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Didaktischer Kommentar
Thomas Seilnacht
  
Das Werk Chemie und Ökologie stellt an ausgewählten Themen wesentliche ökologische Problematiken dar, die sich beim Umgang mit chemischen Stoffen ergeben. Für den Chemieunterricht kann das Werk so eingesetzt werden:
  • Erstellen und Halten eines Referats
  • Gestalten eines Plakats oder Anfertigen eines Modells
  • Projekte anregen
  • Konkrete Arbeitsaufgaben und Fragen stellen
Für Schülerinnen und Schüler ist ein Merkblatt zur Durchführung von Referaten ausgearbeitet. Ein Projekt, das Gruppenarbeit zulässt, könnte so organisiert werden: Nachdem die Lehrkraft ihre Vorgaben und Erwartungen transparent und die grundlegenden Organisationsformen plausibel gemacht hat, erhalten die Schüler mindestens eine Woche Bedenkfrist, um Arbeitsgruppen zu bilden und sich für ein Thema aus einem vorgelegten Themenkatalog oder in freier Wahl zu entscheiden. Wie flexibel die Gruppenwahl und die Auswahl des Themas gehandhabt wird, hängt von der jeweiligen Lehrperson ab. Es sind durchaus Gruppen bis zu einer maximalen Größe von vier Schülern denkbar, wenn sie ein konkretes Ziel verfolgen. Auch abweichende Themen sind möglich, wenn die Gruppen bereits eigene Vorstellungen entwickelt haben. 

Besonders die Vorbereitungsstunden sollten sorgfältig geplant werden, sie machen zeitlich einen wesentlichen Anteil an der gesamten Einheit aus. Ein Zeitplan könnte folgendermaßen aussehen 
  

1. Teil: Einführung 
 
1. + 2. Stunde: Einführungsstunden zur Hinführung auf die Problematik 
3. Stunde: Vorgaben und Erwartungen der Lehrer, Organisation der Einheit 
4. Stunde:Wie halte ich einen interessanten Vortrag? (evt. im Fach Deutsch) 
5. Stunde: Festlegung der Gruppen und der Themen
6. Stunde: Materialsuche
7. Stunde: Entwürfe zur Erstellung eines Plakats oder einer Modells 
8. + 9. Stunde: Anfertigung eines Plakats oder eines Modells 
10. Stunde: Entwurf der Einstiegsphase im Vortrag 
11. + 12. Stunde: Entwurf des Vortrags (Reinfassung zu Hause!) 
13. Stunde: Überarbeitung und Probe 

2. Teil: Präsentation 
  
ab 14. Stunde: Vorträge der einzelnen Gruppen 

3. Teil: Rückbesinnung, Ausstellungen, usw. 
  
mindestens 1 Stunde: Sprechen über die Ergebnisse


In die Vorträge können auch Experimente mit einbezogen werden. Manchmal ist es sinnvoll, wenn nur eine bestimmte, sinnvolle Auswahl der Gruppen ihren Vortrag vor der Klasse halten, die anderen legen dann ihr schriftliches Referat vor und präsentieren die Plakate oder Modelle. Wichtig ist jedoch, dass den Schülern der Zeitplan bekannt ist oder dass sie einen eigenen Zeitplan über ihre Vorhaben aufstellen und vorlegen. Auf jeden Fall sollten die Schüler genügend Unterrichtsstunden für die Vorbereitung erhalten. Was die Gruppen nicht innerhalb des vorliegenden Zeitplanes innerhalb der Unterrichtsstunden erreichen, müssen sie zu Hause erarbeiten. 
  
Wie die Schüler ihr Ziel erreichen ist zweitrangig, dass sie das Ziel erreichen - oder zu erreichen versuchen - ist wesentlich. Aus meiner Erfahrung gibt es immer wieder Gruppen, die in den Vorbereitungsstunden scheinbar wenig Ergebnisse vorzeigen können und plötzlich (vielleicht nach den Weihnachts- oder Osterferien) eine phantastische Arbeit vorlegen. Diese Art des Weges wird vielleicht von vielen Lehrern abgelehnt, ist aber nach meiner Meinung wünschenswert. Wir müssen uns von der unsinnigen Vorstellung freimachen, dass jede Unterrichtsstunde unbedingt ein Ergebnis für alle vorweisen muss. Lernprozesse sind im wesentlichen diskontinuierlich. Leider offenbart der Frontalunterricht die Diskontinuität nicht, weil es sich während seines Ablaufes wunderbar ausschlafen lässt, ohne dass die Lehrer es merken. Es gibt Schüler, die den Frontalunterricht lieber mögen, als die hier vorgestellte Unterrichtsform, weil der Betrug in diesem Fall offenkundig wird. Hier ist nicht nur ein Umdenken bei den Lehrern notwendig, sondern auch bei den Schülern. 
  
  
Beurteilung der Ergebnisse 

Ein Vergleichsmaßstab zu finden, ist äußerst schwierig, da die Ergebnisse erfahrungsgemäß völlig unterschiedlich ausfallen. Spätestens hier zeigt sich der Vorteil des Anbietens mehrerer Alternativen (Plakat, Modell, Experiment, schriftliches Referat, Vortrag). Weniger redegewandte Schüler werden vielleicht ein ausgezeichnetes, schriftlich verfasstes Referat abliefern, handwerklich begabte Schüler bauen ein perfektes Funktionsmodell, künstlerisch orientierte Schüler zeichnen ein graphisch anspruchsvolles Plakat und nur ganz selten erreicht eine Gruppe in allen Bereichen Perfektion. 

Die Schule und die Gesellschaft muss anerkennen, dass das Wesen des Menschen individuell und einzigartig ist. In einer Klasse sind niemals dreißig gleiche Schüler mit dem gleichen Entwicklungsstand, mit den gleichen Fähigkeiten und mit der gleichen Lerntechnik oder -geschwindigkeit. Die Schule sollte jedoch eine Vielfalt an Möglichkeiten für Schüler unterschiedlichster Art zugänglich machen, damit alle die gleiche Chance erhalten, ihre eigenen, individuellen Möglichkeiten zur Entfaltung zu bringen und zu nutzen. Insofern kann dieses kurz angerissene Unterrichtsmodell nur eine Alternative unter vielen anderen Möglichkeiten darstellen. 


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