Francium Barium  Actinium  
 Radium                                           88Ra
 engl. radium, lat. radius ("Strahl")
 


Halbwertszeit für Ra-226 *): 1599 Jahre
Rel. Atommasse *) 
Ordnungszahl  
Schmelzpunkt  
Siedepunkt  
Oxidationszahlen   
Dichte  
Härte (Mohs)   
Elektronegativität   
Elektronenkonfig.   
Natürl. Häufigkeit    
  
*) langlebigstes 
Isotop 
226,0254     
88     
700 °C     
1737 °C     
2     
5 g/cm³    
nicht bekannt     
0,90 (Pauling)     
[Rn]7s²    
Ra-223  Spuren    
Ra-224  Spuren    
Ra-226  Spuren   
Ra-228  Spuren 
 

     

 
Physikalisch-chemische Eigenschaften
Reines Radium ist ein blauweiß glänzendes, relativ weiches und radioaktives Schwermetall. Aufgrund der starken radioaktiven Strahlung leuchten Radiumpräparate im Dunkeln. Die in der Natur vorkommenden Radium-Isotope entstehen durch den radioaktiven Zerfall anderer radioaktiver Elemente. In seinen chemischen Eigenschaften ähnelt es dem Barium, ist aber noch reaktionsfreudiger. Es ist sehr luft- und feuchtigkeitsempfindlich und verfärbt sich an der Luft unter Bildung einer Nitridschicht sofort schwarz. Mit Wasser und Säuren reagiert es heftig unter Wasserstoffbildung. Radiumverbindungen erzeugen bei der Flammprobe eine karminrote Färbung. 
   
 
 Wecker mit radiumhaltigem Zifferblatt im Dunkeln

Zoom!

 Früher waren die Zifferblätter von Uhren mit Radium versehen.

Film erhältlich auf >DVD

   
Toxikologie 
Im menschlichen Körper besitzen die Radiumverbindungen keine Bedeutung. Das Isotop Ra-226 wird aber vom menschlichen Körper wie das Spurenelement Calcium aufgenommen und in das Knochenskelett eingebaut. Wegen seiner extrem langen Halbwertszeit von 1599 Jahren wird es auch nur sehr langsam abgebaut. Schon geringste Mengen im Bereich von 20 Mikrogramm (0,00002 Gramm) schädigen das Knochenmark und können Knochensarkome auslösen. [Lit 37] 
  
Radium und seine Verbindungen galten nach der Entdeckung durch das Forscher-Ehepaar Curie im Jahre 1898 zunächst nicht nur als unbedenklich, sondern sogar als gesundheitsfördernd. Sie wurden in Medikamenten zur Krebsbehandlung oder in Kosmetika eingesetzt. "Radiumbäder" in St. Joachimsthal oder in Bad Kreuznach versuchten sich durch Werbung damit zu übertreffen, dass sie als Thermalbad mit der stärksten Radiumwirkung galten. Ein Teil der radioaktiven Strahlung in diesen Bädern wurde aber wohl durch das Edelgas Radon verursacht und nicht durch Radium. Uhren enthielten Leuchtziffern mit Radium. Das Krankheitsbild des Radiumkiefers bei Arbeiterinnen der Uhrenindustrie, die Leuchtfarbe auf die Ziffernblätter aufmalten, wurde erstmals von dem New Yorker Zahnarzt Theodor Blum beschrieben. Ein Team um den Pathologen Harrison Martland legte eine bahnbrechenden Studie vor, die belegte, dass das Radium als Ursache in Frage kam. So wurde die Ursache für den vermehrt auftretenden Zungen- und Lippenkrebs bei den Arbeiterinnen gefunden. In den späten 1920iger-Jahren gab es Wasser zum Trinken, das mit Radium versetzt war. 1932 starb der amerikanische Geschäftsmann und Stahlmagnat Eben Byers an den Folgen einer Radiumvergiftung. Er hatte bis 1930 etwa 1400 Flaschen des Medikaments Radithor getrunken. Er verlor einen Teil seines Unterkiefers und es traten schwere Gehirnschäden auf. [Lit 35
  
Vorkommen 
Häufigkeit   sehr selten

Radium gehört zu den seltensten Elementen in der Erdkruste.
In der Natur kommt es als Zwischenprodukt der Zerfallsreihen in allen Uran- und Thoriumerzen vor, so auch in der Pechblende. Aufgrund der weit verbreiteten Uranerzlagerstätten kommen geringste Mengen des radiokativen Schwermetalls immer in den Meeren, in den Pflanzen oder in den Tieren vor.
  
