Bleiweiß
ist eines der ältesten, künstlich hergestellten Pigmente. Schon
der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrast (371- 287 v.Chr.)
beschrieb die Herstellung und Verwendung des Psimmythium. Der römische
Gelehrte Plinius (23-79) nannte es cerussa. Nach diesem lateinischen
Wort ist das Bleimineral Cerussit
benannt. Die Araber führten Bleiweiß nach der Eroberung Persiens
aus Isfahan ein. In den mittelalterlichen Sammlungen des Lucca-Manuskriptes
wird eine Herstellungsverfahren beschrieben, das bereits der Herstellung
nach dem Holländischen Verfahren in Rotterdam um 1650 ähnlich
war. Später stellte man in der kleinen österreichischen Stadt
Krems und ab 1765 auch in Klagenfurt Kremserweiß her. Dieses Bleiweiß
war von besserer Qualität und wurde wegen seiner brillanten, weißen
Farbe von Kunstmalern sehr geschätzt. Kremserweiß wurde oft
auch mit Mohnöl angerieben. Das um 1839 in Eisenach erstmals angewandte
Kammerverfahren ermöglichte die Produktion im großindustriellen
Maßstab.
In der Antike und auch
im Mittelalter war Bleiweiß in Schminke zur Aufhellung der Haut enthalten.
Bis ins 19. Jahrhundert galt Bleiweiß als das wichtigste Weißpigment
für wasserlösliche und ölhaltige Farben. Das schon bekannte
Barytweiß (Bariumsulfat aus Baryt) stellte für Ölfarben
keinen Ersatz dar, da es in Öl nur wenig Deckkraft besitzt. Trotzdem
waren im Handel gestreckte Produkte erhältlich. Hamburger Weiß,
Holländisches Weiß oder Venezianisches Weiß enthielten
unterschiedliche Anteile von Barytweiß als Beimischung. Praktisch
alle Künstler bis zum 19. Jahrhundert setzten Bleiweiß ein.
Es war bei den Impressionisten beliebt, es lässt
sich aber auch bei Gemälden von Leonardo da Vinci, Rubens, Rembrandt
oder Vermeer nachweisen.
|
Vincent van Gogh:
Selbstportrait gewidmet Paul Gauguin (1888)
|
|
|
Beim grünen Hintergrund
hellte van Gogh Schweinfurtergrün mit Bleiweiß auf.
|
Die hohe toxische Wirkung
des Pigments war schon in der Antike bekannt. In den deutschen Fabriken
der Bleiweißindustrie des 19. Jahrhunderts war ein hoher Anteil der
Arbeiter krank. Mit der Verordnung vom 12. April 1886 schrieb die Reichsregierung
zahlreiche Bestimmungen zum Arbeitsschutz vor. Sie regelte die Staub- und
Gasemissionen, die Arbeiter mussten regelmäßig ärztlich
untersucht werden, außerdem durften Frauen und Kinder in den problematischen
Räumen nicht mehr arbeiten.
Um 1850 erfolgte erstmals
die industrielle Produktion von Zinkweiß.
Dieses löste das giftige Bleipigment zunehmend ab. Das um 1938 entwickelte
Verfahren nach Kroll ermöglichte die industrielle Produktion von reinem
Titan und damit auch von Titanweiß. Heute
ist dieses das von Künstlern am häufigsten eingesetzte Weißpigment.
Bis zu seinem EU-Verbot im Jahre 1989 wurde Bleiweiß für weiße
Schutzanstriche in Außenfarben und Gartenzäunen eingesetzt.
Es diente als Korrosionsschutz und wirkte gleichzeitig als Fungizid und
Insektizid. Zum Restaurieren von alten Gemälden und im Denkmalschutz
darf es noch unter bestimmten Auflagen eingesetzt werden. |