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Wachstumsformen der Quarze
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Quarz kristallisiert im trigonalen Kristallsystem. Die bei dem Herkimerquarz (Bild 1) und dem Morionquarz (Bild 2) senkrechten Achsen kommen bei einer Drehung dreimal zur Deckung (unter Vernachlässigung der Verzerrungen). Die Tracht eines Quarzkristalls setzt sich aus einer Kombination mehrerer Grundformen zusammen. Die (auf den Bildern) senkrechten Fläche entsprechen dem Prisma, die größeren schrägen Flächen der Kristallspitze sind in der Regel dem Rhomboeder zuzuordnen.
 

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Bild 1
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Bild 2
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Bild 3
 
Sind diese Rhomboederflächen besonders steil, spricht man von einem "Tessiner Habitus" wie bei der Stufe auf Bild 3 aus Serifos. Trapezoederflächen finden sich an einem Quarzkristall oft an den Ecken der Kristallspitzen. Die Bipyramide ist relativ selten zu sehen (Pfeil, Bild 4). Bei dieser Stufe tritt die eine Rhomboederfläche des linken Kristalls (dort wo der Lichtstrahl auftritt) übergroß auf. Man nennt diese Form auch Dauphiné-Habitus. Nadelquarz stellt einen langprismatischen Habitus dar, die Grundform des Prismas ist hier sehr langgezogen (Bild 5).
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Bild 4
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Bild 5
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Bild 6
 
Die Bergkristalle aus Brasilien zeigen gelegentlich Wachstumsanomalien, an denen die Dreh-Symmetrie der Kristalle zu erkennen sind. Die Grübchen auf Bild 6 sind nacht rechts offen und kennzeichnen den Bergkristall als Rechtsquarz.
 
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Bild 7
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Bild 8
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Bild 9
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Bild 10
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Bild 11
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Bild 12
 
Die Amethyste aus Boutenhouthoek/Südafrika zeigen eine große Formenvielfalt. Durch Baufehler entstehen viele einzelne Tochterkristalle. Man bezeichnet derartige Quarze auch als Sprossenquarze oder Artischockenquarze (Bild 7-9). Besonders ausgeprägtes Artischockenwachstum zeigen die Rauchquarze und Amethyste aus Namibia, z.B. aus der Stippelmann Mine (Bild 10). Von Dalnegorsk (Bild 11) und Cavnic (Bild 12) sind ebenfalls wunderschöne Artischockenaggregate bekannt.
  
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Bild 13
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Bild 14
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Bild 15
 
Relativ selten kommen Quarze auch als Stalaktit vor, z.B. bei dem Amethyst aus Boutenhouthoek auf Bild 13. Ein Querschnitt durch einen stalaktitischen Amethyst aus Brasilien zeigt Bild 14. Der Chalcedon, als besondere Quarzvarietät, setzt sich aus mikroskopisch kleinen Kriställchen zusammen und ist oft stalaktitisch ausgebildet (Bild 15 aus Marokko).
 
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Bild 16
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Bild 17
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Bild 18
 
Wächst auf einer ersten Generation an Kristallen - in Richtung längs der Hauptachse - eine zweite, junge Generation, erhält man sogenannte Zepterquarze. Die "Töchter" sind meist klarer als der Mutterkristall (Bild 16, Val Cavrein/Graubünden). Besonders schöne Zepter mit Amethysten kommen aus Vera Cruz in Mexiko (Bild 17) oder auch aus Gobobseb in Namibia (Bild 18). Beim zweiten Kristall von rechts in Bild 18 sitzt ein spezieller Zepter auf dem ursprünglichen Kristall. Diese "Tochter" ist kleiner als die "Mutter".
  
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Bild 19
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Bild 20
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Bild 21
 
Wird die kristallbildende Lösung in einer Kluft zu stark übersättigt, führt dies zu einem übermäßigen Wachstum der Kanten und Rahmen an einem Kristall. Man bezeichnet solche Quarze als Skelettquarze. In Zeiten, in der die Übersättigung in der Lösung nicht so stark ist, werden die tieferen Stellen mit Anwachslamellen überdeckt und es entsteht der typische "Fensterquarz" (Bild 19). Die berühmteste Fundstelle dafür ist das Val d'Illiez in der Schweiz (Bild 19 und 20). Aufgrund der Wachstumsbedingungen kommen die Fensterquarze oft in Kombination mit dem Zepterwachstum oder auch als "Artischockenquarz" vor (Bild 20). Bei Sammlern besonders begehrt sind auch Sternquarze oder Quarzigel, die aus einem körnigen Kristallkeim radialstrahlig wachsen (Stufe aus Peru, Bild 21).
 
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Bild 22
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Bild 23
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Bild 24
 
Ein "Fadenquarz" entsteht, wenn während des Kristallwachstums ein Kluftriss auftritt. Durch das Auseinandertriften der Kluft entsteht im Kristall ein Riss, der immer wieder ausheilt. Der Faden wächst in der Richtung wie die Kluft auseinandertriftet. Dieser Faden ist auf Bild 22 bei der Stufe vom Piz Beverin/Graubünden gut zu sehen. Kann die Öffnung nicht schnell genug durch die Kristallbildung gefüllt werden, entsteht ein stengeliger Fadenquarz (Bild 23, später ist auf den Fadenquarz-Stengel dann sogar noch ein Doppelender aufgewachsen). Verschiebt sich während des Aufreißens der Kluft die eine Seite, entstehen geknickte Fadenquarze (unterer Teil von Bild 24).
 
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Bild 25
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Bild 26
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Bild 27
 
Die gewöhnlichen Quarze der Alpen - z.B. auf Bild 25 bei dem Rauchquarz aus dem Val Cavrein - zeigen oft einen Mosaikaufbau im Kristallgitter, der an den Streifungen der größeren Kristallflächen gut erkennbar ist (siehe Pfeil). Es handelt sich dabei um geringfügige Störungen im Kristallwachstum. Diese Quarze der Alpen nennt man Friedländerquarze. Wachsen die Kristalle längs einer Nebenachse und werden sie während dem Wachstum etwas gedreht oder gestreckt, erhält man einen Gwindel (Gwindel aus Graubünden, gefunden von Jakob Kindlimann, Bild 26, siehe auch Bild unten). Es handelt sich dabei um tafelige Kristalle, bei denen die Kanten verschmolzen sind. Die Ursachen für die Drehungen im Kristall eines Gwindels (Gwindel vom Ural, Bild 27) sind bis heute nicht schlüssig erklärt worden.
 
 
 
Jakob Kindlimann vor seiner Kluft in Graubünden, vgl. Bild 26
 
 
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