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Problematische Stoffe im Haushalt und am Bau
Stoffe, Stoffgruppen oder Gemische mit chronischen Wirkungen - ausgewählte Beispiele


Aluminiumsalze Asbest Etherische Öle Formaldehyd Hausstaub Holzschutzmittel Isothiazolinone Kohlenstoffmonooxid schimmel Tabakrauch Weichmacher Didaktische Einführung

Grüne Ampel
Allergien oder Langzeitschäden
sind nicht
zu erwarten.
Gelbe Ampel Allergien oder gesundheitliche Langzeitschäden sind möglich. Rote Ampel Allergien oder gesundheitliche Langzeitschäden sind möglich, hohes Risiko.
 
   
Aluminiumsalze

Aluminium ist ein relativ weiches, silbrig glänzendes Leichtmetall, das durch Schmelzflusselektrolyse hergestellt wird. Es eignet sich für Spiegelbeschichtungen und für elektrische Leitungen. Das Metall und seine Legierungen werden auch für Profile von Rohren und Blechen sehr häufig eingesetzt. Beim Eloxieren wird auf elektrochemischem Weg eine dicke Oxidschicht auf dem Metall erzeugt. Im Haushalt ist eloxierte Aluminiumfolie ein weit verbreitetes Verpackungsmittel. Das Metall dient aber auch zur Herstellung von Kochgeschirr oder Trinkgefäßen. Das eloxierte Metall ist chemisch sehr beständig, als Baustoff ist es relativ unbedenklich. Lediglich beim Verarbeiten muss das Einatmen von Stäuben verhindert werden. Beim Einatmen von Aluminium-Stäuben über einen längeren Zeitraum hinweg können chronische Lungenkrankheiten entstehen.

Gelbe Ampel AlufolieAluminiumchlorid
Gelbe Ampel
Alu-FolieAluminiumchlorid

Gefahren

Die Verwendung löslicher Aluminiumsalze in kosmetischen Produkten und Medikamenten ist problematisch. Solche Kosmetika können allergische Reaktionen auf der Haut auslösen. Nach der Studie einer Genfer Forschergruppe, die 2016 im International Journal of Cancer veröffentlicht wurde, kann Aluminiumchlorid in Deos Brustkrebs verursachen. Eine Ursachenwirkung für die Entstehung von Alzheimer durch erhöhte Aluminium-Blutwerte ist umstritten. Einige wissenschaftliche Studien sahen bisher keinen Zusammenhang. Vertreter der Alternativmedizin argumentieren, dass in den Gehirnen von verstorbenen Alzheimerpatienten ein erhöhter Aluminiumgehalt feststellbar ist. Im Gehirn und anderen Organen werden Depots angelegt. Sie stufen Aluminium-Ionen als neurotoxisch ein.


Vorsichtsmaßnahmen

Die hier beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen die wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2016.
Das Risiko der Aluminium-Ionen im menschlichen Körper wurde bisher eindeutig unterschätzt. Fast alle Menschen in den Industriestaaten haben erhöhte Aluminiumwerte im Blut. Es wird empfohlen, auf alle Anwendungen zu verzichten, bei denen lösliche Aluminium-Ionen in den Blutkreislauf gelangen können. Dies bedeutet ein Verzicht auf alle Lebensmittel, Verpackungen, Kosmetika oder Medikamente, die lösliche Aluminiumsalze enthalten oder freisetzen können. Es betrifft zum Beispiel Deos oder bestimmte Medikamente gegen Übersäuerung des Magens. Allerdings gibt es auch lebensnotwendige Medikamente, auf die nicht verzichtet werden kann. Aluminium-Verpackungen wie Joghurtdeckel oder direkt mit Alufolie eingepackte Lebensmittel können Aluminium-Ionen freisetzen, wenn sie mit Säuren in Kontakt kommen. Auf solche Verpackungen sollte verzichtet werden. Auch das Einpacken von Grillgut in Alu-Folie oder das Abfüllen von Getränken in Alu-Dosen oder in Verbundmaterialien mit Aluminium ist problematisch. In manchen Gegenden kann sogar das Trinkwasser aufgrund der Aufbereitung Aluminium-Ionen enthalten.


