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Doch nach dem heuten Wissensstand reicht diese Definition eines Giftes nicht mehr aus. Chronische Vergiftungen sind besonders heimtückisch, da sie erst schädlich wirken, wenn sie über einen längeren Zeitraum in kleineren Mengen aufgenommen werden, so dass vorerst keine akuten Symptome auftreten. Manche in höheren Dosen giftige Stoffe wirken in geringer Konzentration sogar heilsam, so auch bei den Heilkräutern. Sobald jedoch eine bestimmte Menge überschritten wird, können sie schädlich wirken. Dies gilt auch für die meisten Medikamente. Aus England ist ein Fall bekannt, bei dem eine Frau 15 Liter Wasser trank und an den Folgen einer Wasseraufschwemmung im Gehirn starb. Auch Kochsalz kann in größeren Mengen tödlich wirken. Bei den heutigen Substanzen und der dadurch verursachten Umweltprobleme kommt jedoch als Problem hinzu, dass sie sich im Körper allmählich anreichern. Insofern spielt nicht nur die Dosis, sondern auch der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Letale Dosis Die letale Dosis (LD) gibt an, in welchen Mengen ein Stoff tödlich wirkt. LD50 bedeutet, dass die tödliche Wirkung bei 50% der Personen verursacht wird. Die Angabe erfolgt in Milligramm (mg) pro Kilogramm Körpergewicht. Damit der Wert aussagekräftig ist, muss hinzugefügt werden, für welches Lebewesen die Wirkung gilt. Oft bezieht sich der Wert nur für Ergebnisse aus dem Tierversuch mit einer Maus oder einer Ratte. Die Ergebnisse lassen sich in den meisten Fällen nicht auf den Menschen übertragen. Für junge oder besonders sensible Menschen ist der Wert oft nicht aussagekräftig genug, da sie wesentlich empfindlicher reagieren. Der Wert LDLo gibt die niedrigste bekannte tödliche Dosis an. Die angegebenen Werte für den Menschen sind von bekannten Vergiftungsfällen abgeleitet. Die Ermittlung von Werten aus Tierversuchen ist aus ethischen Gründen umstritten. Exposition Die Exposition, der Kontakt mit dem Gift, kann unterschiedlich erfolgen:
Quellen 1 ChemIDplus (USA) 2 Umgerechnet aus dem aufgeführten LD50-Wert im Tierversuch, nur bedingt aussagekräftig. 3 Umgerechnet aus dem aufgeführten LDLo-Wert beim Menschen. 4 Schätzwert, Mutschler: Arzneimittelwirkungen gibt 3-6mg an. 5 Möglicherweise wirkt Dioxin bei Hunden toxischer als beim Menschen. Der AGW-Wert (Arbeitsplatzgrenzwert) Der Arbeitsplatzgrenzwert regelt, wie hoch die Konzentration bestimmter Stoffe in der Raumluft am Arbeitsplatz sein darf. Bei Einhaltung des Grenzwertes ist eine akute oder chronische Schädigung der Gesundheit am Arbeitsplatz bei einer zeitlich durchschnittlichen Konzentration des Stoffes in der Luft nicht zu erwarten. Der Wert wird in ppm angegeben. Wenn sich ein Milliliter eines Gases in einem Kubikmeter Luft befindet spricht man von einem ppm: ![]()
Quelle: Technische Regel für Gefahrstoffe GMBI Nr. 28 S. 605 geändert am 2.7.2009 veröffentlicht im Bundesarbeitsblatt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) Gifte in der Natur Manchmal
verwechseln Pilzsucher
einen Knollenblätterpilz mit einem essbaren
Champignon. Ein einziger
Knollenblätterpilz kann bereits tödlich wirken, in
Deutschland
sterben jährlich zwischen 40 und 60 Personen an
den Folgen einer Pilzvergiftung!
Der Blaue Eisenhut ist eine der giftigsten
Pflanzen Europas.
