Tremolit, Grammatit toxisch
engl. Tremolite
Nach dem vermeintlichen Fundort, dem Val Tremola am Gotthardpass (Höpfner 1789)
Formel
Stoffgruppe
Farbe
Strich
Glanz
Transparenz
Härte (Mohs)
Dichte
Spaltbarkeit
Bruch

Kristallsystem
Kristallklasse
Ca2Mg5Si8O22(OH)2 (auch Fe2+)
Silicate
farblos, weiß, grünlich, bräunlich
weiß
Glasglanz, matt
durchscheinend bis durchsichtig
5,5 – 6
2,9 – 3,1 g/cm³
vollkommen
spröde, faserig

monoklin
monoklin-prismatisch
Tremolit vom RatskalkofenLupe

Beschreibung

Eigenschaften

Das Mineral Tremolit ist auch unter der Bezeichnung Grammatit bekannt. Das Kettensilicat zählt zur Amphibol-Supergruppe. In reiner Form ist der Tremolit mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6 ein sehr hartes Mineral und sogar härter als ein Apatit. Es zeigt Glasglanz oder erscheint matt. Manche Kristalle zeigen unter UV-Licht je nach Wellenlänge eine weißliche, grüne oder orange bis rote Fluoreszenz. Das spröde Mineral zersplittert beim Brechen und bildet faserige Aggregate. Im Vergleich zum Wollastonit ist der Tremolit gegen Salzsäure beständig. Das Amphibol Aktinolith erscheint dagegen fast immer grün.


Tremolit vom Campolungo
Lupe
Tremolit vom Passo Campolungo, Tessin
Tremolit vom Campolungo
Lupe
Tremolit vom Passo Campolungo, Tessin
Talk nach Tremolit vom Campolungo
Lupe
Talk nach Tremolit vom Passo Vanit, Tessin
Tremolit vom Geisspfad
Lupe
Radialstrahliger Tremolit vom Geisspfad, Binntal, Kanton Wallis
Varietäten

Mit dem Aktinolith bildet der Tremolit eine Mischkristallreihe. Die haarförmige Aktinolith-Varietät Amianth kann Tremolit enthalten. Ein Nephrit ist ein Gestein, das aus den Mineralen Aktinolith und Tremolit aufgebaut ist. Die violette Tremolitvarietät Hexagonit erhält ihre Farbe durch Mangan-Ionen. Begleitminerale des Tremolits sind zum Beispiel Aktinolith, Calcit, Diopsid, Dolomit, Forsterit, Granat oder Wollastonit. Die Tremolitkristalle sind meist in Gesteinen wie Dolomit oder Talkschiefern eingewachsen. Ein Tremolit kann sich pseudomorph zu Talk umwandeln. Dann verliert er seine Härte und erhält einen Fettglanz.


Kristallformen und Wachstum

Der Tremolit kristallisiert nach dem monoklinen System. Er bildet langprismatische bis langtafelige Kristalle, die auch radialstrahlig angeordnet sein können. Man findet den Tremolit häufig im Dolomitmarmor oder im Kalksilicatfels, aber auch im Serpentinit, im Talksschiefer oder im Grünschiefer.


Geschichte

Als Typlokalität für den Tremolit gilt der Passo Campolungo im Schweizer Kanton Tessin. Der Schweizer Pharmazeut Albrecht Höpfner (1759–1813) beschrieb im Jahr 1789 den Tremolit als neues Mineral. Er hatte es von Kristallsuchern erhalten, die wahrscheinlich mit dem „Val Tremola“ absichtlich den falschen Fundort nannten, um den Fundort geheim zuhalten. So erhielt das Mineral seinen Namen nach einer falschen (und nur vermeintlichen) Typlokalität. Der italienische Geistliche und Geologe Ermenegildo Pini (1739–1825) hatte das gleiche Mineral schon drei Jahre zuvor im Jahr 1786 am Passo Campolungo gefunden und nannte es Scerlo bianco („weißen Schörl“), ohne zu wissen, dass es sich um ein neues Mineral handelt.


Vorkommen

Tremolit kommt auch am Passo Vanit oberhalb der Alpe Campolungo vor. Im Binntal findet man den Tremolit am Geisspfad. In Bayern fand man den Tremolit früher im Steinbruch Ratskalkofen im oberfränkischen Wunsiedel. Dieser existiert heute nicht mehr, an der einstigen Fundstelle für Tremolit ist heute ein Sportplatz.


Verwendung

Früher wurde der Tremolit zur Asbestgewinnung verwendet. Heute ist diese Anwendung verboten. Der Tremolit ist wie der Aktinolith aufgrund seiner Faserstruktur als krebserzeugendes Mineral eingestuft. Mineralproben müssen in geschlossenen Dosen oder Boxen aufbewahrt werden.
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