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Humphry Davy
 
Davy
 
geboren am 17. Dezember 1778 in Penzance, Cornwall
gestorben am 29. Mai 1829 in Genf

 
Lebenslauf

Der Sohn eines Holzschnitzers ging als 16-Jähriger bei dem praktischen Arzt und Apotheker Dr. Borlase in die Lehre. Im Labor dieses Arztes erlernte er das chemische Arbeiten und studierte die Bücher von Antoine Lavoisier. In Dr. Beddoes "Pneumatischem Institut" in Bristol wurden die Heilwirkungen der von John Priestley entdeckten Gase untersucht. Dort experimentierte Humphry Davy mit Lachgas und veröffentlichte seine Ergebnisse in einer von Dr. Beddoe herausgegebenen Zeitschrift. Diese Veröffentlichungen über die berauschende Wirkung des Lachgases machten Humphry Davy populär. Da er die Wirkung der bei der Kohlevergasung entstehenden Gase durch Einatmen testete, vergiftete er sich beinahe. 
  
Ab 1802 arbeitete Davy an der "Royal Institution" in London und hielt Vorträge für die feine Gesellschaft. Im Jahre 1812 wurde er vom Englischen König in den Adelstand erhoben. Daher gab er die bezahlte Stelle an der Royal Institution auf, behielt sich aber vor, das Labor weiter benützen zu können. Die Nachfolge sollte später Michael Faraday antreten. Ab 1820 wurde Davy Präsident der "Royal Society", dies war das höchste Amt, was ein Wissenschaftler zu jener Zeit in England erreichen konnte. Nach einem Schlaganfall in Rom starb Davy in Genf, als er sich davon erholen wollte. Sein früher Tod und die davor aufgetretenen Erschöpfungserscheinungen gehen möglicherweise auf einige frühere Experimente zurück, bei denen er mit giftigen Gasen wie Kohlenstoffmonooxid und Chlor in Berührung gekommen war. 
 

Werk 

Bei den Vorträgen an der Royal Institution setzte Humphry Davy die von Graf Alessandro Volta (1745-1827) entwickelte Voltasäule ein und demonstrierte Experimente zur Elektrolyse. Bis dahin konnte man sich nicht erklären, warum bei der Elektrolyse von Wasser an den Elektroden Säuren und Alkalien entstanden. Davy wies nach, dass diese auf Verunreinigungen (heute würde man sagen Salze) im Wasser zurückzuführen sind. Größtes Aufsehen erregte er mit seinen Experimenten zur Darstellung von neuen Elementen. Bei der Schmelzflusselektrolyse von schwach angefeuchtetem Kaliumhydroxid konnte er erstmals das Element Kalium gewinnen. Er benannte das Element "Potassium", da das verwendete Kaliumhydroxid aus Pottasche darstellbar war. Das Natrium erhielt er durch eine Schmelzflusselektrolyse von angefeuchtetem Natriumhydroxid in einer Platinschale. Er nannte dieses Metall Sodium, da er es auch durch Elektrolyse von Soda (Natriumcarbonat) gewinnen konnte. Die vorgeführten Experimente zur Herstellung und die Reaktion von Kalium und Natrium mit Wasser wurden danach von Chemikern in allen Ländern ausprobiert.  
  
Durch Schmelzflusselektrolyse von Bariumoxid mit Hilfe von Quecksilber als Kathode gelang ihm die Darstellung des Bariums. Das Barium blieb im Amalgam nach dem Abdestillieren des Quecksilbers zurück. Außerdem konnte er 1808 Strontium, Magnesium und Calcium in unreiner Form herstellen. Die Synthese von Lithium gelang ihm erst im Jahre 1818 durch eine Schmelzflusselektrolyse von Lithiumcarbonat. Humphry Davy war es also vorbehalten, die interessanten Alkali- und Erdalkalimetalle erstmals darzustellen. 
  
Im Jahre 1810 bewies Davy experimentell, dass Chlor ein chemisches Element ist. Zuvor hatte man im Chlor eine Sauerstoffverbindung vermutet. Davy zeigte, dass sich vom Chlor kein Sauerstoff abtrennen lassen konnte. Daraus folgerte er, dass auch die Salzsäure keine sauerstoffhaltige Verbindung sein kann, sondern dass Wasserstoff das kennzeichnende Element sein muss. Die Ergebnisse seiner ersten Forschungen fasste er im ersten Teil des 1812 erschienen Buches "Elements of Chemical Philosophy" zusammen (der zweite Teil ist nie erschienen).  
  
Zu jener Zeit kamen in den Bergwerken immer wieder Bergleute bei Grubenexplosionen um. Daher erhielt Davy den offiziellen Auftrag, die Bergleute in den Kohleminen zu schützen. Als Ergebnis erfand er die "Davysche Sicherheitslampe". In der Lampe brennt eine Benzinflamme, die von einem Drahtnetz umgeben ist. Das Drahtnetz leitet soviel Wärme ab, dass die Flamme vorhandenes Methan nicht zu zünden vermag. Befindet sich in der Grubenluft mehr als 1% Methan, erscheint über dem Benzinflämmchen eine bläuliche Haube. Die Grubenlampe wurde später von Friemann und Wolff verbessert und wird heute noch eingesetzt. 
  
Etwa zeitgleich mit Joseph Louis Gay-Lussac in Paris erkannte Davy den Elementcharakter des Iods, das der französische Chemiker Bernard Courtois (1777-1838) bereits im Jahre 1811 hergestellt hatte. Davy gelang die Darstellung einiger Iodverbindungen wie das lichtempfindliche Silberiodid, das später eine große Rolle in der Fotografie spielen sollte.  
  
Dayvs Experimente mit elektrischem Strom legten die Grundlage zur Elektrochemie. Außerdem entwickelte er eine erste Bogenlampe, indem er einen Platinfaden zum Glühen brachte. Davys Entdeckungen hatten auf seinen Nachfolger Michael Faraday einen großen Einfluss. 
   
  
Empfehlenswerte Literaturquellen 
 
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