Viele Tiere verwenden Gifte zur Verteidigung oder zum Beutefang. Manche werden auch für den Menschen gefährlich. Bei den europäische Giftschlangen gelten die Aspisviper und die Kreuzotter als gefährlich. Der Biss der Kreuzotter führt allerdings nur in den seltensten Fällen zum Tode. Besonders gefährliche Giftschlangen sind die Kobra, die Klapperschlange oder die Mamba, deren Bisse tödlich wirken, wenn kein Anti-Serum verabreicht wird. Giftschlangen produzieren in einer Drüse ihr Gift, das in den Hohlraum der Giftzähne gepumpt wird. Sie greifen Menschen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Skorpione besitzen an ihrem Hinterende einen Giftstachel, mit dem sie auf Beutefang gehen oder sich bei Gefahr wehren. Besonders gefährlich ist der Stich des Sahara-Skorpions, der zum Tod führen kann. Nach kurzer Zeit treten starke Schmerzen und Schwellungen an der Stichstelle auf. Weitere Symptome sind Schweißausbrüche, Schaum vor dem Mund, starke Muskelkrämpfe und Pulsrasen. Das Nervengift führt nach wenigen Stunden zur Atemlähmung und zum Herzstillstand, wenn kein Antiserum durch einen Arzt verabreicht wird. Spinnen setzen ebenfalls Gifte zum Beutefang ein. Eine der gefährlichsten Spinnen ist die in Nord- und Südamerika beheimatete Schwarze Witwe, deren Biss tödlich wirken kann. Die Spinnen in Europa, wie die Kreuzspinne oder die italienische Tarantel sind absolut harmlos. Dies gilt auch für die manchmal in Bananenkisten verirrten Vogelspinnen. Problematischer wird jedoch die Begegnung mit einem Petermännchen. Dieser Fisch kommt in der Bretagne und an der Atlantikküste vor. Bei Ebbe gräbt er sich in den Sand ein und tarnt sich. Der Giftfisch besitzt auf seinen Rückenflossen Giftstacheln, welche er zu seiner Verteidigung einsetzt. Tritt man barfuß auf die Stacheln, kann dies sehr gefährlich werden. Das Gift wirkt als Nerven- und Herzgift. Vergiftete Personen schlagen wild um sich und benötigen so schnell wie möglich die Hilfe eines Arztes. Einheimische tauchen den betroffenen Fuß in heißes Wasser. Das Gift enthält ein hitzeempfindliches Eiweiß, das sich schon bei etwa 50°C zu zersetzen beginnt. Viele Vergiftungen führen zu bleibenden Herz- und Kreislaufschäden. Eines der gefährlichsten in Europa vorkommenden Tiere ist die Portugiesische Galeere, eine Qualle, die zur Familie der Feuerquallen gehört. Die Qualle zieht hinter sich bis zu 50 Meter lange Fangfäden her, die mit zahlreichen kleinen Nesselkapseln besetzt sind. Bei einer Berührung platzen die Kapseln, das austretende Gift gelangt auf die Haut und dringt über die Haut in den Körper ein, die Folgen sind Kreislaufzusammenbrüche und Bewusstseinsstörungen. Die Berührung mit den Fangfäden hat schon manchem Taucher oder Schwimmer das Leben gekostet. Die südamerikanischen Pfeilgift-Frösche sondern auf ihrer Haut ein giftiges Sekret ab. Die Indianer verwenden das so gewonnene Nervengift Dendrobatin zur Herstellung von giftigen Pfeilspitzen. Die
stärksten Gifte
der Natur produzieren die Bakterien. Derartige
Gifte nennt man auch Toxine.
Sobald Lebensmittel verderben, können sich
Botulinusbakterien vermehren.
Diese produzieren ein Toxin, das Botulinustoxin,
das als die giftigste
bekannte Substanz gilt. 1,5 Milliardstel Gramm
dieses Toxins wirken bereits
tödlich, das ist eine Menge, die nicht sichtbar
ist. Eine Vergiftungsgefahr
besteht vor allem dann, wenn Gemüse oder
Fleischkonserven selbst eingemacht
und nur einmal statt zweimal sterilisiert werden.