 
Asbest

Asbest ist ein weißgraues, faseriges Gestein, das in der Natur gewonnen wird. Der Name ist vom griechischen Wort asbestos abgeleitet, was so viel wie "unvergänglich" bedeutet. Zu den Asbest-Mineralien zählt zum Beispiel der Aktinolith. Asbest war früher ein häufig eingesetzter Baustoff, da dieser stabil und fest, aber auch hitze- und feuerbeständig ist. Man konnte ihn sogar verspinnen und Gewebe daraus herstellen. Asbesthaltige Produkte zählen zu den sehr problematischen Altlasten. Wellblechplatten oder Blumenkästen aus Ethernit, Bremsbeläge, Toaster, Thermosflaschen, Fußbodenbeläge, Fensterkitte, Isoliermaterialien oder sogar Textilien und Straßenbeläge enthielten früher Asbest. Platinasbest ist ein mit fein verteiltem Platin beschichtetes Fasermaterial. Es diente früher im chemischen Labor als Katalysator. Die Verwendung von Asbest oder asbesthaltigen Materialien ist in Europa heute verboten.

Rote Ampel Aktinolith Platinasbest
Rote Ampel
Aktinolith Platinasbest

Gefahren

Asbest ist ein besonders gefährlicher, krebserzeugender Stoff der Kategorie 1A. Das Einatmen der Asbestfasern wirkt zwar nicht akut toxisch. Die feinen, langgestreckten Fasern können aber in der Lunge verbleiben. Bei der Asbestose versuchen die Fresszellen, die eingebetteten Fasern zu zerstören, was ihnen aber nicht gelingt. Die Lungenfunktion wird immer mehr eingeschränkt, so dass das Herz immer mehr arbeitet. Dies kann zum Herzversagen führen. An der Asbestose erkrankten hauptsächlich die Arbeiter, die jahrelang hohen Asbest-Konzentrationen ausgesetzt waren. Aber auch das Einatmen einer einzigen Faser kann im Langzeitverlauf zu Lungen- oder Bauchfellkrebs führen. Der Krebs entsteht nach 10 bis 60 Jahren und kommt in seiner speziellen Verlaufsform nur nach einer Asbest-Exposition vor. Auch andere Mineralfasern können Lungenkrebs auslösen, sofern sie eine entsprechende, langgestreckte Form haben und in der Lunge biologisch nicht abgebaut werden können.

Vorsichtsmaßnahmen

Da heute Asbest nicht mehr verarbeitet wird, geht die Gefahr vor allem von den Altlasten aus. Beim Renovieren von Gebäuden müssen die Baumaterialien auf Asbest untersucht werden. Ein Sachverständiger entnimmt dazu Materialproben, die mikroskopisch untersucht werden. Besonders gefährlich ist das Herausreißen von Dämmstoffen oder das Zersägen von asbesthaltigen Materialien, weil hierbei die Fasern frei werden. Renovierungsarbeiten dürfen nach den gesetzlichen Vorschriften nur von Unternehmen durchgeführt werden, die für diese Arbeiten zugelassen sind. Es benötigt zum Beispiel Atemschutzgeräte, spezielle Staubsauger oder Unterdruckzelte. Asbesthaltige Abfälle dürfen nicht recycelt werden, sie werden auf Deponien für asbesthaltige Abfälle gelagert.


 
Etherische Öle und Riechstoffe

Etherische Öle kommen in den Pflanzen vor oder sie werden synthetisch hergestellt. Es sind meistens Stoffgemische, die aus Alkoholen, Estern, Ketonen oder Terpenen wie Linalool, Geraniol oder Limonen bestehen. Im Gegensatz zu den fetten Ölen wie Rapsöl oder Leinöl verdunsten die etherischen Öle sehr schnell, ohne einen Rückstand zu hinterlassen. Sie werden aus den natürlichen Rohstoffen durch Wasserdampfdestillation, durch Extraktion oder durch Auspressen aus dem Pflanzenmaterial gewonnen. Einige sind nur künstlich darstellbar. Natürliche und synthetische Öle werden zur Parfümierung verwendet. Riechstoffe enthalten aber nicht nur etherische Öle, sondern auch andere Stoffe, die dann auf den Kleidern oder in den Haaren verbleiben.

