Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB)

GHB-Molekül
Chemische Eigenschaften und Nachweis

Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) ist bei Raumtemperatur eine farblose, ölige Flüssigkeit mit einem Schmelzpunkt von −17 °C. Sie ist in der Chemie als 4-Hydroxybutansäure bekannt und besitzt die Summenformel C4H8O3. Die Carbonsäure ist aus einer Kette mit vier Kohlenstoff-Atomen mit einer Carboxygruppe und einer Hydroxygruppe aufgebaut.

Beim illegalen Gebrauch wird oft auch das GHB-Natriumsalz (Natriumoxybat) eingesetzt. Das kristalline Salz wird für den Konsum in Wasser gelöst. Illegale Zubereitungen sind fast immer wässrige Lösungen unbekannter Konzentration. GHB entsteht im menschlichen Stoffwechsel in geringen Mengen beim Abbau von Aminobuttersäure (GABA). GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im menschlichen Gehirn und beeinflusst Angst, Muskelspannung und neuronale Aktivität. Industriell verwendete Vorstufen wie Butyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol werden im Körper rasch zu GHB umgewandelt und werden ebenfalls häufig missbräuchlich konsumiert. Diese beiden Stoffe werden daher toxikologisch und rechtlich gleich wie GHB bewertet.

Die enge strukturelle Verwandtschaft erschwert zum Teil die analytische Unterscheidung von GHB und GBL in niedrigen Konzentrationen. Rein visuell lassen sich die beiden öligen Flüssigkeiten kaum unterscheiden. In der forensischen Analytik kommen chromatographische Verfahren wie Gaschromatographie, Massenspektrometrie oder Hochleistungsflüssigkeitschromatographie zum Einsatz, häufig nach Derivatisierung. Wegen der sehr schnellen Ausscheidung ist das Nachweisfenster im Blut kurz, es ist nur wenige Stunden nach dem Konsum nachweisbar, im Urin nur wenig länger.


Geschichte

Gamma-Hydroxybuttersäure wurde in den 1960er-Jahren von dem französischen Anästhesisten Henri Laborit synthetisiert und als GABA-Verwandter pharmakologisch untersucht. Sie wurde zeitweise als Narkosemittel, Schlafmittel und in der Behandlung von Narkolepsie eingesetzt. Die Symptome dieser Krankheit zeigen sich in einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit. Wegen des engen therapeutischen Fensters und schwerer Nebenwirkungen setzte sich GHB in der breiten medizinischen Praxis jedoch nicht durch. Medizinisch wird Natriumoxybat heute noch in einigen Ländern unter strengen Auflagen zur Behandlung bestimmter Formen der Narkolepsie eingesetzt.

In den 1980er- und 1990er-Jahren verbreitete sich GHB in der Freizeit und Bodybuilding-Szene. Aufgrund seiner enthemmenden, euphorisierenden und sedierenden Wirkungen wurde es in Clubs konsumiert und irreführend als „Liquid Ecstasy“ bezeichnet. Vergiftungsfälle und Berichte über die Verwendung als sogenannte „K.O.-Tropfen“ führten international zur strengen Regulierung der Substanz.


Wirkung auf den menschlichen Körper

Pharmakologisch wirkt GHB an spezifischen GHB-Rezeptoren und als schwacher bis moderater Agonist am GABAB-Rezeptor. Die Wirkung ist zentral dämpfend. In niedrigen bis mittleren Dosen berichten Konsumenten von Entspannung, Angstreduktion, gesteigerter Kontaktfreudigkeit und leichter Euphorie. Häufig treten zudem Veränderungen der Sexualerregung auf. Körperlich können Schwindel, Übelkeit, Blutdruckschwankungen und Muskelschwäche auftreten. Das therapeutische Fenster ist sehr eng: Schon geringfügig höhere Dosen können zu starker Schläfrigkeit und Sedierung, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und lebensbedrohlicher Atemdepression führen. Besonders gefährlich ist die Kombination mit anderen zentral dämpfenden Stoffen wie Alkohol, Benzodiazepinen oder Opioiden. Bei regelmäßigem, hochdosiertem Konsum kann GHB zu starker psychischer und physischer Abhängigkeit führen. Der Entzug ist schwer und kann Halluzinationen, Krampfanfälle und vegetative Entgleisungen hervorrufen, weshalb er oft nur stationär behandelt werden kann.


Bilder

GHB, GHB-Natriumsalz, GBL
Lupe
KI-Foto: GHB (links), GHB-Natriumsalz (Mitte), GBL (rechts)

Bemerkung: Ein KI-Foto zeigt nicht den echten Stoff, sondern eine idealisierte Form.


Literaturquellen

Berger, Markus: Psychoaktive Drogen, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2017
Falbe/Regitz (Hg.): Römpp Chemielexikon, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York 1992
Köhler, Thomas: Rauschdrogen und andere psychotrope Substanzen, dgvtVerlag, Tübingen 2014
Schmidbauer, Wolfgang und vom Scheidt, Jürgen: Handbuch der Rauschdrogen, Fischer, München 2003
World Health Organization: Gammahydroxybutyric acid (GHB), Critical Review Report, Genf 2012

Hinweis: ChatGPT wurde als digitaler Assistent verwendet, der Text wurde vollständig redaktionell bearbeitet.
© Thomas Seilnacht / Benutzerhandbuch / Lizenz / Impressum / KI-Erklärung / Datenschutz