Bei jeder Vergiftung ist der Patient in eine stabile Seitenlage zu legen und so schnell wie möglich ein Arzt oder ein Giftinformationszentrum anzurufen. Der Arzt sollte sofort Informationen über die Art der Vergiftung erhalten. Als Sofortmaßnahme müssen die Atem- und Kreislauffunktionen unterstützt werden: stabile Seitenlage, künstliche Beatmung bei Atemstillstand und Herzmassage bei Herzstillstand. Danach muss das Gift, das sich noch nicht im Körperkreislauf befindet, entfernt werden. Das Herbeiführen von Erbrechen oder das Trinken von Wasser ist nicht bei jeder Vergiftung angebracht, daher darf nur ein Arzt die Notfallmassnahmen entscheiden. Ein Arzt kann eine Magenspülung vornehmen oder ein Gegengift verabreichen, das mit dem im Körper vorhandenen Gift eine chemische Reaktion eingeht und es in einen unschädlichen Stoff umwandelt. Bei bewusstlosen Patienten oder bei einer Vergiftung durch Benzin oder durch Waschmittel sollte kein Erbrechen ausgelöst werden. Vom Trinken von Salzwasser, von Alkohol oder von Milch ist auf jeden Fall abzuraten! Bei Schlangenbissen sollte der Betroffene ruhig liegen, ein Aussaugen und Abbinden der Wunde ist bei den meisten Schalngenbissen nicht wirksam. Entscheidend ist jedoch, dass so schnell wie möglich ein Gegengift verabreicht wird. Zur
Verhütung von
Vergiftungsunfällen sollten Arzneimittel,
alkoholhaltige Getränke,
Haushaltsreiniger, Chemikalien und
Pflanzenschutzmittel so aufbewahrt werden,
dass sie für Kinder unzugänglich sind. Auch eine
umweltbewusste
Lebensweise und Ernährung verhindert die Aufnahme
von Umweltgiften.
Je nach
Art des Giftes
kann jede Exposition, beispielsweise auch bei
Berührung mit der Haut,
tödlich wirken. Gifte wirken unterschiedlich.
Manche hemmen den Sauerstofftransport
im Blut (Nitrite, Kohlenstoffmonooxid,
Cyanide), andere stören den Stoffwechsel oder
zerstören wichtige
Zellfunktionen (Schwermetalle). Es existieren
Gifte, die den Zellkern in
der Zelle verändern, dabei kann es zu einer
Änderung der Erbanlagen
kommen (Mutation), die Folge sind Missbildungen
bei Embryos. Jede Mutation
kann auch Krebs auslösen.
Nach
dem GHS-System sind
solche Stoffe mit dem GHS-Piktogramm
"Gesundheitsgefahr" gekennzeichnet.
Die karzinogenen Stoffe (auch cancerogene Stoffe) werden nach der GHS-Einstufung wiederum nach Kategorien unterschieden: Kategorie 1A (erzeugen bekannterweise beim Menschen Krebs) Kategorie 1B (sind wahrscheinlich beim Menschen krebserzeugend) Kategorie 2 (stehen im Verdacht Krebs zu erzeugen) Beispiele: Kategorie 1A: Arsen(III)-oxid, Asbest, Benzol, verschiedene Holzstäube, Nitrosamine Kategorie 1B: Beryllium, Cadmium, Cobalt(II)-chlorid, Chromate (z.B. Kaliumdichromat), Kategorie 2: Anilin, Blei(II)-acetat, Formaldehyd, Halogenkohlenwasserstoffe wie Chloroform oder Tetrachlorkohlenstoff Die große Gefahr der CMR-Stoffe ist ihre heimtückische, chronische Wirkung. Die Symptome treten oft erst nach einer langjährigen Einnahme auf. Die Auswirkung kann nach einem einmaligen, kurzfristigen Kontakt erst nach vielen Jahren plötzlich zu Tage treten. Bei diesen Giften ist eine Ursachenfindung meist nicht mehr möglich. Letale Konzentration Bei der
ökotoxikologischen
Beurteilung eines Stoffes wird in der Regel die
letale Konzentration (LC)
angegeben. Es handelt sich um einen Wert, der die
tödlich wirkende
Stoffkonzentration in der Umgebung eines
Lebewesens - beispielsweise bei
einem Fisch im Wasser - angibt. Der Medianwert
gibt in etwa einen Anhaltspunkt,
wie umweltgefährlich ein Stoff in einem Gewässer
wirkt. Allerdings
schwanken die Werte je nach Tierart und
Bedingungen extrem, daher sind
diese Werte mit Vorsicht zu genießen.