 
 
 Radiumhaltige Pechblende

Zoom!
Bild vergrößern

 
 Das schwarze Uranerz Pechblende ist das radiumreichste Mineral.
 
 
Geschichte 
Im Jahre 1896 hatte bereits der französische Physiker Henri Becquerel (1852-1908) die radioaktive Strahlung des Urans entdeckt. Das Forscher-Ehepaar Marie Curie (1867-1934) und Pierre Curie (1859-1906) wies im Jahre 1898 die neuen Elemente Radium und Polonium in der Pechblende nach. Sie kamen aufgrund der starken α-Strahlung des Erzes auf die Entdeckung. Durch die Aufarbeitung von zwei Eisenbahnwaggons Pechblende erhielten sie etwa 100 Millligramm Radiumbromid. Die neuen Elemente bestimmten sie spektroskopisch. Das Element erhielt aufgrund seiner starken radioaktiven Strahlung seinen Namen (lat. radius, der "Strahl").  
  
  
 Die Pioniere zur Entdeckung des Radiums

Becquerel     Marie Curie     Pierre Curie

 Henry Becquerel, Marie Curie und Pierre Curie (Fotoquelle: Deutsches Museum München)
 
  
Nach dem Tod ihres Mannes gewann Marie Curie zusammen mit dem französischen Chemiker André Louis Debierne im Jahre 1910 das reine Metall durch Elektrolyse einer Radiumchloridlösung. Seit diesem Jahr entspricht die physikalische Einheit "ein Curie" der Aktivität von einem Gramm natürlichem Radium pro Sekunde. Für ihre Forschungen über radioaktive Stoffe und für die Entdeckung des Radiums erhielt Marie Curie zweimal den Nobelpreis, 1903 zusammen mit ihrem Mann und mit Becquerel für Physik und 1911 für Chemie. 
  
Um 1903 demonstrierte Pierre Curie bei seinen Vorlesungstätigkeiten in Paris und Genf im abgedunkelten Hörsaal das Leuchten des Radiums. In jenen Tagen wurde an den Instituten der Universitäten eine Schale gezeigt, die drei Gramm Radium enthielt und die im Dunkeln so stark leuchtete, dass man damit Zeitung lesen konnte. Damals war man so euphorisch, dass in Zeitschriften als neuer Anwendungszweck eine zukünftige Leselampe mit Radium vorgestellt wurde (Neues Universum, 25. Jahrgang, Stuttgart). Diese Lampe von Sir Williams Crookes wurde glücklicherweise aber nie gebaut. Im Jahr 1904 kam ein von Crookes gebautes Spinthariskop auf den Markt, in dem nach einer gewissen Gewöhnungszeit für die Augen in der Dunkelheit Lichtblitze zu sehen waren. Spätere Spinthariskope demonstrierten die Wirkung mit Hilfe eines Leuchtschirmes aus Zinksulfid, der nur noch mit ganz wenig Radium beschichtet war. In den 1950iger Jahren kam in den USA das "Chemcraft Set" mit Experimenten zur "Atomenergie" auf den Markt. Es war ein Chemiekasten, der ein Spinthariskop neuer Bauart enthielt. Dieses hatte jedoch so wenig an Substanz, dass die Wirkung nur für kurze Zeit anhielt. 

Ab 1904 erfolgte durch die Glasglühlichtfabrik Auer von Welsbach in Atzgersdorf bei Wien die industrielle Produktion von Radium und seinen Verbindungen. Ein Gramm Radiumchlorid kostete damals etwa 400000 Kronen. Das Metall war in der Folgezeit frei erwerbbar und fand sich in allen möglichen Anwendungen wieder. Es gab "Radiumgebäck", "Radiumzigarren" oder "Radiumseife". Die Radiogen-Zahnpasta von Dr. Fischer zählte auch zu diesen Produkten. Vermutlich waren in den Produkten wegen dem hohen Preis nur winzige Mengen an Radium oder sehr wahrscheinlich auch gar keines enthalten. Jedenfalls konnte man "Radium"-Produkte zu dieser Zeit gut verkaufen. Dazu gehörte auch das extrem gefährliche Medikament Radithor, dessen Wirksamkeit sehr zweifelhaft war. Aus der Produktpalette "Dr. Fischer" gab es ein Wasseraufbereitungsgerät, das eine kleine Menge Radium enthielt und durch radioaktiven Zerfall ständig Radon abgab. So konnte sich der Konsument jeden Morgen radonhaltiges Wasser zubereiten ohne eine kostspielige Badereise in ein Radiumbad wie St. Joachimsthal oder Kreuznach zu unternehmen. Die "Radiumbäder" florierten und hatten großen Zulauf. [Lit 60]
  