Gelbe Ampel LinaloolGeraniol Limonen
Gelbe Ampel
Linalool
Geraniol
Limonen

Gefahren

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass etherische Öle aus natürlichen Quellen harmlos sind. Das Einatmen bestimmter Öle kann Hustenreiz, Atembeschwerden oder sogar schwere Asthmaanfälle auslösen. Auch eine Sensibilisierung der Haut ist möglich. Bei allen etherischen Ölen besteht die Gefahr, dass sie im Gemisch mit Luft explosionsartig verbrennen.
Die EU hat eine Liste mit 26 deklarationspflichtigen Duftstoffen veröffentlicht, die Allergien auslösen können. Diese Stoffe müssen nach der europäischen Kosmetikverordnung ab einer Konzentration von 0,01% auf den Verpackungen deklariert werden.


INCI-Bezeichnung Deutscher Name Natürliches Vorkommen
x = nur synthetisch darstellbar
Allergie-
potenzial
Amyl Cinnamal
x schwach
Amylcinnamyl Alcohol
x schwach
Anise Alcohol Anisalkohol, Anethol Vanille-Schoten, Anis-Samen schwach
Alpha-Isomethyl Ionone
x schwach
Benzyl Alcohol Benzylalkohol Jasminöl, Nelkenöl schwach
Benzyl Benzoate Benzoesäurebenzylester Perubalsambaum, Zimtbaum hoch
Benzyl Cinnamate
Perubalsambaum schwach
Benzyl Salicylate Salicylsäurebenzylester Gartennelke schwach
Butylphenyl Methylpropional Lilial x  "Maiglöckchenduft"
mittel
Cinnamal Zimtaldehyd Zimtbaum hoch
Cinnamyl Alcohol Zimtalkohol Perubalsambaum, Zimtbaum mittel
Citral
Tomaten, Lemongrasöl schwach
Citronellol
Rosen- und Geraniumöl, Zitronengras schwach
Coumarin Cumarin Waldmeister, Steinklee schwach
Eugenol
Gewürznelkenöl, Zimtöl schwach
Evernia Furfuracea Extract Baummoosextrakt Flechte auf Bäumen
Pseudovernia furfuracea
hoch
Evernia Prunastri Extract Eichenmoosextrakt Flechte auf Bäumen
Evernia prunastri
hoch
Farnesol
Lindenblüten, Anis-, Jasmin oder Rosenöl schwach
Geraniol Geranylalkohol Geranien, Rosen, Koriander hoch
Hexyl Cinnamal Hexylcinnamaldehyd x hoch
Hydroxycitronellal
x mittel
Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyd Lyral x mittel
Isoeugenol
Ylang-Ylang-Öl, Muskatnussöl hoch
Limonene Limonen Zitronen-, Orangen-, Dillöl hoch
Linalool Linalylalkohol Koriander-, Rosenholz-, Lavendel- oder Jasminöl hoch
Methyl 2-Octynoate Methylheptincarbonat x hoch

Quellen: Liste des Wissenschaftlichen Beratungskomitees der EU (SCCNFP), Allergiepotenzial nach Untersuchungen des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) und Ratschläge der Zeitschrift Ökotest; Geraniol, Linalool und Limonen sind vom Autor aufgrund der leichten Oxidationsfähigkeit an der Luft mit hohem Allergiepotenzial eingeordnet; Methyl 2-Octynoate nach Schnuch 2015, Benzoesäurebenzylester ist als hoch eingestuft, weil es im Körper zu Benzoesäure abgebaut wird, das neuerdings als Lungengift gilt. Die Bezeichnungen richten sich nach der Internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe (INCI).