Umweltgefährliche Stoffe "Stoffe oder Zubereitungen sind umweltgefährlich, wenn sie selbst oder ihre Umwandlungsprodukte geeignet sind, die Beschaffenheit des Naturhaushalts, von Wasser, Boden oder Luft, Klima, Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen derart zu verändern, dass dadurch sofort oder später Gefahren für die Umwelt herbeigeführt werden können." (Definition der Gefahrstoffverordnung) Derartige Stoffe können Ökosysteme in Gewässern stören oder zerstören. Sie dürfen keinesfalls in das Abwassersystem oder in den Naturkreislauf eingebracht werden. Zu den gewässergefährdenden Stoffen gehören beispielsweise Ammoniak, Kupferverbindungen wie Kupfer(II)-sulfat, Quecksilbersalze wie Quecksilber(II)-oxid oder Tetrachlorkohlenstoff. b) Gifte in der Umwelt als Folge der Umweltverschmutzung Der
Mensch produziert
die meisten ihm schädlichen Gifte selbst. Die
Umweltgifte als Folge
der Umweltverschmutzung sind besonders wegen ihrer
chronischen Wirkung
problematisch. Es ist nicht verwunderlich, dass
Krebserkrankungen oder
Allergien in den letzten Jahrzehnten sprunghaft
zugenommen haben. Es folgen
drei Beispiele:
Beide
Abgase sind starke
Atemgifte und sind für die Entstehung von Waldschäden
verantwortlich. Stickoxide sind maßgeblich an der
Bildung des krebserzeugenden
Atemgiftes Ozon unter
Zuhilfenahme des UV-Lichts
verantwortlich. Deshalb wird in den
Ballungsgebieten regelmäßig
im Sommer Ozonalarm gegeben.
![]() Das DDT ist in Europa zwar verboten, wird aber immer noch in der Dritten Welt, vor allem zur Eindämmung der Malariamücke eingesetzt. Durch den Wasserkreislauf verteilt es sich auf der ganzen Erde und ist selbst im Eis der Nordpols nachweisbar. Das Insektizid steht im Verdacht, krebserzeugend zu wirken und ist heute in fast jeder Muttermilch nachweisbar. Weitere Infos Chemikaliendatenbank Chemikalienrecht Demonstrationen zu den Gefahrstoffen Entsorgung von Chemikalien und Abfällen im Haushalt Literatur Altmann, Horst (2009): Giftpflanzen Gifttiere, München/Wien/Zürich CRC Handbook of Chemistry and Physics (diverse Auflagen) Daunderer, Max (2005): Gifte im Alltag, München Habermehl, Gerhard G. (1987): Gift-Tiere und ihre Waffen, Berlin/Heidelberg Mayer, Uli (1987); Rettet das Meer, München Mayr, Christoph (1995): Giftfibel, Giftstoffe aus der Tier- und Pflanzenwelt, Augsburg/Bozen Mutschler (2008): Arzneimittelwirkungen, Stuttgart Reichl, Franz-Xaver (2009): Taschenatlas der Toxikologie, Stuttgart Römpps Chemielexikon, verschiedene Auflagen Strubelt, Otfried (1996): Gifte in unserer Umwelt, Heidelberg Wilmes, A. (diverse Auflagen): Textbuch Chemische Substanzen Internet
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