 
 Postkarte um 1915 zum Radium-Solbad Kreuznach


 
Das Edelgas Radon war in den Bädern und Inhalatorien als radioaktive Substanz wirksam. Es entsteht als Zerfallsprodukt des Radiums.
 
 
Etwa zur gleichen Zeit fand man heraus, dass eine Mischung aus Zinksulfid mit sehr wenig Radium dauerhaft schwach leuchtet. Die Firma Junghans produzierte im Jahr 1907 die erste Taschenuhr mit einem radiumhaltigen Zifferblatt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kamen radiumhaltige Leuchtmassen auf den Markt. So enthielten Augen für Stofftiere und Puppen Radium. Es gab sogar Leuchtbildchen für das Schlafzimmer. Bei der Herstellung der Zifferblätter wurden zwölfjährige Mädchen eingestellt. Zum Aufmalen der dünnen Striche bei den Ziffern wischten die Mädchen die feinen Pinsel mit ihren Lippen regelmäßig ab. Bis dahin galten die Radiumleuchtmassen als völlig harmlos. Nach neuen Recherchen erscheint dies umstritten, denn die schädliche Wirkung der radioaktiven Strahlung untersuchte man bereits um 1917 an Kaninchen. Die Einstellung zur Arbeitssicherheit änderte sich, als es in den 1920iger Jahren zu einer Häufung der Todesfälle und zu Amputationen bei den Mädchen aufgrund von Verstrahlungen mit Radium kam. Danach sollte es noch einige Jahre dauern, bis der Konsument vor den gefährlichen Anwendungen des radioaktiven Schwermetalls geschützt wurde. 
  
Herstellung     
Das Uranerz Pechblende enthält pro Tonne etwa 0,14 bis 0,35 Gramm Radium. Bei der Erzaufbereitung fallen die schwer löslichen Salze Barium- und Radiumsulfat in geringen Mengen an. Sie werden in Bromide, Chloride oder Nitrate umgewandelt und durch fraktionierte Destillation voneinander getrennt. Durch eine nachfolgende Schmelzflusselektrolyse erhält man die reinen Metalle. Pro Jahr werden etwa 150 Gramm Radiumverbindungen hergestellt, im Handel und in der Forschung sind weltweit nur wenige Kilogramm des reinen Metalls verfügbar.
  
Verwendung 
Radium besitzt heute kaum noch eine technische Bedeutung. Für den Physikunterricht sind Radiumpräparate erhältlich, die in Nebelkammern oder zur Demonstration der Radiokativität mit einem Geigerzähler eingesetzt werden. Hierbei sind die Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Beim Spinthariskop sieht man in der Dunkelheit Lichtblitze, die durch die beim radioaktiven Zerfall hervorgerufenen Szintillationen verursacht werden.  
  
Früher diente Radium in geschlossenen Kapseln zur Strahlentherapie bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs. Radiumhaltige Wässer wie das Medikament "Radithor" wurden schon in den 1930iger Jahren verboten. Bis etwa zum Zweiten Weltkrieg enthielten Wecker, Uhren, Leuchtbildchen oder Puppenaugen radiumhaltige Leuchtmassen, deren Strahlungsintenstität noch heute unvermindert anhält. Ra-226 besitzt eine Halbwertszeit von 1599 Jahren.  
  
  
 Wecker mit radiumhaltigem Zifferblatt
 
 
 Wecker um 1940 mit Zeigern und Zifferblatt aus radiumhaltigem Material.
 
 
Experimente - Medien  
Entdeckung des Radiums  
 
Copyright: Thomas Seilnacht
www.seilnacht.com