Calcit und Aragonit aus Österreich
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V1: Calcit – Derbyshire-Zwilling,
Weißach-Bolgenach, Doren, Breite 2 cm
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V2: Calcit – Derbyshire-Zwilling,
Weißach-Bolgenach, Doren, Breite 2 cm
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Bild V3: Calcit – Derbyshire-Zwilling,
Weißach-Bolgenach, Doren, Breite 2 cm
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Eine der bekanntesten und ältesten Calcitfundstellen in Österreich befindet sich im Bregenzerwald beim Zusammenfluss der beiden Flüsschen Weißach-Bolgenach. Der natürliche Aufschluss liegt auf der Grenze der Gemeinden Doren und Krumbach. Von dort stammen skalenoedrische Kristalle, die auf dem Sandstein aufsitzen und gerne abfallen. Man findet rötliche Phantome, die durch Einschlüsse mit Tonmineralen verursacht werden oder auch ganz klare Kristalle. Häufig sind es Doppelender, selten klassische Derbyshire-Zwillinge von nahezu perfekter Qualität (Bilder V1 bis V3). In der Regel sind sie um die zwei Zentimeter lang, maximal erreichen die Kristalle zehn Zentimeter Länge.
Tirol
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T1: Calcit – skalenoedrischer Doppelender,
Saurüssel, Zillertal, Tirol, Breite 3 cm |
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T2: Calcit (mit Aragonit?),
St. Gertraudi, Tirol, Breite 3 cm |
Bild T3: Calcit Skalenoeder,
St. Gertraudi, Tirol, Breite 3 cm |
In den alpinen Klüften und in den Erzlagerstätten ist der Calcit verbreitet anzutreffen. Klare Calcite aus den Alpen sind selten, sie sind meistens milchig getrübt. Der skalenoedrische Doppelender stammt vom Saurüssel im Zillertal (Bild T1). Die schönsten Calcite aus dem österreichischen Bundesland Tirol kommen vielleicht aus St. Getraudi. Im alten Bergwerk wurden früher Silber- und Kupfererze gewonnen. Der Calcit wächst bäumchenartig, teilweise auch mit Aragonit vermischt (Bild T2), oder er bildet prächtige Stufen mit klaren Skalenoedern (Bild T3).
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T4: Aragonit,
Stockerstollenhalde, Brixlegg, Tirol, Breite 1,5 cm
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T5: Calcit,
Stockerstollenhalde, Brixlegg, Tirol, Breite 1,5 cm
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Bild T6: Malachit pseudomorph nach Calcit,
Mockleiten Halde, Brixlegg, Tirol, Breite 1,5 cm
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Unscheinbarer und nur mit einer Stereolupe gut zu sehen sind die Minerale aus dem ehemaligen Bergbaugebiet bei Brixlegg. Der Silberberg mit seinen alten Halden war früher ein Eldorado für den Micromounter. Aragonit und Calcit kommen dort nur in kleinen Kristallen vor, zum Beispiel auf der Halde des ehemaligen Stockerstollens (Bilder T4 und T5). Eine große Besonderheit sind die Pseudomorphosen, die auf der Mockleiten
Halde gefunden wurden. Der Malachit hat den ursprünglichen Calcit ersetzt, dabei ist die Kristallform des Calcits erhalten geblieben (Bild T6).
Salzburg
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SA1: Calcit vom Hopffeldboden,
Obersulzbachtal, Salzburg, Breite 3 cm
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SA2: Fingernagel-Calcit, Hopffeldboden,
Obersulzbachtal, Salzburg, Breite 0,4 cm
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Bild SA3: Vaterit oder Calcit (?), Hopffeldboden,
Obersulzbachtal, Salzburg, Breite 0,3 cm
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Eine der bekanntesten Fundstellen in Österreich für Mineraliensammler ist der Hopffeldboden im Obersulzbachtal. Im Geröllfeld der Felswand werden im hellen Granit unter anderem seltene Thorium- und Yttriumminerale gefunden. Relativ selten ist gut ausgebildeter, prismatischer Calcit (Bild SA1). Die kleinen Calcitkristalle in „Fingernagelform“ kann man aufgrund der typischen Kristallform vom umgebenden Albit unterscheiden (Bild SA2). Der extrem seltene und hexagonal kristallisierende Vaterit ist neben Aragonit und Calcit die dritte natürlich vorkommende Modifikation des Calciumcarbonats. Nach neueren Untersuchungen haben sich die meisten Vaterite vom Hopffeldboden als Calcit herausgestellt (Bild SA3).
