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  Blausäure, Cyanwasserstoff   HCN 

 
Teflonverschluss

 
 

 
 
Farblose Flüssigkeit mit bittermandelartigem Geruch  
   
Vorkommen   
Bittermandelkerne
Molmasse  27,026 g/mol   
 



AGW  1,9 ml/m3 (MAK)   
pKs-Wert (HCN)  +9,21
Dichte  0,687 g/cm3   
Schmelzpunkt  -13,3°C  
Siedepunkt  +25,7°C  
Wasserlöslichkeit   
in jedem Verhältnis mischbar
Piktogramme 
GHS 02 
GHS 06 
GHS 09 
Gefahr
Gefahrenklassen + Kategorie 
Entzündbare Flüssigkeiten 1 
Akute Toxizität inhalativ/oral/dermal 1
Spez. Zielorgan-Tox. einm./mehrm. 1
 
Gewässergefährd. akut/chron. 1
HP-Sätze (siehe Hinweis) 
H 224, 300, 310, 330, 370, 372, 410   P 210, 241, 260, 273, 280.1-4,6,7, 303+361+353, 304+340, 309+310, 403+233, 405  
Entsorgung  besondere Hinweise
  Deutscher Name 
Synonym
Englischer Name 
Synonym
CAS  74-90-8 Blausäure 
Cyanwasserstoff
Hydrocyanic acid 
Hydrogen Cyanide
 
Bemerkung für Schulen: Blausäure darf aufgrund des sehr hohen toxischen Potenzials nicht im Schullabor aufbewahrt werden, daher wird kein Etikett angeboten. Von Herstellungsversuchen ist dringend abzuraten. Beim Einatmen der Dämpfe besteht akute Lebensgefahr. 
  
 
Wirkung auf den menschlichen Körper 
  
Da die Flüssigkeit bereits bei Zimmertemperatur verdunstet, werden die Dämpfe leicht eingeatmet oder durch die Haut aufgenommen. Blausäure blockiert in den Zellen die Zellatmung. Bei einer Vergiftung können die Zellen den lebensnotwendigen Sauerstoff nicht mehr verwerten. Dabei verfärbt sich die Haut hellrot. Der Verlauf der Vergiftung ist gleich wie beim Kaliumcyanid. Manche Menschen können den typischen Geruch der Blausäure nicht wahrnehmen. Die niedrigste tödliche, orale Dosis (LDLo oral) liegt bei 0,57 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (Quelle: Internet >ChemIDplus). Blausäure ist toxischer als Kaliumcyanid. Als Gegenmaßnahmen bei Vergiftungen wird die intravenöse Zufuhr von Natriumnitrit und Natriumthiosulfat empfohlen. Das Nitrit bildet Methämoglobin, das mit dem Cyanid im Gewebe reagiert und es unschädlich macht. Das Natriumthiosulfat liefert Schwefel, der für den natürlichen Abbau von Cyanid im Körper durch Enzyme benötigt wird.


Eigenschaften 
  
Blausäure ist in reinem Zustand eine farblose, nach Bittermandeln oder marzipanartig riechende Flüssigkeit. Sie ist auch unter dem Namen Cyanwasserstoff und im Handel als "Zyklon B" bekannt. Der Name geht auf die ursprüngliche Gewinnung aus dem blauen Pigment Berliner Blau zurück. In der Natur kommt die Blausäure in bitteren Mandeln oder in einigen Pflanzen wie die Akelei in geringen Mengen vor. Daher wird die Akelei von Weidvieh gemieden.  
      
  
  Akelei

In den Blättern der Gemeinen Akelei (Aquilegia vulgaris)
kommt die Blausäure in geringen Mengen vor.
   
