Calcit und Aragonit aus der Schweiz
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GB1: Calcit-Skalenoeder, Bergkristall,
Piz Beverin, Graubünden, Schweiz,
Breite 6 cm
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GB2: Gelber Quarz mit Calcit,
Piz Beverin, Graubünden, Breite 14 cm
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GB3: Calcit mit Bergkristall,
Piz Beverin, Graubünden, Breite 6 cm
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In der Schweiz warfen die alpinen Strahler
früher den Calcit immer weg, da sie nur
Bergkristall suchten.
Sie hielten den Calcit für wertlos. Heute interessieren sich aber
Sammler für die Calcite, die in den alpinen Klüften sehr
oft mit dem Bergkristall vergesellschaftet sind und sehr ungewöhnliche Paragenesen bilden können. Die Kombinationen
auf den Bildern GB1 bis GB4 wurden am Piz Beverin im Schweizer Kanton
Graubünden gefunden. Der lachsfarbene Calcit-Skalenoeder auf Bild GB1
bildet eine prächtige Einheit mit der klaren Bergkristall-Gruppe.
Typisch für das Gebiet sind durch Eisensalze gefärbte,
knallgelbe Bergkristalle, die dann häufig mit schneeweißem
Calcit kombiniert sind (Bild GB2). Bild GB3 zeigt einen
Skalenoeder-Doppelender, auf dem ein einzelner Quarzkristall sitzt.
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Bild GB4: Calcit mit Dolomit auf Quarzkristall,
Piz Beverin, Graubünden, Breite 3 cm
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Bild GB5: Calcit mit Bergkristall aus Vrin,
Val Lumnezia, Graubünden, Breite 7 cm
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Bild GB6: Rhomboedrischer Calcit, Alp Nova,
Val Lumnezia, Graubünden, Breite 13 cm
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Der Calcit auf Bild GB4 ist pilzförmig um einen Bergkristall herum
gewachsen. Auf dem Calcit sitzt vermutlich noch aufgewachsener Dolomit als krustiger Überzug. Bei dem Ort Vrin im Val Lumnezia kommen ähnliche Calcit-Bergkristall-Paragenesen wie am Piz Beverin vor. Die auf Bild GB5 abgebildete Stufe wurde von einem Strahler bereits im Jahr 1959 geborgen. Bild GB6 zeigt eine Stufe mit prächtigen Calcit-Rhomboedern, kombiniert mit einem Büschel Bergkristalle von der Alp Nova.
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Bild GB7: Fingernagel-Calcit mit Bergkristall,
Tschiertschen, Graubünden, Breite 7 cm
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Bild GB8: Aragonit aus Bova Gronda,
Surselva, Graubünden, Breite 5 cm
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Bild GB9: Calcit mit Rutil auf Hämatit
Cavradischlucht, Graubünden, Breite 3 cm
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Die „Fingernagel-Form“ des Calcits findet man in zahlreichen Klüften der Alpen, so auch in Tschiertschen oberhalb von Chur (Bild GB7). Der Aragonit kommt in den Schweizer Alpen in zwei Ausprägungsformen vor: Das korallenartige Wachstum nennt man „Eisenblüte“. Die nadelig-büscheligen Aggregate bilden manchmal „Igel“, die in der Lukmanierschlucht und ihrer Umgebung bis acht Zentimeter Durchmesser erreichen können. Bild GB8 zeigt einen schönen Aragonit auf verwittertem Ankerit in einem nadelig-büscheligen Aggregat aus dem natürlichen Aufschluss Bova Gronda südöstlich von Disentis. Die Aragonitkristalle zeigen die typischen Endflächen. Auf den bekannten Aggregaten aus der Cavradischlucht mit epitaktisch aufgewachsenem Rutil auf Hämatit können auch kleine Calcitkristalle sitzen (Bild FB9).