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SA4: Calcit auf Periklin,
Grasfelderklamm, Untersulzbachtal, Breite 3 cm
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SA5: Calcit Doppelender,
Grasfelderklamm, Untersulzbachtal, Breite 4 cm
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Bild SA6: Calcit mit Muskovit, verwittert,
Grasfelderklamm, Untersulzbachtal, Breite 2 cm
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Das Untersulzbachtal ist das nächste, östlich gelegene Tauerntal nach dem Obersulzbachtal. Den schönsten Calcit von dort gibt es beim Grasfelderklamm. Er bildet Skalenoeder, die klar sein können und gerne auf dem Periklin sitzen (Bild SA4). Typipsch sind milchige, spitz zulaufende Doppelender (Bild SA5). Manchmal ist der Calcit durch Wasser oder saure Lösungen angeätzt oder verwittert (Bild SA6). Häufig ist der Calcit mit Muskovit
kombiniert, der blättrige Aggregate bildet.
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SA7: Calcit auf Quarz,
Scharntal, Hollersbachtal, Breite 2 cm |
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SA8: Calcit skalenoedrisch,
Scharntal, Hollersbachtal, Breite 3 cm |
Bild SA9: Calcit,
Schiedergraben, Felbertal, Breite 4 cm |
Calcit wird auch in den anderen Tauerntälern gefunden. Das Scharntal ist ein Seitental vom Hollersbachtal, das östlich neben dem Habachtal liegt. Die leicht getrübten Calcite aus dem Felbertal ähneln stark den Calciten aus dem Hollersbachtal (Bilder SA7 bis SA9). Die Kristalle sitzen gerne auf Quarz und haben Einschlüsse von Eisenerzen. Bild SA9 zeigt einen typischen Calcit aus dem Schiedergraben.
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SA10: Calcit Doppelender,
Lohningbruch, Rauris, Salzburg, Breite 1 cm
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SA11: Calcit mit Rutil,
Kaisererbruch, Rauris, Salzburg, Breite 2 cm
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Bild SA12: Hämatit, Rutil, Calcit,
Lohningbruch, Rauris, Salzburg, Breite 1 cm
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Eine besonders reichhaltige Quelle für alpinen Calcit sind der Lohningbruch und der Kaisererbruch. Diese liegen in Rauris im Bundesland Salzburg. Die Calcitkristalle bilden zahlreiche Paragenesen mit anderen Mineralen. Bei der Stufe auf Bild SA10 ist die Matrix mit unzähligen Doppelendern übersäht. Das Foto zeigt einen einzigen Kristall davon. Speziell ist die Kombination auf Bild SA11: Golden glänzender Rutil befindet sich teilweise in den Calcitkristallen. Noch exotischer ist die Paragenese auf Bild SA12: Rutil, Hämatit und Calcit sind epitaktisch miteinander verwachsen.
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SA13: Calcitvarietät Lublinit,
Lohningbruch, Rauris, Salzburg, Breite 0,5 cm
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SA14: Calcit auf Klinochlor,
Krumltal, Rauris, Salzburg, Breite 2 cm
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Bild SA15: Calcit, Diabassteinbruch am Biberg,
Saalfelden, Salzburg, Breite 1 cm
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Eine sehr seltene Calcitvarietät ist der haarfömig ausgebildete Lublinit (Bild SA13). Auch diese Spezialität wird im Lohningbruch gefunden. Aus dem Krumltal in Rauris stammt gelber Calcit, der auf schwarzgrünen Klinochlorkristallen sitzt (Bild SA14). Auch solche Paragenesen sind typisch für alpine Calcite. Die Stufen aus dem Diabassteinbruch am Biberg bei Saalfelden
sind mit vielen Quarzkristallen übersähnt. Begehrt sind sanduhrförmiger Brookit und Rutil als Sagenitgitter. Dazwischen können sich kleine Kristalle von weiteren Mineralen befinden, zum Beispiel Albit, Calcit
oder Dolomit. Der Calcit ist an der typischen Kristallform zu erkennen (Bild SA15).