Alleine in Deutschland leben 500'000 Duftstoffallergiker. Aufgrund dieser hohen Zahl kann davon ausgegangen werden, dass diese Stoffe problematischer sind als bisher angenommen. Allerdings besitzen nicht alle Stoffe der Liste das gleiche Allergiepotenzial. Die sensibilisierende Wirkung nach dieser Tabelle ist nur teilweise mit den Stoffeigenschaften der etherischen Öle selbst zu erklären. Stoffe wie Geraniol, Linalool und Limonen werden durch den Luftsauerstoff oxidiert und bilden erst dann allergieauslösende Reaktionsprodukte. Daher ist es besonders problematisch, wenn solche Duftstoffe längere Zeit in der Raumluft verbleiben. Andere wiederum wirken photosensibilisierend und erzeugen auf der Haut erst in Verbindung mit UV-Licht allergische Reaktionen.

In Parfüms und Kosmetika sind teilweise auch Nitromoschus- oder polycyclische Moschus-Verbindungen enthalten. Letztere reichern sich in der Muttermilch und im Körper an, sie wirken hormonähnlich und auch neurotoxisch auf das Nervensystem. Der Duft "Moschus" wird aus dem Düsensekret des Moschustieres gewonnen. Einige Moschus-Komponenten wurden bereits verboten, andere sind noch erlaubt.

Vorsichtsmaßnahmen

Viele etherische Öle enthalten Inhaltsstoffe dieser Liste. Allergiker müssen im Zweifelsfall ganz auf etherische Öle, Duftstoffe und Parfüms verzichten. Kleinkinder sollten von Duftstoffen ferngehalten werden, weil die Grundlagen für eine spätere Allergie schon früh gelegt werden. Babywaschmittel oder Waschmittel wie "Omo sensitive" stellen eine Alternative dar, sie sind frei von Duftstoffen. Sogar einige "Öko"-Waschmittel sind problematisch, wenn sie Inhaltsstoffe der Liste enthalten. Es wird empfohlen, kosmetische Produkte und Haushaltsartikel generell nach der Deklaration auf der Verpackung auf Inhaltsstoffe dieser Liste zu untersuchen. Die Stoffe können zum Beispiel auch in Shampoos, Cremes, Wasch- oder Reinigungsmitteln enthalten sein. Allergien entwickeln sich manchmal auch erst im Alter, dies ist leider bei den momentan verfügbaren Untersuchungen nur unzureichend berücksichtigt. Im Zweifelsfall verzichtet man ganz auf die Verwendung von Duftstoffen. Duftstofflampen zur Verbesserung der Raumluft werden nicht empfohlen, besser ist das effiziente Lüften. Auch der Einsatz von Parfüms sollte nur dezent erfolgen. Nitromoschus-Verbindungen sollten gemieden werden. Besonders problematisch ist das Eincremen am Abend, da sich durch die Verdunstung auf der Haut dann die Duftstoffe im Schlafzimmer verbreiten.


 
Formaldehyd

Formaldehyd ist im reinen Zustand ein farbloses, stechend riechendes Gas. Im Labor ist eine wässrige Lösung gebräuchlich, die meistens mit Methanol stabilisiert ist. Formaldehyd wird heute von der chemischen Industrie zur Herstellung von Kunststoffen in großem Umfang benötigt. Früher waren die formaldehydhaltigen Spanplatten an dem leicht süßlichen und stechend riechenden Geruch zu erkennen. Er diente auch zur Konservierung und zum Einlegen biologischer Präparate. Tabakrauch kann erhebliche Mengen Formaldehyd enthalten, der dann als Schadstoff in den Wänden gespeichert wird. Die Verwendung als Konservierungsmittel in Kosmetika war höchst umstritten.

