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Kolophonium
 
Kolophonium ist der harzige Rückstand, der bei der Terpentinölgewinnung aus dem Balsam von Kiefern übrig bleibt. Die Farbe des Harzes ist variabel, sie kann von ganz hellgelb über rotbraun bis ganz dunkel schwanken. Das Harz splittert gerne und ist glasklar, es löst sich gut in Alkohol oder Benzin. Kolophonium enthält ein Gemisch an verschiedenen Harzsäuren wie Pimarsäure oder Abietinsäure. In dunklen Sorten kommen Oxysäuren und Kolophonsäuren vor. Darüber hinaus findet man Protecatechusäure, Bitterstoffe, Ether und Laktone. Kolophonium ist zwar ein Naturstoff, aber der Hautkontakt kann Allergien auslösen.
  
 
Geschichte Gewinnung Sicherheit Bindemittel Portraits
   
Geschichte und Verwendung
Das Harz Kolophonium ist nach der lydischen Stadt Kolophon benannt. Die Stadt am Mittelmeer (heutige Türkei) war einst das Handelszentrum für das begehrte Harz. Im alten Byzanz war es neben Erdöl oder Asphalt und Schwefel Bestandteil des Griechischen Feuers. Byzanz konnte mit Hilfe dieser Brandwaffe die Belagerung durch die Araber in den Jahren 674 bis 678 abwehren. Die Waffe sicherte danach den Byzantinern die Seeherrschaft über mehrere Jahrhunderte. Kolophonium eignet sich auch als Räucherwerk und ist ein historischer Kleb- und Füllstoff. Beim Schlachten wurde das Harz traditionell zum Enthaaren von Schweinen und zum Entfernen von Federn eingesetzt. Heute wird das Kolophonium hauptsächlich in China, Russland und den USA produziert.  
  
Mit dem Aufkommen der Elektronik diente es als Flussmittel beim Weichlöten, heute ist diese Anwendung nicht mehr üblich. Für die klassische Musik ist es aber immer noch unersetzlich: Mit Hilfe eines Stücks Kolophonium werden die Rosshaare von Saiteninstrumenten eingestrichen, so dass die Saiten beim Streichen mit einem Bogen Schwingungen erzeugen. Beim Klettern verbessert es die Haftung, wenn die Hände eingerieben werden. Die Verwendung in Lacken ist eingeschränkt, da das Harz relativ spröde ist. Man findet es überwiegend in Lacken auf Naturharzbasis. Kolophonium eignet sich in Farben als Sikkativ zum Beschleunigen des Trocknungsprozesses. Der heute bedeutendste Verwendungszweck ist der Einsatz als Rohstoff der chemischen Industrie für die Herstellung von Klebstoffen und Alkydharzen.
   
Gewinnung
Erhitzt man Kiefernbalsame im geschlossenen Behälter auf über 100°C destillieren Wasser und Terpentinöl ab, während das Kolophonium als glasartiges Harz im Rückstand verbleibt. Eine andere Herstellungsmöglichkeit wäre die Extraktion als Wurzelharz aus dem Wurzelholz. Außerdem entsteht es als Nebenprodukt der Papierindustrie bei der Sulfatzellstoffkochung. 
 
 
Kolophonium Stücke
 
 

Die Farbe des Kolophoniums richtet sich nach der Temperatur bei der Destillation.
 
   
Sicherheit
Da Kolophonium ein starkes Kontaktallergen ist, wird ein experimenteller Einsatz an Schulen nicht empfohlen. Es kann Ekzeme und athmatische Anfälle auslösen. Das Einatmen der Stäube ist zu vermeiden. Beim Abschleifen von alten Lacken ist eine Feinstaubmaske notwendig. Beim Lackieren mit kolophoniumhaltigen Produkten wird das Tragen von Schutzhandschuhen empfohlen.
   
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