Steiermark
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ST1: Aragonit „Eisenblüte“,
Erzberg, Steiermark, Österreich, Breite 18 cm
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ST2: Aragonit „Vogelnest“,
Erzberg, Steiermark, Österreich, 12 cm
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Bild ST3: Aragonit (Pinakoid + Prismen),
Erzberg, Steiermark, Östereich, Breite 1,5 cm
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Die berühmtesten Aragonite aus Österreich stammen wohl vom Erzberg
bei der Stadt Eisenerz in der Steiermark (Bilder ST1 und ST2). Die
mächtigen Abraumhalden sind heute noch in Betrieb. Neben Eisenerzen
wie Siderit wird auch versinterter Aragonit gefunden, der sogenannte
„Vogelnester“ bildet. Darin liegen Aragonit-Höhlenperlen wie
Vogeleier. Der Aragonit kommt dort auch als „Eisenblüte“ vor. So
bezeichnet man das lockige, korallenartige Wachstum beim Aragonit. Das
Oberflächenwasser hat in Hohlräumen das primäre Eisenerz
weggelöst, wodurch sich der Aragonit ausbilden konnte. Eine absolute Rarität ist es, wenn klare Aragonitkristalle aus dem Pinakoid und verschiedenen Prismen gebildet werden, dann sieht der Aragonit fast aus wie Baryt, der tafelige Kristalle bildet (Bild ST3).
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ST4: Aragonit „Erzbergit“,
Erzberg, Steiermark, Breite 3 cm
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ST5: Calcit auf Basalt,
Stradnerkogel, Steiermark, Breite 1 cm
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ST6: Calcit mit Phillipsit,
Stradnerkogel, Steiermark, Breite 1 cm |
Wechseln die hellen Aragonit-Lagen mit braunen Eisenerz-Lagen ab, dann wird ein solches Aggregat als „Erzbergit“ bezeichnet (Bild ST4). In der Südoststeiermark bei Wilhelmsdorf befindet sich der Basalt-Nephelinit-Steinbruch am Stradnerkogel. In den Hohlräumen sitzen die typischen Minerale, die im Basalt vorkommen, zum Beispiel Phillipsit oder Thomsonit, manchmal aber auch Calcit in schönen Skalenoedern (Bilder ST5 und ST6).
Kärnten
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K1: Calcit auf Schalenblende,
Grube Antoni, Revier Bad Bleiberg, Breite 3 cm
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K2: Calcit vielflächig,
Revier Bad Bleiberg, Kärnten, Breite 3 cm
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Bild K3: Calcit mit Fluorit,
Herrenbauhalde, Bad Bleiberg, Breite 2 cm
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Das Bundesland Kärnten hat zwei alte Bergbaureviere, die für Calcit in vielen Variationen bekannt sind. 15 Kilometer westlich von Villach liegt Bad Bleiberg. In den Gruben der Umgebung gibt es Blei- und Zinkerze, die schon im Mittelalter abgebaut wurden. Auch Silber und Gold wurde früher aus Erzen aufbereitet. Die Einstellung der Bergbautätigkeit erfolgte 1993. Der Calcit aus der Grube Antoni sitzt auf der Schalenblende als zweite Generation (Bild K1). Bekannt ist auch der „Kanonenspat“ aus den Gruben im Revier. Oft sind die Kristalle vielflächig (Bild K2). Reizvoll sind die Kombinationen von Calcit mit gelbem Fluorit (Bild K3).
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K4: Calcit auf Siderit,
Hüttenberg, Kärnten, Breite 1 cm |
Bild K5: Calcit auf Siderit,
Hüttenberg, Kärnten, Breite 2 cm |
Bild K6: Calcit mit Klinochlor,
Steinbruch Pflüglhof, Maltatal, Breite 1 cm
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Das Revier bei Hüttenberg im Bezirk St. Veit an der Glan ist das zweite bedeutende Bergbaurevier in Kärnten. Es ist seit der Antike bekannt. Eisenerze wie der Siderit wurden schon vor der Römerzeit abgebaut. Das Eisenerz ist häufig mit Calcit vergesellschaftet, der als zweite Generation gerne Überzüge über die anderen Minerale bildet (Bilder K4 und K5). Der Steinbruch Pflüglhof im Maltatal ist heute unter dem Namen „Malta Werk 1“ bekannt. Früher konnte man dort schöne Micromounts sammeln, heute herrscht Sammelverbot. Die Spezialität des Steinbruchs sind kleine grüne Kristalle, bei denen es sich meistens um ein Mischkristall zwischen Klinozoisit und dem grünen Epidot handelt. Nur relativ selten war auch Calcit in dicktafeligen Kristallen zu finden (Bild K6).