Rote Ampel Strukturformel Formaldehyd Flasche
Rote
Ampel
Strukturformel
Formaldehyd
Kennzeichnung
der Lösung


Gefahren

Formaldehyd ist ein besonders problematischer Schadstoff. Die Dämpfe reizen Augen und Schleimhäute. Bei empfindlichen Menschen tritt schon beim Einatmen geringster Mengen schwere Atemnot auf, da der reaktive Stoff sofort mit den Schleimhautzellen reagiert. Der Kontakt mit der wässrigen Lösung führt zu Verätzungen. Eine Ekzem-Bildung findet häufig an der Nase oder im Gesicht statt. Formaldehyd verursacht beim Menschen Allergien und Krebstumore in den oberen Atemwegen.
Eine schädigende Wirkung auf das Immunsystem ist nachgewiesen, auch neurologische Schäden können auftreten. Diese äußern sich zum Beispiel in schweren Kopfschmerzen oder in einer Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Formaldehyd kann mit der Säureschutzschicht der Haut reagieren, und er kann über die Haut aufgenommen werden. Sehr problematisch ist die Reaktionsfähigkeit des Formaldehyds, so bildet er mit anderen Stoffen gerne Produkte, die wesentlich toxischer sind als der Formaldehyd selbst. Mit Chlorwasserstoff bildet sich zum Beispiel der krebserzeugende Bischlormethylether.

Vorsichtsmaßnahmen

Formaldehyd sollte nicht als Konservierungsstoff in Kosmetika eingesetzt werden. Duschbäder, Shampoos oder Cremes mit Formaldehyd sind zu meiden. Das Rauchen in Wohnungen ist problematisch, da sich der Schadstoff und seine Reaktionsprodukte in den Wänden anreichern können. Das Rauchen in der Öffentlichkeit ist so zu gestalten, dass andere Personen und insbesondere Kinder geschützt werden. Alte Spanplatten sind zu entfernen. Auch der intensive Einsatz von Holz in Wohnungen kann problematisch sein, da natürliches Holz immer ein wenig Formaldehyd freisetzt. In Altbauten ist eine regelmäßige, intensive und kurze Lüftung der Wohnung zur Verminderung von Schadstoffen wirksam, so dass die Luft vollständig ausgetauscht wird.



 
Hausstaub

Unter "Hausstaub" versteht man eine Ansammlung kleinster Partikel und Fasern, die in Wohnungen auftreten. Er enthält eine Vielzahl nichtflüchtiger Stoffe, die sich im Lauf der Zeit darin ansammeln. Darin enthalten können zum Beispiel sein: Hautschuppen, Haare, Fasern, Hausstaubmilben, Insektenkadaver, Bakterien, Schimmelpilze und auch verschiedene Schadstoffe wie Insektizide oder Weichmacher. Der Hausstaub ist auch ein Sammelbehälter für Pollen, Feinstaub und andere Schadstoffe aus der Umwelt von außerhalb der Wohnung.

Gelbe Ampel
Staubsaugerdüse Hepa-Filter
Gelbe
Ampel
Staubsaugerdüse
für Milben
Hepa-
Filter

Gefahren

Die Gefahren, die vom Hausstaub ausgehen, werden meistens unterschätzt. Werden keine speziellen Filtersysteme eingesetzt, entfernen Staubsauger nur die groben Partikel aus dem Hausstaub. Milben-Kot aber auch Schadstoffe werden so in der ganzen Wohnung verteilt. Hausstaub-Milben sitzen besonders gerne in den Bett-Decken, wenn sie mit natürlichen Federn gefüllt sind. So können sich nach ein paar Jahren Milliarden der Milben oder ihre Reste darin ansammeln. Juckreiz und allergische Reaktionen sind die Folge. Beim Einsatz von Insektiziden in der Wohnung sammeln sich Reste davon im Hausstaub. Einige der im Hausstaub enthaltenen schwerflüchtigen Schadstoffe wirken krebserzeugend, fruchtschädigend oder reprotoxisch. Das Gefahrenpotenzial besteht also nicht nur für Hausstaub-Allergiker, sondern ganz allgemein für alle Bewohner.

