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  Methylenblau   C16H18ClN3S 
Flasche 
 Methylenblau


Kupferrote Kristalle,

olivgrünes Pulver
Molmasse  319,852 g/mol   
   
  
  

   
AGW  keine Angaben  
Dichte  1,0 g/cm3  
Schmelzpunkt  190 °C (Zersetzung) 
Wasserlöslichkeit 
Konz. bei 20°C 40g/l
Piktogramme  
GHS 07  
Achtung
Gefahrenklassen + Kategorie  
  
Akute Toxizität oral 4
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)      
H 302  P 264.1, 280.1-3, 301+312 
Entsorgung   G 3
Etikett drucken Dt. Bezeichnung
Synonyme (deutsch)
Engl. Bezeichnung
Synonyme (engl.)
CAS  61-73-4 Methylenblau
Methylthioniniumchlorid
Blue Basic 9
C.I. 52015
Methylene Blue
Methylthioninium chloride
Blue Basic 9
C.I. 52015
 
Besondere Bemerkungen: Da Farbstoffe stark färben und auch Haut, Augen und Atemwege reizen, sind Schutzbrille und Schutzhandschuhe zu tragen, beim Freiwerden von Stäuben muss eine Feinstaubmaske aufgezogen oder im Abzug gearbeitet werden.


Eigenschaften
 
  
Methylenblau bildet kupferrote Kristalle, die in fein zerteilter Form oder bei Kontakt mit Luftsauerstoff olivgrün schimmern. Der Feststoff ist gut brennbar. Mit Luft können Stäube explosionsgefährliche Mischungen bilden. Mit Wasser bildet Methylenblau eine intensive, cobaltblaue Lösung, die sauer reagiert. Schon geringste Mengen erzeugen eine Blaufärbung. Methylenblau ist auch in Ethanol leicht löslich.
Methylenblau

Der basische Thiazinfarbstoff färbt mit Tannin vorgebeizte Baumwolle blau. Lebendes Zellmaterial wie Zellwände oder Zellkerne, aber auch Bakterien, Fasern und sogar Papier werden durch Methylenblau direkt gefärbt. Die Färbung erfolgt selektiv, so lässt sich die graue Substanz im peripheren Nervensystem anfärben. Diese Methode wandte der deutsche Arzt Paul Ehrlich im Jahr 1885 erstmals an. Die Molekularbiologie verwendet Methylenblau zum Färben von DNA und RNA.


Methylenblaulösung


Methylenblau kann Wasserstoff-Atome aufnehmen und andere Stoffe oxidieren. In Gegenwart eines Platinkatalysators lassen sich Alkohole zu Aldehyden oxidieren. Dabei wird der Farbstoff unter Aufnahme von zwei Wasserstoff-Atomen zu der farblosen Leukoform reduziert. Diese Fähigkeit ermöglicht das im Chemieunterricht bekannte Blue-Bottle-Experiment.
   
  
Herstellung 
  
Die technische Herstellung des Farbstoffes erfolgt durch die Oxidation von p-Aminodimethylanilin, Dimethylanilin und Natriumthiosulfat mit Chromsäure unter Zugabe von Zinkchlorid und Salzsäure.
   
   
Verwendung
   
Methylenblau ist in der Mikroskopie ein weit verbreiteter Vital-Farbstoff zum Anfärben von lebendem Material. Löfflers Methylenblaulösung ist eine 0,5%ige Lösung in Wasser, die zum Färben von Bakterien, Pilzen und Blutparasiten eingesetzt wird. May-Grünwald-Lösung ist eine methanolische Lösung von Methylenblau und Eosin. Früher wurde Methylenblau in blauer Tinte verwendet, heute kommt stattdessen meistens ein blauer Triphenylmethanfarbstoff zum Einsatz. In der Medizin wird Methylenblau als Gegengift bei Nitrit- und Anilinvergiftungen eingesetzt: Es wandelt im Blut das bei der Vergiftung gebildete Methämoglobin wieder zum lebenswichtigen Hämoglobin um, das den Sauerstofftransport gewährleistet. Methylenblau dient auch als Wunddesinfektionsmittel (Antiseptikum), zur Bekämpfung der Malaria, sowie in Medikamenten gegen Rheuma. Kläranlagen stellen mit der Methylenblauprobe fest, wie viel Fäulnisstoffe im Ablauf der Kläranlage enthalten sind: Methylenblau wird unter Luftabschluss durch Fäulnisstoffe reduziert und verliert dabei seine Farbe.


Methylenblau färbt Zwiebelzellen

Zwiebelzellen, angefärbt mit Methylenblau

  
  
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