
Phencyclidin oder 1-(1-Phenylcyclohexyl)piperidin C17H25N ist eine farblose, ölige, nicht wasserlösliche Flüssigkeit mit schwach aminartigem Geruch. Charakteristisch ist der dreiteilige Molekülbau: Ein Cyclohexanring ist an einem Kohlenstoffatom mit einem Phenylring und einem Piperidinring verknüpft. Das Kohlenstoffatom wirkt als asymmetrisches Zentrum, so dass Phencyclidin als Racemat aus zwei Enantiomeren vorliegen kann. Für den medizinischen und illegalen Gebrauch wird das besser handhabbare Hydrochlorid-Salz eingesetzt, das als weißes bis leicht gelbliches, kristallines Pulver vorliegt. PCP-Hydrochlorid ist in Wasser begrenzt, in organischen Lösungsmitteln wie Chloroform, Ether oder Alkohol gut löslich.
Zur Analytik werden in der Praxis immunchemische Screeningtests (z. B. Urinteststreifen oder ELISA-Verfahren) eingesetzt, die auf Antikörpern gegen Phencyclidin beruhen. Ein sicherer Nachweis erfolgt anschließend mittels chromatographischer Methoden, meist Gaschromatographie oder Hochleistungsflüssigkeitschromatographie in Kopplung mit der Massenspektrometrie. Im Blut lässt sich die Substanz je nach Dosis nur für begrenzte Zeit nachweisen, im Urin sind Abbauprodukte oftmals mehrere Tage, bei chronischem Konsum auch länger auffindbar.
Geschichte
Phencyclidin wurde Ende der 1950er-Jahre von der Firma Parke-Davis als intravenöses Anästhetikum entwickelt und unter dem Handelsnamen „Sernyl“ erprobt. Wegen starker psychischer Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Delirien und lang anhaltenden Verwirrtheitszuständen wurde es jedoch bereits Anfang der 1960er-Jahre aus der Humanmedizin weitgehend abgezogen. In der Veterinärmedizin fand es zeitweise noch Verwendung, wurde aber auch dort größtenteils durch andere Narkosemittel ersetzt.
Seit den 1970er-Jahren taucht der Stoff in vielen Ländern als Rauschdroge auf, insbesondere in Nordamerika. In der Straßenszene wird er häufig als „Angel Dust“ bezeichnet. Er wird als Pulver zum Rauchen auf Trägern wie Tabak oder Pflanzenmaterial aufgebracht, geschnupft oder in Tablettenform eingenommen. Wegen seiner unberechenbaren und mitunter extrem aggressionsfördernden Wirkung wurde Phencyclidin in zahlreichen Staaten streng reguliert und in die Betäubungsmittelgesetzgebung aufgenommen.
Wirkung auf den menschlichen Körper
Wegen seiner hohen Fettlöslichkeit passiert Phencyclidin leicht die Blut-Hirn-Schranke. Es wirkt wie Ketamin hauptsächlich am NMDA-Rezeptor und beeinflusst damit die Signalübertragung im Zentralnervensystem. Pharmakologisch wird es den dissoziativen Anästhetika zugeordnet. In medizinischen Dosen führt es zu einem tranceartigen Zustand mit Analgesie, Amnesie und partiell erhaltenen Schutzreflexen.
Konsumenten berichten von Entfremdungsgefühlen, starker Veränderung der Körper- und Zeitwahrnehmung, Halluzinationen und scheinbarer Schmerzunempfindlichkeit. Häufig treten unkoordinierte Bewegungen, Nystagmus, Sprachstörungen und eine merkliche Steigerung von Blutdruck und Puls auf. In höheren Dosierungen kann Phencyclidin schwere Delirien, paranoide Wahnvorstellungen, aggressives Verhalten, Krampfanfälle und Koma auslösen. Die Gefahr von Selbst- und Fremdverletzungen ist in solchen Zuständen stark erhöht.
Bei längerfristigem oder hochdosiertem Konsum besteht ein hohes Risiko für psychische Abhängigkeit. Chronischer Missbrauch kann zu anhaltenden kognitiven Verlusten, Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen führen. In der medizinischen Anwendung wird Phencyclidin wegen dieser Risiken heute praktisch nicht mehr eingesetzt; sein hauptsächliches Auftreten findet sich im illegalen Drogenmarkt.
Bilder
Bemerkung: Ein KI-Foto zeigt nicht den echten Stoff, sondern eine idealisierte Form.
Literaturquellen
Berger, Markus: Psychoaktive Drogen, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2017
Falbe/Regitz (Hg.): Römpp Chemielexikon, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York 1992
Köhler, Thomas: Rauschdrogen und andere psychotrope Substanzen, dgvt-Verlag, Tübingen 2014
Schmidbauer, Wolfgang und vom Scheidt, Jürgen: Handbuch der Rauschdrogen, Fischer, München 2003
World Health Organization: Phencyclidine, Critical Review Report, Genf 2012
Hinweis: ChatGPT wurde als digitaler Assistent verwendet, der Text wurde vollständig redaktionell bearbeitet.