Vorsichtsmaßnahmen

Insgesamt ist darauf zu achten, dass die Wohnung nicht zu viel Materialien enthält, die Staub einfangen können. Es kommt nicht auf eine häufige Reinigung an, sondern auf eine besonders wirksame.
Häufiges Staubsaugen oder Lüften löst das Problem nicht. Staub lässt sich zum Beispiel durch nasses Aufziehen der Böden entfernen. Für Allergiker werden nur hochwertige Staubsauger mit einem Hepa-Filter empfohlen. Zur Entfernung von Milben-Resten und -Kot sind spezielle Düsen erforderlich, die als Zubehör erhältlich sind. Mit dieser Düse werden Teppichböden, Matratzen und Polster abgesaugt. Bettwaren mit Federn sind regelmäßig reinigen zu lassen oder zu ersetzen, besser sind Bettwaren nach dem Oeko-Tex-Standard mit synthetischen Füllungen. Aufgrund der Komplexität des Problems sollte überlegt werden, ob einige der beschriebenen Maßnahmen für Allergiker nicht generell in allen Wohnungen getroffen werden sollten. 


 
Holzschutzmittel

Holzschutzmittel sind Biozide: Sie wirken entweder vorbeugend, oder sie bekämpfen Pilze oder schädliche Insekten. Insektizide wirken gegen Insekten, Fungizide gegen Pilze. Meistens sind die Wirkstoffe kombiniert. Sie enthalten zum Beispiel Pyrethrine, Benzoylharnstoffe, Triazole, Carbamate oder Kupfersalze. Ihr Einsatz bei Gebäuden ist nach den geltenden Vorschriften nur für tragende Elemente obligatorisch. Unter dem "Holzwurm" versteht man die Larve des Gemeinen Nagekäfers Anobium punctatum. Das von der Larve befallene Holz weist Löcher auf, unter denen sich Holzmehl anhäuft. Der "Schiffsbohrwurm" Teredo navalis ist kein Wurm, sondern eine Muschel, die Pfahlbauten oder Schiffs-Rümpfe und Masten befällt. Die Bekämpfung dieser Schädlinge sollte nur von Fachleuten vorgenommen werden.

Gelbe Ampel
Holzzerstörender Pilz 2-Butanonoxim
Gelbe
Ampel
Holzzerstörender
Pilz
2-Butanonoxim
(nur Zusatzmittel)

Gefahren

Die in Holzschutzmitteln enthaltenen Stoffe wirken nicht nur für die Schädlinge toxisch, sie stellen oft auch ein Risiko für Haustiere und den Menschen dar. Manche Inhaltsstoffe wirken sensibilisierend und können Allergien auslösen. Holzschutzmittel, die Chromate enthalten, sind krebserzeugend. Lösemittel auf Benzinbasis sind leicht entzündbar, beim Einatmen besteht Aspirationsgefahr. Als Lösehilfe sind oft auch Weichmacher wie Phthalate enthalten. 2-Butanonoxim (MEKO) ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit, die häufig zur Verhinderung einer Hautbildung nach dem Verstreichen auf dem Holz eingesetzt wird. Sie schädigt die Haut und die Augen und steht im Verdacht krebserzeugend zu wirken. Beim Einsatz von Holzschutzmitteln in Innenräumen geben die Wirkstoffe auch nach dem Verstreichen Dämpfe ab. Die Bewohner können dadurch eine chronische Vergiftung erleiden.
 
Rote Ampel Pentachlorphenol Lindan
Rote Ampel
Pentachlorphenol
Lindan

Bis um 1980 war in den Holzschutzmitteln PCP (Pentachlorphenol) als Fungizid enthalten. PCP ist geruchlos, es bildet weiße, nadelförmige Kristalle. Oft war es mit Lindan kombiniert. PCP wurde auch zur Konservierung von Leder in Sitzmöbeln oder in Teppichböden eingesetzt. Es enthielt herstellungsbedingt auch immer Dioxine. Heute ist die Verwendung dieser Stoffe in Europa verboten. Ein großes Problem stellen Althölzer dar, die früher damit behandeln wurden. Noch heute können sie PCP oder Lindan in die Raumluft ausgasen. PCP verursacht schwere gesundheitliche Schäden bei den Bewohnern solcher Wohnungen. Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Infektionsanfälligkeit und starke Kopfschmerzen können auftreten. PCP steht auch im Verdacht, Krebs auslösen zu können.