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Bild GB10: Calcit aus Arvigo,
Calancatal, Graubünden, Breite 1 cm |
Bild GB11: Feinblättriger Papierspat,
Arvigo, Calancatal, Graubünden, Breite 1 cm
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Bild GB12: Calcit mit Skolezit auf Epidot,
Arvigo, Calancatal, Graubünden, Breite 1 cm |
Das Calancatal liegt ganz im Süden von Graubünden. Im Steinbruch bei Arvigo findet man Minerale alpiner Zerrklüfte, die nur kleine Hohlräume enthalten. Darin wächst auch Calcit, wenn auch nur in kleinen Kristallen. Er tritt in Gesellschaft von Epidot, Skolezit oder anderen Mineralen der typischen Paragenese auf. Die Kristalle sind meist verzerrt (Bild GB10) oder sie treten in einer feinblättrigen Form als „Papierspat“ auf (Bild GB11). Diese Blätter erscheinen durch Verwitterungsprozesse wie „angefressen“. Zwillinge aus Arvigo sind selten (Bild GB12).
Kanton Wallis
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Bild VS1: Calcit, Grube Lengenbach,
Fäld, Binntal, Wallis, Breite 0,5 cm
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Bild VS2: Calcit mit Hämatit auf Muskovit,
Ofenhorn, Binntal, Wallis, Breite 3 cm |
Bild VS3: Fingernagel-Calcit, Schmalegga,
Breithorn, Binntal, Wallis, Breite 4 cm |
Das Binntal ist ein südliches Seitental der Rhone oberhalb von Fiesch. Die Vielfalt der Minerale im Binntal und der umgebenden Region ist einmalig, auch der Calcit kommt dort in vielen Variationen vor. In der berühmten Grube Lengenbach oberhalb von Fäld findet sich als Hauptgestein weißer, körniger Dolomit. Darin wachsen neben zahlreichen Mineralen auch kleine, klare Dolomit- und Calcitkristalle. Während die Dolomitkristalle häufig als verzwillingte Rhomboeder auftreten, sind die Calcitkristalle sehr flächenreich (Bild VS1). Bei der Stufe auf Bild VS2 vom Ofenhorn wächst der Calcit auf Muskovitglimmer und ist mit blättrigem Hämatit vergesellschaftet. Der Calcit von der Schmalegga am Breithorn zeigt Fingernagelform (Bild VS3).
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Bild VS4: Calcit, Helsenhorn,
Region Binntal, Wallis, Breite 2 cm |
Bild VS5: Calcit von vorne, Rämigletscher,
Region Binntal, Wallis, Breite 3 cm |
Bild VS6: Calcit von hinten, Rämigletscher,
Region Binntal, Wallis, Breite 3 cm |
Den schönsten Calcit in der Region Binntal findet man am Helsenhorn, das auch für seine einmaligen Amethystfunde bekannt geworden ist. Der Calcit bildet garbenartige Aggregate (Bild VS4). Extrem blockiger Calcit stammt vom Rämigletscher. So nennen die Strahler den Mättitalgletscher, aus dem der „Rämibach“ entspringt. Das auf den Bildern VS5 und VS6 gezeigte, violett angehauchte Stück ist ein Calcit. Der Kristall wurde mit der Salzsäureprobe getestet, und er fluoresziert rot. Die ungewöhnliche Färbung könnte durch Mangan-Ionen verursacht sein. Ob es ein Zwilling oder nur eine parallele Verwachsung ist, lässt sich nicht einwandfrei erkennen.
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Bild VS7: Calcit, Mine Collioux inférieur,
St. Luc, Val d'Annivier, Wallis, Breite 2 cm |
Bild VS8: Calcitzwilling vom Griessee,
Kanton Wallis, Breite 4 cm |
Bild VS9: Aragonit aus der Rhoneschlucht,
Mühlebach, Kanton Wallis, Breite 5 cm |
Im Val d'Anniviers südlich von Siders gibt es viele aufgelassene alte Bergwerke. Aus dem Gebiet um St. Luc stammen viele farbenprächtige Minerale, die in Micromountsammlungen vertreten sind. Es treten sekundäre Kupferminerale auf, der Calcit ist ein typisches Begleitmineral, der die Drusen auffüllt (Bild VS7). Der Calcit vom Griessee kann zu schönen Skalenoedern ausgebildet sein, die manchmal auch verzwillingt sind (Bild VS8). Zwischen Fiesch und Mühlebach befindet sich die Rhoneschlucht. Sie ist eigentlich für schönen Rutil in der Varietät Sagenitgitter bekannt. Den Aragonit ganz unten am Bach haben viele Strahler einfach liegen lassen (Bild VS9).
