engl. Tremolite
Eigenschaften
Das Mineral Tremolit ist auch unter der Bezeichnung Grammatit bekannt. Das Kettensilicat zählt zur
Amphibol-Supergruppe. In reiner Form ist der Tremolit mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6 ein sehr hartes Mineral und sogar härter als ein Apatit. Es zeigt Glasglanz oder erscheint matt. Manche Kristalle zeigen unter UV-Licht je nach Wellenlänge eine weißliche, grüne oder orange bis rote Fluoreszenz. Das spröde Mineral zersplittert beim Brechen und bildet faserige Aggregate. Im Vergleich zum
Wollastonit ist der Tremolit gegen Salzsäure beständig. Das Amphibol
Aktinolith erscheint dagegen fast immer grün.


Tremolit vom Passo Campolungo, Tessin


Tremolit vom Passo Campolungo, Tessin


Talk nach Tremolit vom Passo Vanit, Tessin


Radialstrahliger Tremolit vom Geisspfad, Binntal, Kanton Wallis
Varietäten
Mit dem Aktinolith bildet der Tremolit eine Mischkristallreihe. Die haarförmige Aktinolith-Varietät Amianth kann Tremolit enthalten. Ein
Nephrit ist ein Gestein, das aus den Mineralen Aktinolith und Tremolit aufgebaut ist. Die violette Tremolitvarietät
Hexagonit erhält ihre Farbe durch Mangan-Ionen. Begleitminerale des Tremolits sind zum Beispiel Aktinolith, Calcit, Diopsid, Dolomit, Forsterit, Granat oder Wollastonit. Die Tremolitkristalle sind meist in Gesteinen wie Dolomit oder Talkschiefern eingewachsen. Ein Tremolit kann sich pseudomorph zu
Talk umwandeln. Dann verliert er seine Härte und erhält einen Fettglanz.
Kristallformen und Wachstum
Der Tremolit kristallisiert nach dem monoklinen System. Er bildet langprismatische bis langtafelige Kristalle, die auch radialstrahlig angeordnet sein können. Man findet den Tremolit häufig im Dolomitmarmor oder im Kalksilicatfels, aber auch im Serpentinit, im Talksschiefer oder im Grünschiefer.
Geschichte
Als Typlokalität für den Tremolit gilt der
Passo Campolungo im Schweizer Kanton Tessin. Der Schweizer Pharmazeut Albrecht Höpfner (1759–1813) beschrieb im Jahr 1789 den Tremolit als neues Mineral. Er hatte es von Kristallsuchern erhalten, die wahrscheinlich mit dem „Val Tremola“ absichtlich den falschen Fundort nannten, um den Fundort geheim zuhalten. So erhielt das Mineral seinen Namen nach einer falschen (und nur vermeintlichen) Typlokalität. Der italienische Geistliche und Geologe Ermenegildo Pini (1739–1825) hatte das gleiche Mineral schon drei Jahre zuvor im Jahr 1786 am Passo Campolungo gefunden und nannte es
Scerlo bianco („weißen Schörl“), ohne zu wissen, dass es sich um ein neues Mineral handelt.
Vorkommen
Tremolit kommt auch am Passo Vanit oberhalb der Alpe Campolungo vor. Im Binntal findet man den Tremolit am
Geisspfad. In Bayern fand man den Tremolit früher im Steinbruch
Ratskalkofen im oberfränkischen Wunsiedel. Dieser existiert heute nicht mehr, an der einstigen Fundstelle für Tremolit ist heute ein Sportplatz.
Verwendung
Früher wurde der Tremolit zur Asbestgewinnung verwendet. Heute ist diese Anwendung verboten. Der Tremolit ist wie der Aktinolith aufgrund seiner Faserstruktur als krebserzeugendes Mineral eingestuft. Mineralproben müssen in geschlossenen Dosen oder Boxen aufbewahrt werden.