Antimon Selen  Polonium Iod  
 Tellur                                               52Te
 engl. tellurium; lat. tellus, bzw. telluris ("Planet Erde")
 
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Relat. Atommasse   
Ordnungszahl    
Schmelzpunkt    
Siedepunkt    
Oxidationszahlen     
Dichte    
Härte (Mohs)     
Elektronegativität    
Elektronenkonfig.   
Natürl. Häufigkeit  
  
Physikalische Daten: 
metallische Modifikation 
  
  
  
 
127,60    
52    
449,5 °C    
988 °C    
6, 4, 2, -2    
6,25 g/cm³   
2,3    
2,10 (Pauling)    
[Kr]4d105s25p4   
Te-120: 0,09%  
Te-122: 2,55%  
Te-123: 0,89%  
Te-124: 4,74%  
Te-125: 7,07%  
Te-126: 18,84%  
Te-128: 31,74%  
Te-130: 34,08%
 

     

Film

24 sek
Beim Erhitzen schmilzt Tellur und reagiert unter Leuchterscheinungen zu Tellur(IV)-oxid.
    
GHS-Piktogramme  
  Achtung
Gefahren (H-Sätze) 
  
H 319, 332, 335 

  
 
CAS-Nummer  
  
13494-80-9  

   
 
 
 
Physikalisch-chemische Eigenschaften
Tellur kommt in zwei Modifikationen vor: Das silbrig glänzende, metallische Tellur ist relativ weich, sehr spröde und lässt sich daher leicht pulverisieren. Beim Erhitzen über den Siedepunkt entstehen Tellurdämpfe mit goldgelber Farbe. Das braunschwarze, amorphe Tellur erhält man, wenn man die Dämpfe an mit flüssiger Luft gekühlten Flächen in Kontakt bringt. Diese Modifikation geht bei 25°C wieder in das metallische Tellur über.  Wie das Selen besitzt es eine geringe elektrische Leitfähigkeit, die beim Belichten jedoch zunimmt. Aus diesem Grunde eignen sich Tellur-Einkristalle für den Bau von Photowiderständen und -transistoren.  
   
  
Tellurdämpfe beim Erhitzen

Tellur erhitzen
 
 Tellur siedet bei 990°C, wobei sich gelbe Tellurdämpfe bilden.
   

Das natürliche Tellur stellt ein Gemisch aus fünf stabilen und drei radioaktiven Isotopen dar. Letztere besitzen eine sehr lange Halbwertszeit:   
 
Te-123:  1,24 x 1013 Jahre    
Te-128:  7,2   x 1024 Jahre   
Te-130:  2,7   x 1021 Jahre   
   
Tellur verbrennt beim Erhitzen mit Sauerstoff mit bläulich-grüner Flamme zu Tellur(IV)-oxid. Beim Schmelzen des kompakten Metalls am Luftsauerstoff tritt diese Oxidation teilweise schon auf:
  
Te  +  O2 reagiert zu  TeO2      ΔHR = -326 kJ/mol 
  
Tellur(IV)-oxid ist ein weißes, kristallines Pulver, das in Wasser nicht löslich ist. In Wasser und nicht oxidierenden Säuren ist Tellur beständig, während es sich in Laugen, Salpetersäure oder in konzentrierter Schwefelsäure unter Oxidation löst. Mit Zink reagiert es bei etwa 800°C zu Zinktellurid:  
  
Zn  +  Te reagiert zu  ZnTe   
  
Zinktellurid ist ein graues, beim Zerreiben rot färbendes Pulver. Die Telluride entsprechen den Sulfiden oder den Seleniden. Mit Säuren bilden sie gasförmigen Tellurwasserstoff H2Te, der in seinem übel riechenden Geruch und der Toxizität dem Arsenwasserstoff ähnelt:  
  
ZnTe  +  2 HCl reagiert zu  ZnCl2  +  H2Te   
  
Mit den Halogenen entstehen die entsprechenden Tellurhalogenide, mit Chlor reagiert es zu Tellur(IV)-chlorid, eine weiße, wasseranziehende Masse:  
  
