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  Lachgas, Distickstoffoxid   N2O 
    
   
  
  
  
 
Farbloses Gas   
mit süßlichem Geruch
Molmasse  44,012 g/mol   
 
AGW  100 ml/m3 (TRGS 900) 
Dichte  1,9781 g/l (Gas, 0 °C, 1013 hPa)  
(Lachgas : Luft = 1,53) 
Schmelzpunkt  -90,8 °C   
Siedepunkt  -88,48 °C   
Wasserlöslichkeit 
Konz. bei 20 °C 1,2 g/l
Piktogramme 
GHS 03  
GHS 04  
Gefahr 
Gefahrenklassen + Kategorie 
Oxidierende Gase 1 
Gase unter Druck, verdicht. Gas 
 
HP-Sätze (siehe Hinweis)  
H 270, 280 
P 220, 244, 280.3, 370+376410+403 
Entsorgung  besondere Hinweise 
  Deutsche Bezeichnung 
Synonyme (dt.)
Engl. Bezeichnung 
Synonyme (engl.)
CAS 10024-97-2 Lachgas  
Distickstoffoxid
Laughing gas 
Nitrous oxide
  
 
Wirkung auf den menschlichen Körper   
  
Durch das Einatmen von Lachgas können krampfartiges Lachen, Halluzinationen und Rauschzustände ausgelöst werden. Es wirkt in geringen Konzentrationen narkotisch und ist daher heute eines der am meisten benutzten Gase bei leichteren, operativen Eingriffen, bei denen eine Narkose notwendig ist. Es wird meist zusammen mit reinem Sauerstoff oder in Kombination mit anderen Narkosemitteln verabreicht, die Wirkung tritt sehr schnell ein. Bei hohen Dosierungen kann ein Vitamin-B12-Mangel auftreten.
   
  
Eigenschaften   
  
Lachgas besitzt einen schwach süßlichen Geruch. Es löst sich nur wenig in Wasser, besser dagegen in Schwefelsäure, Ethylalkohol und Diethylether. Lachgas unterhält die Verbrennung. Eine Kerzenflamme brennt in Lachgas heller als in Luft. Es ist 1,5 Mal schwerer als Luft und ist unter Normalbedingungen sehr beständig. Oberhalb von 300°C zerfällt es in Stickstoff und Sauerstoff  
  
N2  N2  +  1/2 O2     ΔHR = -82 kJ/mol   
   
Brennbare Stoffe und vor allem brennbare Gase reagieren mit Lachgas fast so heftig wie mit reinem Sauerstoff, da dieser während dem Verbrennungsvorgang gebildet wird. Mit verdampftem Schwefelkohlenstoff  CS2  entsteht nach der Zündung ein blauer Lichtblitz  mit verdampftem Ethanol oder Methanol reagiert es ebenfalls heftig. Dabei werden neben dem Schwefel die Gase Stickstoff, Kohlenstoffmonooxid und Schwefeldioxid gebildet:  
   
3 N2O  +  CS2   3 N2  +  CO  +  SO2  +  S   
   
  
Versuch Bellender Hund

Lachgas reagiert heftig mit Schwefelkohlenstoff,
der entstehende Schwefel bleibt im Plexiglasrohr zurück.

Diese Demonstration sollte wegen der hohen Toxizität der beteiligten
Stoffe an
Schulen nicht vorgeführt werden. Film erhältlich auf >DVD      
    

Mit Wasserstoff bilden sich Knallgasgemische, die beim Zünden mit hohem, pfeifendem Ton explodieren. Dabei entstehen Stickstoff und Wasser:  
   
N2O  +  H2   N2  +  H2O      ΔHR = -368 kJ/mol 
  
  
Mesomerie beim Lachgasmolekül  
  
Das Lachgasmolekül lässt sich in einer Strukturformel nur als mesomeres System darstellen. Die Bindungselektronen sind nicht eindeutig zugeordnet:  
  
  
 

Mesomeres System des Lachgasmoleküls
 
   
Herstellung   
  
Die erstmalige Herstellung gelang dem Engländer John Priestley (1733-1804) im Jahre 1773 durch die Einwirkung von Stickstoffmonooxid auf Eisenfeilspäne. Humphry Davy (1778-1829) untersuchte die berauschende Wirkung des Gases im Eigenversuch und schlug 1799 die Verwendung als Narkotikum vor. Aber erst 1868 wurde ein Gemisch aus Lachgas und Sauerstoff in der Medizin dafür verwendet. Die heutige technische Herstellung erfolgt durch die Zersetzung von Ammoniumnitrat unter Hitze. Zuerst bildet sich dabei Ammoniak und Salpetersäure, die weiter zu Lachgas und Wasser zerfallen:   
   
NH4NO3   NH3  +  HNO3   N2O  +  2 H2   
   
Lachgas bildet sich auch bei starker Stickstoffdüngung. Es ist wesentlich am natürlichen Stickstoffkreislauf beteiligt. Lachgas gehört zu den Treibhausgasen und es spielt bei den ozonabbauenden Kreislaufprozessen in der Stratosphäre eine Rolle.
   
  
Verwendung   
  
Lachgas ist ein weit verbreitetes Treibgas in Spraydosen. Es dient als Narkosemittel zum Inhalieren. Lachgas für medizinische Zwecke wird in weißen Flaschen mit blauer Schulter gehandelt. In der Partyszene wird Lachgas gelegentlich als kurz anhaltendes Rauschmittel eingesetzt. Die Anwendung von Lachgasballons oder Tüten ist aber nicht ohne Risiko, da aufgrund von Sauerstoffmangel schon Todesfälle auftraten, außerdem treten bei intensivem und langem Gebrauch infolge eines Vitamin-B12-Mangels Nervenschäden auf. Das Einatmen und der Verkauf des Gases an Partys stellt einen Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen dar, auch wenn Lachgas nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt: Die missbräuchliche Anwendung oder das Inverkehrbringen von Chemikalien zu nicht zugelassenen Zwecken ist strafbar.
   

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Lachgas wirkt als Treibmittel für die Sahne aus der Dose.

   
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