  
Die Säure ist mit Wasser und Ethanol beliebig mischbar. Die reine Säure ist gut brennbar, mit Luft bilden sich explosive Gemische im Bereich von 5,4 bis 46,6 Volumenprozent. Blausäure ist eine sehr schwache Säure. Der pKs-Wert (HCN) liegt bei +9,21. Die Eigenschaft als Säure wird durch das Wasserstoff-Atom verursacht, welches ein Proton abgeben kann:    
    
Blausäure + Wasser  Cyanid-Ion +  H3O+-Ion     
HCN  +  H2   CN +  H3O+    
    
Dabei entstehen die Salze der Blausäure, die Cyanide, zu denen beispielsweise das bekannte Kaliumcyanid gehört. Die Blausäure stellt einen Grenzfall zwischen der anorganischen und der organischen Chemie dar. Fasst man sie als Nitril der Ameisensäure auf, dann wäre sie ein organischer Stoff. Die Nitrilgruppe als funktionelle Gruppe enthält ein Kohlenstoff-Atom, das mit einem Stickstoffatom eine Dreifachbindung eingeht. Ist die Nitrilgruppe mit einem organischen Rest (R) verbunden, erhält man die Stoffgruppe der organischen Nitrile. 

   

Strukturformel der Nitrile
 
   
Herstellung   
  
Der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742-1786) entdeckte die Blausäure im Jahr 1782 bei der Reaktion von Kaliumhexacyanoferrat(II) mit verdünnter Schwefelsäure. Im Labor lässt sich Blausäure durch Auftropfen von 50%iger Schwefelsäure auf Kaliumcyanid herstellen. Das entweichende HCN-Gas wird danach mit Hilfe einer Tockeneis-Kühlung verflüssigt. Von einer derartigen Herstellung ist jedoch dringend abzuraten, wenn nicht geeignete Schutzmaßnahmen vorliegen. Beim Rauchen von Tabak und beim Verbrennen von Kunststoffen werden ebenfalls geringe Mengen an Blausäure frei. In der industriellen Technik wird Blausäure vorwiegend nach dem Andrussow-Verfahren hergestellt. Ein Gemisch aus Methan und Ammoniak wird mit Luftsauerstoff unter Zuhilfenahme von Platin-Rhodium-Katalysatoren partiell oxidiert:  
   
2 CH4  +  2 NH3  +  3O2   2 HCN  + 6 H2O       ΔHR = +480 kJ/mol
  
 
Verwendung 
 
Die Blausäure wurde früher oft in Schiffen, Mühlen und Vorratsspeichern als Begasungsmittel gegen Ungeziefer eingesetzt. In der Vergangenheit hat es zahlreiche Unfälle mit Blausäure gegeben. Im Jahr 1947 explodierte ein Haus in Los Angeles, das bei der Bekämpfung von Termiten mit Blausäuregas gefüllt wurde. Im Urlaubsort Lovran in Kroatien versuchte man im Jahr 1995 ein Kirche von Holzwürmern zu befreien. Da das Gebäude nicht sachgemäß versiegelt war, traten Blausäuredämpfe aus, und der gesamte Ort musste evakuiert werden.  
   
Das schlimmste Kapitel schrieb der tödliche Stoff aber wohl in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Im Holocaust wurden Millionen Juden durch das Gas "Zyklon B" vergiftet. In einigen Staaten der USA wurde Blausäure in den Gaskammern zur Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt. Dabei erzeugte man die Blausäure durch die Reaktion eines Cyanidsalzes mit einer Säure.  
   
Blausäure ist heute in der chemischen Industrie ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung von anderen Stoffen, zum Beispiel in der Farbstoff- oder der Düngemittelindustrie. Im Bergbau lässt sich Gold mit Hilfe der Cyanidlaugerei aus dem Ganggestein herauslaugen:  
   
4 Au  +  8 HCN  +  O2  +  4 OH-   4 [Au(CN)2]-  +  6 H2O   
   
Die entstehende Goldlösung kann mit Zink reduziert werden. Da eine Verwendung von Blausäure zu gefährlich wäre, setzt man bei diesem Vorgang Cyanide wie das Kaliumcyanid ein. Aufgrund der umweltgefährlichen Wirkung der Blausäure und der Cyanide führt diese Art der Goldgewinnung in den Ländern der Dritten Welt oft zu katastrophalen Gewässervergiftungen.
  
 
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