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Schellack
 
Schellack ist ein Produkt, das bestimmte Schildlaussorten herstellen. Sie nehmen Pflanzensaft auf und verarbeiten diesen zu einer harzigen Masse, die sie ausschwitzen. Schellack ist in Benzin und Terpentinöl nicht löslich, in Alkohol, organischen Säuren und wässrigen Alkalien löst er sich gut. Filmartige Überzüge glänzen stark, sie sind zäh und haften gut. Der Schmelzpunkt liegt im Bereich zwischen 65° und 85° Celsius. Als Bestandteile kommen Hyroxycarbonsäuren wie Aleuritinsäure oder Shellolsäure vor. Die Säuren sind ungesättigt, sie enthalten Aldehydgruppen oder liegen in veresterter Form vor.
  
 
Geschichte Gewinnung Rezepte Bindemittel Portraits
   
Geschichte und Verwendung
Das Wort Schellack leitet sich vom Niederländischen Schellak (Schuppe) ab. Schellack wird seit langem schon in Indien und Thailand gewonnen. Früher diente er zur Herstellung von Siegellack für Urkunden und Briefe, als Abschlussfirnis für Ölgemälde, als Politur für helle Hölzer, als Kitt oder in Borax gelöst als extrem beständige Tinte. Von 1900 bis in die 1960iger Jahre war er für die Herstellung von Schallplatten, den Schellackplatten, von großer Bedeutung. Farben und Lacke auf Schellackbasis sind heute immer noch weit verbreitet. Beim Vergolden oder Versilbern bildet ein Überzug aus Schellack einen Schutz. Schellackpolituren dienen zur Restaurierung und Pflege von Möbeln. Schellack ist als Überzugsmittel für Schokolade oder Kaugummi zugelassen (E 904), ebenso in der Medizin für die Beschichtung von Tabletten und Kapseln. Der Geigen- und Zupfinstrumentenbau benötigt ihn für die Lackherstellung. Da Schellack mit heller Flamme brennt, eignet er sich als Zusatz in bengalischen Feuern. Die Naturkosmetik setzt ihn für Haarsprays ein. Darüber hinaus kommt er als Klebemittel in zahlreichen Anwendungen vor, beispielsweise in Zigaretten oder in Perlenketten.
   
Gewinnung
Auf den jungen, saftreichen Trieben der Pappelfeigen lebt die Lackschildlaus Kerria lacca. Die Schildläuse ernähren sich von dem Pflanzensaft des Baumes. Bei der Verdauung produzieren die weiblichen Läuse ein Harz, das sie allmählich ganz umhüllt. In dieser Schutzblase aus Harz kommen die jungen Schildläuse zur Welt. Die Mutter stirbt in ihrem Gehäuse und die jungen Läuse bohren sich ins Freie. Zur Schellackgewinnung werden die Zweige abgeschnitten, das Harz wird von den Blättern und vom Holz getrennt. Das Produkt wird mehrfach gewaschen, umgeschmolzen und zu einer dünnen Haut ausgezogen. Nach dem Trocknen zerbricht die Haut und man erhält den Blätterschellack. Der dunkelrote Rubinschellack (siehe Bild oben) ist genauso wie der gelbe Lemonschellack eine natürliche Sorte. Die hellen und wachsfreien Sorten aus Indien eignen sich für die Farben- und Lackindustrie am besten. Da selbst die hellen Sorten aber immer noch zu viel Farbe aufweisen, wird der Schellack meist nachgebleicht. Während ungebleichter Schellack als weitgehend unbedenklich gilt, sind chlorgebleichte Sorten für medizinische Zwecke und in Lebensmitteln nicht zugelassen. Für ein Kilogramm Schellack benötigt man mehr als 300000 Lackschildläuse. 
  
 
Gelber Lemonschellack
 
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 Lemonschellack ist eine relativ helle, natürliche Sorte aus Indien.
 
   
Infos/Rezepte
Eine 5-10%ige Lösung von gebleichtem Schellack in Brennsprit eignet sich zum Isolieren des Maluntergrundes oder als Sprühlack zum Fixieren von Kreide-, Kohle- oder Bleistiftzeichnungen. Rührt man Schellackblätter in eine alkalische Boraxlösung, erhält man eine wasserlösliche Schellackseife, die als Bindemittel geeignet ist. Mit Borax sollte allerdings aufgrund der fruchtschädigenden Wirkung nicht an Schulen gearbeitet werden.
   
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