Tessin
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Bild TI1: Calcit auf Artischockenquarz,
Paltano, Val Bedretto, Tessin, Breite 9 cm |
Bild TI2: Skalenoedrischer Calcit,
Paltano, Val Bedretto, Tessin, Breite 10 cm |
Bild TI3: Calcit mit Verfärbungen,
Val Valleggia, Tessin, Breite 2 cm |
Im Val Bedretto bei der Fundstelle Löite die Paltano am Nufenenpass gab es einige Zeit lang eine Schürfstelle, wo man Nadelquarz gegen eine Gebühr selbst suchen konnte. Besonders der milchartige Quarz kann Artischockenwachstum aufweisen, dieser ist häufig mit skalenoedrischem Calcit vergesellschaftet (Bilder TI1 und TI2). Die Nadelquarze aus Paltano sind teilweise durch eisenhaltige Verbindungen dicht unter der Kristall-Oberfläche gelb gefärbt. Die Eisenverbindungen sind auch für die Gelbfärbung der Calcite im benachbarten Val Valleggia verantwortlich (Bild TI3)
Kanton St. Gallen
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Bild SG1: Calcitkluft, Eisenerzbergwerk Gonzen,
Sargans, Kanton St. Gallen, Schweiz, 15 cm |
Bild SG2: Calcit mit Hämatit aus Vättis,
Sargans, Kanton St. Gallen, Breite 10 cm |
Bild SG3: Calcit aus Vättis,
Sargans, Kanton St. Gallen, Breite 10 cm |
Im Eisenerzbergwerk Gonzen bei Sargans entdeckte man 1965 eine Kluft, die Abmessungen betrugen 16 × 9 × 4 Meter. Die Wände der Kristallhöhle waren mit riesigen Kristallen besetzt, von denen einige mehr als 80 Zentimeter Kantenlänge hatten (Bild SG1). Die Kristalle kamen nur als Rhomboeder vor. Heute ist die Kluft komplett ausgebeutet. Bei Vättis im Taminatal südlich von Bad Ragaz im Kanton St. Gallen wurden in einer Kluft im Gebiet Wolfjos riesige Calcite gefunden. Diese sind dort überwiegend als Skalenoeder ausgebildet und häufig auch mit gelben oder roten Eisenerzen überzuckert (Bild SG2) oder davon durchdrungen. Die Skalenoeder können auch zu Doppelendern oder Zwillingen ausgebildet sein. Skalenoedrische Kristalle mit rhomboedrischer Verflachung bilden traubige Aggregate (Bild SG3).
Kanton Uri
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Bild UR1: Calcit rhomboedrisch,
Chridenloch, Schächental, Kanton Uri, Breite 5 cm
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Bild UR2: Calcit als „Papierspat“,
Chridenloch, Schächental, Kanton Uri, Breite 4 cm
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Bild UR3: Calcit mit Streifungen,
Brunnital, Uri, Breite 14 cm
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Vom Chridenloch (auch „Kridenloch“) und vom nahegelegenen Windloch
bei der Wannelen Alp im Schächental am Klausenpass stammt fast farbloser Calcit. Er kommt dort als Papierspat (Bils UR2) oder in absolut typischen Kristallen vor: Sie bilden gerne flächenreiche Rhomboeder (Bild UR1). Von Unterschächen gelangt man ins Brunnital, wo im hintersten Abschnitt ebenfalls Calcit in flächenreichen Formen gefunden wird. Nach dem Reinigen zeigen die stark glänzenden Kristallflächen ausgeprägte Streifungen (Bild UR3).
