Granat-Gruppe
engl. Garnet
Nach der Frucht des Granatapfelbaums oder nach dem lateinischen Wort granum („Korn“)
Gitterplätze
Stoffgruppe
Farbe
Strich
Glanz
Transparenz
Härte (Mohs)
Dichte
Spaltbarkeit
Bruch

Kristallsystem
Kristallklasse
{X3}[Y2](Z312 (im Kristall)
Silicate
alle Farben
weiß
Glasglanz, Fettglanz
durchsichtig bis undurchsichtig
6,5 – 7,5
3,5 – 4,3 g/cm³
vollkommen (Rhombendodekaeder)
muschelig, splittrig

kubisch
kubisch-hexakisoktaedrisch
Almandin, Stapfenalpe, ZillertalLupe
Eigenschaften
Minerale
Kristallformen
Geschichte
Vorkommen
Verwendung
Beschreibung

Eigenschaften

Die Granat-Gruppe (oder auch Granat-Supergruppe) umfasst bestimmte Inselsilicat-Mineralien, die relativ hart sind und zahlreiche Farben annehmen können. Es sind etwa 40 Minerale bekannt. Sie sind alle nach der Grundstruktur {X3}[Y2](Z312 aufgebaut. Diese Ionen können in den Gitterplätzen eines Granatkristalls einen Platz einnehmen:

X: Kationen Ca2+, Fe2+, Mg2+,Mn2+,Na+ oder Y3+
Y: Kationen Al3+, Fe3+, Cr3+, V3+, Ti4+ oder andere
Z: Kationen Si4+ oder andere
φ: Anionen O2−, OH oder F

Bei vielen Mineralen der Granate-Gruppe ist die „Reinform“ oft durch Fremd-Ionen beeinflusst, so dass farbige Varietäten entstehen. Granate schmelzen in der Regel vor dem Lötrohr leicht, manchmal auch unter Abscheidung von Kieselgallerte. Davon gibt es auch Ausnahmen wie beim Uwaworit. In Säuren sind sie nur schwer löslich. Die Unterscheidung der einzelnen Minerale ist schwierig, sie erfolgt hauptsächlich nach der Farbe, der Form, dem Wachstum und der Typlokalität.


Minerale und Varietäten

Grossular aus Queensland
Lupe
Grossular, Rhombendodekaeder aus Queensland, Australien
Grossular, Tetrakishexaeder
Lupe
Grossular, Tetrakishexaeder aus der Hubei Province in China
Spessartin
Lupe
Spessartin aus Wada-tohge in Japan
Andradit aus Serifos
Lupe
Andradit aus Serifos, Griechenland
Spessartin
Lupe
Rauchquarz mit Spessartin, Fujian, China
Die Granat-Minerale treten in vielen Farben auf. Für den rotbraunen bis rotvioletten Almandin wird in Reinform die chemische Formel Fe3Al2(SiO4)3 angegeben. Meistens sind aber auch noch andere Ionen im Kristallgitter enthalten. Er ist das verbreiteste Granat-Mineral. Der orangegelbe bis braune Spessartin Mn3Al2(SiO4)3 enthält Mangan-Ionen, während beim rosafarbenen Pyrop Mg3Al2(SiO4)3 auch Magnesium-Ionen beteiligt sind. Beim gelben, grünen oder rotbraunen Grossular Ca3Al2(SiO4)3 sind es Calcium-Ionen. Der Hessonit ist kein eigenständiges Mineral, sondern eine orangerote Varietät des Grossulars mit teilweise Fe3+-Ionen im Kristallgitter. Auch der Andradit Ca3Fe3+2(SiO4)3 kann verschiedene Farben annehmen, er ist ein Calcium-Eisen-Granat. Der Demantoid ist eine durch Cr3+-Ionen verursachte, hellgrüne Varietät des Andradits. Klare, geschliffene Steine zählen zu den wertvollsten Granaten. Beim Uwarowit Ca3Cr2(SiO4)3 wird die smaragdgrüne Farbe ebenfalls durch Chrom-Ionen bestimmt, er ist immer grün, seine Kristalle können wie beim Demantoid sehr transparent sein.


Kristallformen und Wachstum

Der Almandin zum Beispiel bildet häufig Rhombendodekaeder und Ikositetraeder. Bei den Mineralen der Granat-Gruppe kommen praktisch alle Kristallformen des kubischen Systems vor, oft in perfekter Form: Hexaeder (Würfel), Rhombendodekaeder, Oktaeder, Tetrakishexaeder, Trisoktaeder, Ikositetraeder oder Hexakisoktaeder. Die Vielfalt kann man vor allem auch beim Grossular beobachten. Es kommen Kombinationen der Formen vor und Durchdringungszwillinge. Granate bilden neben den Kristallen auch dichte, derbe und körnige Aggregate oder runde Körner als Kristallsande aus.


Geschichte

Die Namensgebung erfolgte nach der roten Frucht des Granatapfelbaums oder nach dem lateinischen Wort granum („Korn“) in Anlehnung an das körnige Auftreten mancher Stücke. Der Pyrop wurde schon in der Bronzezeit verwendet. Im alten Ägypten trugen der Pharao und die Priester ein Pektoral als Amulett auf der Brust, das oft einen Granat enthielt. Der römische Gelehrte Plinius nannte die roten Edelsteine allgemein Carbunculus, was so viel wie „kleine Kohle“ bedeutet. Mit Alabandicus bezeichnete er den Almandin, der seinen Namen vom Fundort in Alabanda in der Türkei erhielt. Im Mittelalter wurde aus dem römischen Carbunculus der Begriff Karfunkel, eine Bezeichnung für die roten Edelsteine Granat, Rubin und Spinell. Geschliffene Granate waren in fast allen Epochen begehrte Edelsteine, die vor allem in Gold- und Silberschmuck eingefasst wurden.


Vorkommen

Granate kommen magmatisch in den Gesteinen aus dem Erdmantel oder metamorph, zum Beispiel im Kalkstein vor. Berühmt sind die Granatvorkommen zwischen den Ötztaler und den Zillertaler Alpen in Österreich. Dort findet man zum Beispiel auf dem Timmelsjoch rote Almandinkristalle, die in den silbrig glänzenden Glimmerschiefer eingewachsen sind. Hervorragende Grossular-Stufen kommen aus Queensland in Australien. Ein Hessonit-Vorkommen gibt es auf der Alpe Mussa in Italien. Häufig wird auch der rotbraune Andradit aus der griechischen Insel Serifos gesammelt. In der Saranovskii Mine im russischen Ural findet man den smaragdgrünen Uwarowit. Aus der Wushan Spessartin Mine in der Provinz Fujian in China sind Stufen bekannt, bei denen kleine, rotbraune Spessartinkristalle zusammen mit Rauchquarzkristallen faszinierende Kompositionen bilden.


Verwendung

Die harten Granate werden zum Schleifen von Edelsteinen und zur Herstellung von Schleif- und Poliermitteln verwendet. Granatsand wird gerne auch als Ersatz für Quarzsand beim Sandstrahlen eingesetzt. Synthetische Granate werden nicht nur für Schmucksteine hergestellt, sondern auch für Laserkristalle.
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