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Kristallsysteme
bei Mineralien
Thomas
Seilnacht
Einführung
Viele
Mineralien lassen sich anhand ihrer Kristallformen erkennen. Es ist immer
wieder faszinierend zu beobachten, mit welcher Symmetrie die Kristalle
gewachsen sind. Bei vielen Kristallen fallen auch die ebenen Kristallflächen
auf. So erscheint ein natürlich gewachsener und gut ausgebildeter
Bergkristall auf den Flächen wie angeschliffen. Die Mineralien und
ihre Kristalle lassen sich aufgrund ihrer Achsen und deren zueinander stehenden
Winkeln in 7 verschiedene Kristallsysteme
einteilen (siehe oben). Die Buchstabensymbole für die charakteristischen
Flächen einer Form orientieren sich an Danas "System of Mineralogy".
Erst die Kombination von sogenannten offenen Formen, ergibt eine geschlossene
Form (vgl. Kristallformen beim Calcit).
Die äußere
Form eines Kristalls, die Gesamtheit aller entwickelten Formen an einem
Kristall nennt man Tracht.
Diese kann aus einer einzigen oder aus einer Kombination mehrerer Grundformen
bestehen. Bei den Abbildungen oben wurde eine Tracht im kubischen Kristallsystem
aus Würfel und Oktaeder beim Pyrit gebildet.
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Grundform Würfel
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Grundform Oktaeder
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Würfel (a)
+ Oktaeder (o)
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Die
Größenverhältnisse der Kristallformen bilden den sogenannten
Habitus eines
Kristalls. Im folgenden Beispiel nimmt die oben beschriebene Tracht einmal
einen eher hexaedrischen, würfeligen Habitus und im zweiten Fall einen
eher oktaedrischen Habitus an:
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würfeliger Habitus
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oktaedrischer Habitus
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Der
Habitus kann sich auch nach der Länge einer Achse richten. Beim folgenden
Beispiel ist der Habitus im tetragonalen Kristallsystem nach der c-Achse
gerichtet. Von einem tafeligen Habitus spricht man, wenn die c-Achse ganz
abgeflacht ist, beim prismatischen Habitus ist der Kristall auf der c-Achse
in die Länge gezogen, was beim nadeligen Habitus noch viel mehr ausgeprägt
ist:
Habitus (von links):
tafelig, prismatisch, nadelig
Sind die Kristalle nach
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verwachsen und bilden die Verwachsungen
eine höhere Symmetrie spricht man von Zwillingen.
Verwachsungen zwischen Kristallen ohne höhere Gesetzmäßigkeiten
werden als Aggregate bezeichnet. Tracht und
Habitus sind oft typisch für bestimmte Fundorte. Sie hängen im
wesentlichen von den Wachstumsbedingungen der Umgebung ab. Dabei spielen
beispielsweise Druck, Temperatur und Verunreinigungen eine Rolle.
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Tafeliges
Aggregat beim Baryt
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Nadeliges
Aggregat beim Goethit
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Blättrige Aggregate
sind plattenförmig, manchmal sind die Plättchen auch biegbar,
beispielsweise beim Muskovitglimmer oder beim
Lepidolithglimmer. Die geschichtete Kristallstruktur
der Silicat-Kristalle ist dafür die Ursache. Bei radialstrahligen
Aggregaten geht das Kristallwachstum kreisförmig von einem Punkt aus.
Derartige Formen sind typisch beim Antimonit
oder beim Epidot.
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Blättriges
Aggregat beim Muskovit
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Radialstrahliges
Aggregat beim Antimonit
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Kristalle mit gekrümmten
Flächen entstehen durch Druck, beispielsweise beim Gips.
Als Gwindel werden verwachsene Kristallaggregate
beim Quarz bezeichnet, deren Flächen leicht
verbogen sind. Vorübergehende Wachstumsstillstände sind in durchsichtigen
Kristallen als Phantome sichtbar.
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Rauchquarz-Gwindel
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Phantombildung
beim Calcit
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In den Hohlräumen
von Kristalldrusen wachsen Kristalle ohne
besondere Gesetzmäßigkeiten. Geoden
sind mit Kristallen ausgekleidete Hohlräume, die im vulkanischen Gestein
als ehemalige Gasblasen entstanden sind. Manche Kristalle zeigen auf ihren
Flächen Streifungen oder Wachstumsanomalien, so auch beim Pyrit.
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Calcitdruse
aus Marokko
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Achatgeode
aus Idar Oberstein
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