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Bild UR4: Calcit Fingernagelform,
Gotthardtunnel, Kanton Uri, Breite 2 cm |
Bild UR5: Calcit als „Kanonenspat“,
Furka-Basistunnel, Uri, Breite 6 cm |
Bild UR6: Calcit mit Pyrit und Arsenopyrit,
Furka-Basistunnel, Uri, Breite 4 cm |
Beim Bau der Alpentunnel unter dem Gotthardpass und dem Furkapass wurde häufig Calcit gefunden. Bild UR4 zeigt einen Calcit in Fingernagelform und rhomboedrischen Verwachsungen aus dem Gotthard-Straßentunnel, der Göschenen und Airolo verbindet. Der Furka-Basistunnel zwischen Oberwald und Realp ist ein Eisenbahntunnel mit einer Autoverladung. Beim Bau gelangte zum Beispiel Calcit ans Tageslicht, der als „Kanonenspat“ ausgebildet ist (Bild UR5) oder rhomboedrische Formen zeigt. Er kann mit Pyrit oder Arsenopyrit kombiniert sein (Bild UR6).
Kanton Bern
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Bild BE1: „Fingernagel“-Calcit mit Bergkristall,
Rotlaui bei Guttannen, Kanton Bern, Breite 7 cm
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Bild BE2: Calcit, Engstligenalp,
Kanton Bern, Breite 5 cm
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Bild BE3: Quarz auf Calcit, Engstligenalp,
Kanton Bern, Breite 3 cm
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Beim Calcit aus Rotlaui bei Guttannen
im Kanton Bern (Bild BE1) wurden die Rhomboeder in der „Fingernagelform“ noch durch
Verwitterungseinflüsse wie kohlensäurehaltiges Wasser zusätzlich abgerundet. Dies ist für manche Fundorte in den Alpen typisch. In der Nähe der Engstligenalp bei Adelboden wird neben Calcit (Bild BE2) zepterartiger Quarz gefunden, der die Anfänge eines Fensterquarzes verdeutlicht (Bild BE3). Die einzelnen Quarzkristalle sitzen auf einem Rasen mit Calcitkristallen.
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Bild BE4: Calcit aus dem Gasterntal,
Kandersteg, Kanton Bern, Breite 14 cm
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Bild BE5: Calcit aus dem Gasterntal,
Kandersteg, Kanton Bern, Breite 12 cm
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Bild BE6: Calcit aus dem Gasterntal,
Kandersteg, Kanton Bern, Breite 5 cm
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Die berühmtesten Calcite der Schweiz stammen aus einer natürlichen Felskluft, die sich im vorderen Gasterntal hinter dem Hotel-Restaurant Waldhaus am alten Gemmiweg befindet (Bilder BE4, BE5, BE6). Heute ist die Kluft weitgehend ausgebeutet und darf aus Naturschutzgründen nicht mehr betreten werden. Die Kluft befindet sich unterhalb des neuen Gemmiwegs in einer 100 Meter hohen Felswand im Valanginien-Kalk. Die Kristalle erreichen bis zu 7 cm Länge und sind durch Eisensalze leuchtend orange gefärbt. Bild BE4 zeigt eine der schönsten Exemplare: Die farbenprächtige Stufe hat einen hohen Glanz, und sie ist perfekt erhalten.
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Bild BE7: Calcit vom Gips-Bruch Leissigen,
Kanton Bern, Breite 4 cm
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Bild BE8: Calcit im UV-Licht, Leissigen,
Kanton Bern, Breite 4 cm
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Bild BE9: Aragonit, Rotebüel bei Leissigen,
Kanton Bern, Breite 7 cm
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Im weithin sichtbaren Gips-Bruch Leissigen am Thunersee wird Gips abgebaut. Zu Zeiten der Pulverknappheit förderte man zur Schwarzpulverherstellung dort auch Schwefel, der im Gips vorkommt. Der tropfsteinartige Calcit aus Leissigen (BE7) zeigt im UV-Licht eine gelbe Fluoreszenz (BE8). Am westlichen Rand des Gipsbruchs bei der Gemarkung „Rotebüel“ wurde an einer wasserführenden Stelle Aragonit gefunden (BE9).
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Bild BE10: Calcit aus der Gemarkung Rotebüel,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 4 cm
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Bild BE11: Calcit vom Rotebüel im Tageslicht,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 5 cm
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Bild BE12: Calcit vom Rotebüel im UV-Licht,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 5 cm
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Die orangefarbenen Calcite vom Rotebüel (BE10) stammen aus Hohlräumen über dem Wasserspiegel, während der Aragonit unter dem Wasserspiegel entsteht. Die Calcitkristalle zeigen unter dem langwelligen UV-Licht ein sehr starke, gelbe Fluoreszenz (BE11 und BE12). In dieser Eigenschaft sind die Calcite von Leissigen einmalig. An manchen Kristallen oder Kristallspitzen tritt keine Fluoreszenz auf. Dieser Kontrast führt unter dem UV-Licht zu bizarren Farbkombinationen (BE12).
