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Calcit, das formenreichste Mineral


LupeSkalenoeder aus Dalnegorsk

LupeRhomboeder aus Tsumeb


Der Calcit ist aus Calciumcarbonat aufgebaut. In einem Calcitkristall sind zweifach positiv geladene Ca2+-Kationen und zweifach negativ geladene Carbonat-Anionen CO32− in einem Kristallgitter angeordnet. Es hängt von der Größe der Kationen ab, welche Kristallstruktur sich bildet:
 
 
Ionen Kation Radius in Angström Kristallsystem Beispiele
Magnesium Mg2+ 0,66 trigonal Magnesit
Eisen Fe2+ 0,74 trigonal Siderit
Mangan Mn2+ 0,80 trigonal Rhodochrosit
Calcium Ca2+ 0,99 trigonal und rhombisch Calcit und Aragonit
Strontium Sr2+ 1,12 rhombisch Strontianit
Blei Pb2+ 1,20 rhombisch Cerussit
Barium Ba2+ 1,34 rhombisch Witherit
 
 
Die Calcium-Ionen sind die einzigen, die nach beiden Kristallsystemen auskristallisieren können: Beim Calcit nach dem trigonalen System, beim Aragonit nach den rhombischen. Dies ist eine Erklärung für die Formenvielfalt des Calciumcarbonats.
  
 
Das Basis-Pinakoid
  
Die Form der Calcitkristalle wird durch das trigonale Kristallsystem bestimmt. Bei der ersten Form handelt es sich um eine offene, die alleine für sich gesehen nicht existiert. Erst die Mischung, biespielsweise mit dem Prisma (siehe unten) ergibt ein geschlossenes Kristall.

Prisma
  
Auch das Prisma ist eine offene Form des trigonalen Kristallsystems. Das trigonale System kann im Vergleich zum hexagonalen System als ein System "höherer Symmetrie" verstanden werden: Zwei gleiche Flächen stehen sich im geschlossenen Kristall parallel gegenüber. 

Rhomboeder   
  
Die Rhomboeder kommen in verschiedener Steilheit vor, außerdem unterscheidet man zwischen "positivem" und "negativem" Hauptrhomboeder, was durch die Lage der Flächen im Verhältnis zum gedachten Achsenkreuz bestimmt wird. Im Rhomboeder kommen zwei verschiedene Winkel vor: 75° und 105°. Beim Zerschlagen von Calciten spalten sich die Bruchstücke immer in der Form des Rhomboeders.
   
 
Skalenoeder    
  
Skalenoeder zeigen nach oben und nach unten sechs ungleichseitige Dreiecke, die an den Kanten miteinander verbunden sind. Auch im Skalenoeder stehen sich wie im Rhomboeder immer zwei Flächen parallel gegenüber. 
 

Die Beispiele zeigen, wie die Mischung der verschiedenen Formen eine Vielzahl von Kristallen mit unterschiedlicher Tracht ergeben. Diese Formen kommen beispielsweise auch beim Rhodochrosit vor.


Basis-Pinakoid c
und Prisma m

Prisma m
und Rhomboeder q
Skalenoeder s
und Rhomboeder q


Als Kanonenspat bezeichnet man Calcitkristalle, die aus einem langgezogenen Prisma m aufgebaut sind. Dieses ist am Ende oft mit einem Rhomboeder q kombiniert. So ergibt sich eine Form, die an das hexagonale System erinnert. Bei den Calciten sind die Skalenoeder s oft am Ende abgeflacht. Ursache ist ein Rhomboeder q, das diese Tracht bildet. Papierspat besteht aus dünnem, blättrigen Calcit.


Kanonenspat
LupeKanonenspat aus der Sweetwater Mine:
Prismatisch-rhomboedrische Kristalle

LupeTypische Tracht aus Durlinsdorf:
Skalenoeder mit rhomboedrischer Verflachung


LupePapierspat aus Dalnegorsk:
dünne, blättrige Kristalle

Lupe Historische Stufe aus St. Andreasberg:
Prismatischer Calcit


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