit, Ferro-Hornblende, Ferro-Edenit oder Kaersutit. Die Namensgebung der Amphibole erfolgt häufig nach den vorhandenen Kationen und Anionen. So enthält zum Beispiel der Fluoro-Richterit Fluorid-Anionen, oder die Ferro-Hornblende enthält Fe2+-Kationen.


Vergleich Amphibole und Pyroxene

Die Amphibole und Pyroxene ähneln sich teilweise im Aussehen. Auch die Härte und die Dichte unterscheiden sich kaum. Im Gegensatz zu den Amphibolen sind die Minerale der Pyroxen-Gruppe nicht aus Silicat-Doppelketten, sondern aus Silicat-Einfachketten aufgebaut. Die Spaltwinkel bei den Pyroxenen liegen annähernd rechtwinklig bei 87° und bei 93°, die Amphibole haben dagegen deutlich schräg liegende Spaltflächen, die Winkel betragen 56° und 124°. Bei den Pyroxenen fehlen die OH-Ionen im Kristallgitter, dies ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu den Amphibolen.

Orthopyroxene
wie Entstatit oder dessen Varietät Bronzit kristallisieren nach dem orthorhombischen Kristallsystem, Klinopyroxene wie Augit oder Diopsid kristallisieren nach dem monoklinen System. Zu den Klinopyroxenen zählen zum Beispiel auch die Minerale Ägirin, Augit, Ägirin-Augit und dessen nadelige Varietät Porricin, Diopsid, Jadeit, Johannsenit, Hedenbergit, Omphacit oder Spodumen.


Minerale und Varietäten

Es ist unmöglich, hier alle Minerale und Varietäten der Amphibole aufzuzählen, daher sollen nur einige genannt werden. Amianth oder Byssolith ist eine haarförmige Aktinolith-Varietät. Diese zählt aufgrund ihrer Faserstruktur zu den Asbesten. Dazu gehört auch die faserige Riebeckit-Varietät Krokydolith. Wenn dieser verkieselt und sich zu Quarz umwandelt, entsteht das Mischmineral Tigerauge. Ein Glaukophan ist ein blaugraues Amphibol, das aus einem Silicat mit Natrium-, Magnesium- und Aluminium-Ionen aufgebaut ist. Ein Crossit ist eine Glaukophan-Varietät, bei der die Magnesium-Ionen teilweise durch Eisen-Ionen ersetzt sind. Auch Arfvedsonit und Tremolit zählen zu den Amphibolen.


Kristallformen und Wachstum

Die Amphibole kristallisieren je nach Mineral nach dem orthorhombischen oder monoklinen System. Die Kristalle erscheinen häufig langprismatisch oder nadelig. Es kommen auch pseudohexagonale Formen mit sechseckigem Querschnitt vor, sowie strahlige, faserige oder haarförmige Aggregate wie beim Amianth. Amphibole sind häufig im Gesteinsgefüge körnig eingewachsen oder eingesprengt und lassen sich dann nur im Dünnschliff erkennen. Gelegentlich treten sie auch als derbe Massen auf, der Tremolit hat zum Beispiel eine derb-strahlige Struktur.


Geschichte


Der Name Amphibol ist nach dem griechischen Wort amphibolos („zweideutig“) abgeleitet. Damit wird auf das Mineral Schörl, einem schwarzen Turmalin, Bezug genommen, da die Amphibole mit diesem verwechselt werden können. Der Mineralname Aktinolith geht auf die griechischen Wörter aktis („Strahl“) und lithos („Stein“) zurück. Hier bezieht sich der Name auf die typische Form des Minerals. Der Richterit ist nach dem deutschen Mineralogen Theodor Richter (1824–1898) benannt. Der Name Enstatit wurde nach dem griechischen Wort entstates („Widersacher“) gebildet, da er als nicht schmelzbar gilt.


Vorkommen

Amphibole treten vor allem in metamorphen Gesteinen wie Amphibolit und Blauschiefer auf, kommen aber auch in magmatischen Gesteinen wie Diorit, Granodiorit und Andesit vor. Es existieren hunderte Minerale aus der Amphibol-Supergruppe. Viele sind gesteinsbildend und weltweit verbreitet. Amphibole findet man in Deutschland zum Beispiel in der Vulkaneifel. Schöne schwarze Kristalle der Ferro-Hornblende stammen auch vom Monte-Somma-Vesuv-Komplex in Italien. Edenit in Sammlungen kommt oft aus Bancroft im kanadischen Ontario. Der Fluoro-Richterit im kanadischen Wilberforce zeigt gut ausgeprägte Kristalle. Eingesprenkelte Hornblende mit Granat findet man im Zillertal in Österreich. Bekannte Fundorte für Aktinolith liegen bei Pöhla im Erzgebirge oder im Thüringer Wald. Auch im Schweizer Binntal im Wallis und an zahlreichen anderen alpinen Fundstellen kommt der grüne Aktinolith vor.


Verwendung

Zahlreiche Amphibole dienen als Baumaterial oder für feuerfeste Isolierungen. Manche Amphibole wie der Aktinolith oder Tremolit werden aufgrund ihrer Faserstruktur zu den Asbesten gezählt. Diese sind heute nicht mehr für Bauzwecke erlaubt. Die einzelnen Fasern können Asbestose oder Lungenkrebs auslösen, wenn sie eingeatmet werden. Diese Minerale sind auch in Mineraliensammlungen problematisch. Die Stücke müssen auf jeden Fall in geschlossenen Dosen aufbewahrt werden.
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