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Bild BE13: Aragonit aus dem Umfahrungstunnel,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 2 cm
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Bild BE14:
Rhomboedrischer Calcit,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 2 cm |
Bild BE15: Calcit vom Kreuzgraben,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 2 cm
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Beim Bau des Umgehungstunnels für die Nationalstrasse wurden auf einer Aushubhalde sehr klare Quarze, Calcitzwillinge und nadeliger Aragonit gefunden (BE13). Ähnliche Funde stammen aus den Bachrinnen oberhalb von Leissigen. Vor allem im Kreuzgraben (auch: „Chrützgrabe“) zeigt der Calcit eine enorme Formenvielfalt. Er kommt rhomboedrisch vor (BE14) und bildet auch vielflächige Kristalle (BE15).
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Bild BE16: Calcit mit Quarz vom Kreuzgraben,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 4 cm
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Bild BE17: Calcit-Zwillinge vom Kreuzgraben,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 2 cm
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Bild BE18: Derbyshire-Twin vom Kreuzgraben,
Leissigen, Kanton Bern, Breite 3 cm
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Manchmal sind die Calcite aus dem Kreuzgraben bei Leissigen mit kleinen Quarzkristallen kombiniert, so wie bei der skalenoedrischen Stufe
auf Bild BE16. Sehr speziell sind die Calcitzwillinge nach dem ersten stumpferen Rhomboeder (BE17). Auch der klassische Derbyshire-Twin ist zu finden (BE18). Hier wird der skalenoedrische Zwilling nach dem Basis-Pinakoid gebildet. Benannt ist
dieser Zwillingstyp nach dem historischen Fundort Derbyshire in England.
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Bild BE19: Calcit aus Weissenburg
im Simmental, Kanton Bern, Breite 7 cm |
Bild BE20: Calcit-Igel aus Weissenburg
im Simmental, Kanton Bern, Breite 2 cm |
Bild BE21: Zweifarbiger Calcit, Weissenburg
im Simmental, Kanton Bern, Breite 2 cm |
Bei Arbeiten an der Strasse bei Weissenburg im Simmental wurden traumhaft schöne Calcitigel gefunden (BE19). Die Igel konnten von der Matrix zum Teil regelrecht „abgepflückt“ werden (BE20), so dass auch einzelne Igel im Handel erhältlich sind. Seltener war zweifarbiger Calcit mit schön ausgebildeten Skalenoedern (BE21). Die Kristalle erscheinen auf der einen Seite bräunlich, auf der anderen gelblich. Mitten durch die Platte
verläuft eine Änderungszone der Wachstumsbedingungen.
Jura (Gebirge)
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Bild J1: Calcit aus der Tongrube Andil,
Liesberg, Basel-Landschaft, Breite 4 cm |
Bild J2: Calcit im Hohlraum eines Fossils,
Liesberg, Basel-Landschaft, Breite 3 cm |
Bild J3: Calcit aus der Tongrube Andil,
Liesberg, Basel-Landschaft, Breite 5 cm
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Der Schweizer Jura ist ein Gebirge, das überwiegend aus Kalkstein besteht. Durch Verkarstung entstehen Risse und Hohlräume, wodurch das kohlensäurehaltige Regenwasser eindringen kann, das den Kalk löst. In den Hohlräumen kristallisiert der Kalk dann wieder aus. Im Kalk, sowie in den vorhandenen Mergel- und Tonschichten finden sich zahlreiche Fossilien. Der Calcit ist ein häufiges Mineral im Kalkstein. Weltbekannt ist die ehemalige Tongrube Andil bei Liesberg-Dorf. Heute ist sie ein Naturschutzgebiet, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Calcit wird im ockergelben Kalkgestein (Bild J1) und auch in den anderen Schichten – wo Hohlräume auftreten – gefunden (Bild J3). Das Mineral kann die Kammern der dunkelgrauen Ammoniten oder von anderen Fossilien ausfüllen (Bild J2).