Te  +  2 Cl2 reagiert zu  TeCl4 
   
Toxikologie 
Tellur und seine Verbindungen wirken nicht ganz so toxisch wie Selen und seine Verbindungen. Beim Einatmen von Tellurdämpfen treten Vergiftungserscheinungen auf, die von Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder ein knoblauchartiger Geruch in Atemluft und Schweiß begleitet sind. Bei der Aufnahme von Tellur und vor allem von löslichen Verbindungen wie Natriumtellurat bildet sich im Körper das stark toxische Dimethyltellurid. Dieses erzeugt den knoblauchartigen Geruch, es gilt als Leber- und Nierengift.
  
Vorkommen 
Häufigkeit   sehr selten

Tellur kommt sehr selten in der Natur elementar als Tellur gediegen vor. Zu den Tellurmineralen gehören zum Beispiel der Tellurit oder der Sylvanit. Zur Gewinnung des Metalls sind diese Mineralien aufgrund ihrer Seltenheit jedoch ohne Bedeutung. Tellur fällt als Anodenschlamm bei der Kupferraffination an. Das Metall wird heute hauptsächlich aus den USA, Kanada, Japan und Peru geliefert.
   
   
  
Tellur mit Tellurit aus Moctezuma Sonora/Mexiko

Tellur gediegen
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 Tellur kommt oft zusammen mit dem gelben Tellurit vor.
 
 
  Geschichte 
Das Metall wurde im Jahre 1782 von Franz Josef Müller von Reichenstein (1740-1825) in Hermannstadt in den Golderzen Nagyagit und Sylvanit entdeckt. Den Elementcharakter erkannte jedoch erst Martin Heinrich Klaproth (1743-1817) im Jahre 1798 in Berlin. Er wählte den Namen Tellur, weil das Element aus der Mutter Erde gewonnen werden konnte. Der Name bezieht sich auf das lateinische Wort tellus für "Erde". Das Symbol Te vergab J.J. Berzelius im Jahre 1814.  
   
  
 Martin Heinrich Klaproth (1743-1817)

Klaproth
 
 Klaproth erkannte als erster den Elementcharakter des Tellurs.
 
  
Herstellung     
Die Gewinnung des Metalls erfolgt aus der Verarbeitung des Anodenschlamms bei der Kupferraffination. Dort fällt es als Gold- oder Silbertellurid an. Diese Verbindungen werden mit Natriumnitrat oder Sauerstoff zusammen mit Natriumcarbonat erhitzt, wobei wasserlösliches Natriumtellurit entsteht. Durch eine Neutralisation mit Schwefelsäure erhält man Tellur(IV)-oxid. Nach dem erneuten Lösen des Oxids in einer Lauge erhält man gereinigtes Natriumtellurit. Durch eine Elektrolyse ist dann 99,8%iges, reines Tellur erhältlich.  
    
   
 Tellur als Abfallprodukt bei der Kupfer-Raffination


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 Im Anodenschlamm finden sich Gold- und Silbertelluride.
 
  
Verwendung 
Das Metall dient als Legierungsbestandteil in anderen Metallen, beispielsweise in Kupfer oder in Aluminium zur Erhöhung der Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit, der Härte und der Zähigkeit. Cadmiumtellurid spielt in der Photovoltaik eine Rolle. Manche Tellurverbindungen dienen zum Färben von Glas und Keramik oder werden als Katalysatoren verwendet. Hochreines Tellur wird in der Halbleitertechnik und in Wärmedetektoren eingesetzt.  
  
Die wiederbeschreibbare CD-RW oder DVD-RW enthält in der Datenschicht eine Silber-Indium-Antimon-Tellur-Legierung. Beim Schreiben erhitzt der Laserstrahl die Legierung, so dass sich diese verflüssigt. Sie verliert ihre polykristalline Form und geht in eine amorphe Form über, die eine geringere Reflexionskraft besitzt. Beim Löschen der Daten werden die amorphen Bereiche nur schwach erhitzt, so dass diese wieder in die polykristalline Form übergehen.
 
Copyright: Thomas Seilnacht
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