
(R)-Ketamin (links) und (S)-Ketamin (rechts)
Ketamin ist ein synthetisch hergestelltes Arzneimittel aus der Stoffgruppe der Arylcyclohexylamine. Die Verbindung wird meist als racemisches Gemisch eingesetzt; das (S)-Ketamin besitzt aber die stärkere pharmakologische Wirkung. Reines Ketamin bildet farblose bis schwach gelbliche, kristalline Feststoffe, in der Praxis liegen jedoch meist wässrige Injektionslösungen vor. Ketamin-Hydrochlorid ist gut in Wasser löslich und wird in der Human- und Tiermedizin vor allem intravenös oder intramuskulär appliziert. Beim Erhitzen zersetzt sich der Stoff unter Bildung reizender Zersetzungsprodukte.
Mit der Mandelin-Reagenz erhält man mit Ketamin zuerst eine grüne Färbung und später eine blaue. Zum Nachweis von Ketamin in Blut und Urin werden in der forensischen und klinischen Analytik immunchemische Screeningtests und anschließend chromatographische Methoden wie die Gaschromatographie oder die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie in Kopplung mit der Massenspektrometrie eingesetzt. Im Blut ist die Substanz im Allgemeinen nur für einige Stunden, im Urin je nach Dosis und Konsumhäufigkeit bis zu mehreren Tagen nachweisbar.
Geschichte
Ketamin wurde in den 1960er-Jahren von der Firma Parke-Davis als Nachfolgesubstanz des Phencyclidins (PCP) entwickelt. Ziel war es, ein besser steuerbares und sichereres Anästhetikum zu finden, das insbesondere in der Notfallmedizin und im militärischen Bereich eingesetzt werden kann. 1964 wurden erste klinische Studien veröffentlicht, Anfang der 1970er-Jahre erfolgte in vielen Ländern die Zulassung als Injektionsanästhetikum.
Wegen seiner im Vergleich zu anderen Narkosemitteln relativ stabilen Atmungs- und Kreislauffunktionen fand Ketamin rasch Verbreitung in der Human- und Veterinärmedizin, etwa in der Kinderanästhesie oder in Kriegs- und Katastrophensituationen. Gleichzeitig wurden die psychischen Nebenwirkungen – wie lebhafte Träume, Halluzinationen und das charakteristische „Abspaltungsgefühl“ vom eigenen Körper – beschrieben.
Seit den 1980er-Jahren taucht Ketamin zunehmend als Rauschdroge auf. In der Club- und Partyszene wird es gelegentlich als „Special K“ bezeichnet und meist über die Nase konsumiert. Wegen der Missbrauchsmöglichkeiten wurde die Substanz in vielen Staaten in die Betäubungsmittelgesetzgebung aufgenommen und unterliegt dort strengen Verschreibungs- und Lagerungsvorschriften. Neuere Forschung untersucht zudem die antidepressive Wirkung von Ketamin und Esketamin bei therapieresistenten Depressionen, was in einigen Ländern zur Zulassung eines Nasensprays geführt hat.
Wirkung auf den menschlichen Körper
Ketamin wirkt wie Phenylcyclidin hauptsächlich am NMDA-Rezeptor und beeinflusst damit die Signalübertragung im Gehirn. In der Medizin besitzt der Stoff eine Wirkung als Anästhetikum: Bewusstsein, Schmerzempfinden und Erinnerung werden voneinander „abgekoppelt“. In der Narkose kommt es zu einem tranceartigen Zustand, wobei Atmung und Kreislauf im Vergleich zu anderen Anästhetika meist stabil bleiben.
In Rauschdosen berichten Konsumenten von einem Gefühl der Loslösung vom eigenen Körper, von veränderter Zeitwahrnehmung und zum Teil intensiven inneren Bildern. Diese dissoziativen Zustände werden häufig als „K-Hole“ beschrieben. Neben den erwünschten Effekten treten jedoch nicht selten Ängste, Orientierungslosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und unangenehme Nachwirkungen wie Konzentrationsstörungen auf. Ketamin erhöht Puls und Blutdruck, was bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen problematisch sein kann.
Bei wiederholtem oder hochdosiertem Konsum besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Langfristiger Missbrauch kann zu schweren Schäden an der Harnblase und den ableitenden Harnwegen („Ketamin-Bladder“) mit starken Schmerzen und dauerhaften Funktionsstörungen führen. Auch anhaltende kognitive Beeinträchtigungen und psychische Störungen sind beschrieben. In der medizinischen Anwendung werden diese Risiken durch genaue Dosierung, Überwachung und eine klare Indikationsstellung möglichst gering gehalten.
Bilder
Bemerkung: Ein KI-Foto zeigt nicht den echten Stoff, sondern eine idealisierte Form.
Literaturquellen
Berger, Markus: Psychoaktive Drogen, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2017
Falbe/Regitz (Hg.): Römpp Chemielexikon, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York 1992
Köhler, Thomas: Rauschdrogen und andere psychotrope Substanzen, dgvt-Verlag, Tübingen 2014
Mion, G.; Villevieille, T.: Ketamine Pharmacology: An Update, CNS Neuroscience & Therapeutics 19 (2013)
Schmidbauer, Wolfgang und vom Scheidt, Jürgen: Handbuch der Rauschdrogen, Fischer, München 2003
World Health Organization: Ketamine, Critical Review Report, Genf 2015
Hinweis: ChatGPT wurde als digitaler Assistent verwendet, der Text wurde vollständig redaktionell bearbeitet.