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Bild J4: Calcit mit Boluston, Rote Grube,
Röschenz, Basel-Landschaft, Breite 12 cm |
Bild J5: Calcit skalenoedrisch,
Röschenz, Basel-Landschaft, Breite 4 cm |
Bild J6: Calcit in Septarie,
Röschenz, Basel-Landschaft, Breite 14 cm
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Die Rote Grube (auch „Roti Gruebe“) findet man an der Redelsflue bei Röschenz oberhalb von Laufen. Im Lauf der Erdgeschichte wurde vor 50 bis 40 Millionen Jahren in den Malmkalk rotes Eisenoxid eingeschwemmt. Dieser rote Ton wird auch Boluston genannt. Aus diesem Grund sind die Calcite in den Drusen aus Röschenz oft knallrot gefärbt (Bild J4). Manchmal zeigen nur die Kristallspitzen die rote Färbung (Bild J5). Septarien sind knollenartige Aggregate mit strahlenförmigen Schrumpfungsrissen, auch darin können Calcitkristalle enthalten sein (Bild J6). Manche Septarien erreichen in Röschenz bis zu 20 Zentimeter Durchmesser. Früher wurde sie – wie auch der rote Kalk selbst – geschliffen und als Schmucksteine verkauft. Heute darf man an den Wänden nicht mehr herumschlagen, weil die Grube unter kantonalem Naturschutz steht.
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Bild J7: Calcit skalenoedrisch verzerrt,
Münchenstein, Basel-Landschaft, Breite 1 cm
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Bild J8: Calcit in Etagen,
Münchenstein, Basel-Landschaft, Breite 2 cm |
Bild J9: Calcit als Kristallplatte,
Münchenstein, Basel-Landschaft, Breite 4 cm
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Superschöner Calcit kam früher aus dem heute vollständig zugeschütteten Kalk- und Sandsteinbruch Neue Welt bei Münchenstein. Die oft spitzen Kristalle können glasklar sein, sie bilden igelartige (Bild J7) oder sogar stockwerkartige Aggregate (Bild J8). Diese sind sehr filigran und zerbrechlich, es wurden auch dünne, kristallisierte Platten gefunden (Bild J9). Die Kristalle auf dem hellbraunen Kalkstein wachsen oft speerspitzartig in Garben. Im UV-Licht erscheint der Calcit aus Münchenstein weiß, er ist unverkennbar.
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Bild J10: Calcit in Druse,
Tongrube Keller, Frick, Aargau, Breite 1cm |
Bild J11: Goethit auf Calcit,
Tongrube Frick, Aargau, Breite 3 cm |
Bild J12: Calcit und Pyrit im Lias,
Tongrube Frick, Aargau, Breite 2 cm |
Die Tongrube Keller bei Frick liegt im Kanton Aargau. Sie ist für ihre Versteinerungen bekannt. Die Funde von weitgehend vollständigen Skeletten des Plateosauriers aus dem späten Trias sind weltberühmt. Im Sauriermuseum Frick im Schulhaus 1912 sind diese ausgestellt. In den Adern des dunklen und sehr harten Gesteins (Lias) und auch in den Kammern der Ammoniten findet man Minerale wie Calcit oder Pyrit (J10 und J12). Auf dem Calcit kann schwarzer Goethit sitzen (J11).
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Bild J13: Calcit auf gelbem Fluorit,
Stbr. Orismühle, Kanton Solothurn, Breite 4 cm |
Bild J14: Calcit,
Stbr. Orismühle, Kanton Solothurn, Breite 10 cm |
Bild J15: Calcit in Druse,
Stbr. Orismühle, Kanton Solothurn, Breite 14 cm
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Einmalige Kombinationen von Calcitkristallen, die auf honiggelben Fluoritwürfeln bis drei Zentimeter Kantenlänge sitzen, findet man im Steinbruch Orismühle (eigentlich Steinbruch Lusenberg) bei Nuglar-St. Pantaleon südwestlich von Liestal (Bild J13). Der noch aktive Kalksteinbruch liegt im Kanton Solothurn. Das Fluoritvorkommen im Jura begrenzt sich auf ehemalige Korallenstöcke im Dogger. In den gebildeten Hohlräumen der versteinerten Korallen konnten fluoridreiche Lösungen aus tieferen Schichten eindringen. Der Calcit füllt im Steinbruch die Hohlräume in allen Gesteinschichten aus (Bilder
J14 und J15).
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Bild J16: Calcit mit blauem Coelestin,
La Reuchenette, Kanton Bern, Bildbreite 4 cm |
Bild J17: Calcit auf Mergel,
La Reuchenette, Kanton Bern, Bildbreite 3 cm |
Bild J18: Calcit Zwilling,
La Reuchenette, Kanton Bern, Bildbreite 4 cm
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Nachdem sich das Juragebirge vor vielen Millionen Jahren auffaltete, fraßen sich die Flüsse in die Falten hinein und bildeten so Aufschlüsse wie im Klus von La Reuchenette oberhalb von Biel im Kanton Bern. Dort befinden sich die riesigen Steinbrüche der Ciments Vigier SA zwischen La Reuchenette und Rondchâtel. Sie sind heute gesperrt und dürfen nicht mehr betreten werden. Die Schicht aus dem Oberen Jura ist reich an Fossilien. Herausragend sind die versteinerten Seeigel in bester Erhaltung. Calcit und Coelestin wurden an der Basis des alten Steinbruchs auf der Westseite, beim Bau eines Straßentunnels und auch im Tscharner Erschließungstunnel gefunden (Bild J16). Es kommen igelartige Aggregate auf dem Mergel vor (Bild J17). Sehr selten sind Calcitzwillinge, zum Beispiel nach dem nächst steileren negativen Hauptrhomboeder (Bild J18).
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Bild J19: Calcit Zwilling,
Cornaux, Kanton Neuenburg, Breite 2 cm |
Bild J20: Gelbe Fluoritwürfel auf Calcit,
Cornaux, Kanton Neuenburg, Breite 4 cm |
Bild J21: Fluorit auf Calcit, UV-Licht 465 nm,
Cornaux, Kanton Neuenburg, Breite 4 cm |
Zwischen Bielersee und Neuenburgersee im Kanton Neuenburg liegt das Dorf Cornaux. Oberhalb davon befindet sich der Kalksteinbruch der Juracime AG. Die Formation der Gesteine stammt aus dem Übergang zwischen den Erdzeitaltern Jura und Kreide. Der abgesperrte Steinbruch befindet sich gut versteckt in einer bewaldeten Kuppe. Er ist für seine Funde mit Calcit und Coelestin bekannt. Es kommen Calcitzwilllinge nach dem Typ Derbyshire Twin vor, häufig haben sie aber ein verzerrtes Wachstum (Bild J19). Auf dem Calcit können winzige, gelbe Fluoritwürfel sitzen (Bild J20), die im UV-Licht bei 365 nm hellgelb fluoreszieren (Bild J21).
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Bild J22: Calcit rhomboedrisch,
La Neuveville, Kanton Bern, Breite 3 cm |
Bild J23: Calcit, Steinbruch La Malcôte,
Cornol, Kanton Jura, Breite 3 cm |
Bild J24: Calcit vom Autobahnbau A2
Tenniken, Basel-Landschaft, Breite 12 cm |
Ein paar Kilometer nördlich von Cornaux gelangt man an den Bielersee mit der Gemeinde La Neuveville, die zum Kanton Bern gehört. Oberhalb davon befindet sich am Cras de Rafort der nicht mehr aktive Steinbruch. Von dort stammen rhomboedrische Calcitkristalle mit vielen Flächen, die treppenartig angeordnet sein können (Bil J22). Ungefähr 10 Kilometer östlich von Pruntrut (Porrentruy) befindet sich bei Cornol der Steinbruch La Malcôte. Dort wird von der Firma Lachat SA ein Jurakalk (Hauptrogenstein) abgebaut, der zur Herstellung von Beton und Straßenbelägen geeignet ist. Auch von dort stammt schöner Calcit (Bild J23). Beim Autobahnbau der A2 in den 1960er-Jahren kamen bei Tenniken südlich von Sissach riesige Calcitstufen ans Tageslicht (Bild J24).
> Weitere Calcitfunde im Juragebirge