Vorsichtsmaßnahmen

Holzschutzmittel dürfen nur gestrichen werden, niemals darf man sie verspritzen oder versprühen. Schutzhandschuhe und Schutzbrille sind obligatorisch. Beim Abschleifen muss eine Feinstaubmaske getragen werden. Mit Holzschutzmittel getränkte Lappen darf man nie zusammengeknüllt trocknen lassen, da hierbei eine Selbstzündung eintreten kann. Man lässt sie nur ausgebreitet trocknen. Reste dürfen nicht ins Abwasser gelangen. Es ist zu prüfen, ob der Einsatz überhaupt notwendig ist. Es wird empfohlen, Holzschutzmittel in Wohn- oder Arbeitsräumen gar nicht einzusetzen. Besser sind umweltfreundliche Holzlasuren. Sie erhalten und pflegen das Holz und stellen eine sanfte Alternative dar. Sie enthalten Lösevermittler auf Wasserbasis, Naturharze oder natürliche Öle wie Leinöl.

Besteht der Verdacht auf Althölzer, die mit PCP oder Lindan behandelt wurden, ist eine komplette Sanierung notwendig. PCP ist in manchen Ländern erlaubt, daher besteht beim Import von Leder oder Hölzern aus diesen Ländern eine potenzielle Gefahr.



 
Isothiazolinone

Diese Stoffgruppe leitet sich vom Isothiazolinon ab, das aus einem Cyclopenten-Ring aufgebaut ist, der im Ring ein Schwefel- und ein Stickstoff-Atom hat und außerdem eine Carbonyl-Gruppe besitzt. Die Isothiazolinone wirken Biozid gegen Bakterien und Pilze. Sie sind als Konservierungsmittel im Haushalt weit verbreitet. Man findet sie zum Beispiel in Geschirrspül- und anderen Reinigungsmitteln, Dispersionsfarben, Druckfarben, Papier, Klebstoffen, Scheibenreiniger, Textilien oder in Holzschutzmitteln. In Kosmetika kommen sie ebenfalls vor, sie werden dort aber nicht mehr so häufig eingesetzt.

Gelbe Ampel
Isothiazolinon
MethylisothiazolinonChlormethylisothiazolinon
Gelbe
Ampel
IsothiazolinonMethylisothiazolinon
MIT, MI
Chlormethylisothiazolinon
CMI, CMIT

Gefahren

Die Isothiazolinone wirken beim Einatmen in höheren Konzentrationen toxisch. Sie besitzen ein hohes Allergie-Potenzial, und sie können Asthma- oder schwere Husten-Anfälle auslösen. Sie reizen die Haut und die Schleimhäute, entzündliche Reaktionen beim Kontakt treten häufig auf.

Vorsichtsmaßnahmen

Es wird empfohlen, auf diese Stoffgruppe im Haushalt und besonders in Kosmetika zu verzichten. Es sind im Handel Dispersionsfarben oder Geschirrspülmittel erhältlich, die frei von Isothiazolinonen sind. Bei Renovierungsarbeiten mit entsprechenden Farben oder Lacken sind Schutzhandschuhe zu tragen, bei höheren Konzentrationen im Raum auch Atemschutz. Danach müssen die Räume mehrere Tage lang gut gelüftet werden.


 
Kohlenstoffmonooxid, Kohlenmonoxid, CO

Das farblose und geruchlose Gas ist nur wenig leichter als Luft. Es entsteht bei jeder unvollständigen Verbrennung, beispielsweise wenn ein Feuer schwelt oder ein Kamin oder ein Ofen nicht richtig zieht. Bei 700°C verbrennt es mit bläulicher Flamme zu Kohlenstoffdioxid. Bei Mischung mit Luft entstehen explosionsgefährliche Knallgasgemische. Doch für die Gesundheit ist es schon in wesentlich geringeren Konzentrationen gefährlich.
 
Rote Ampel Kohlenstoffmonooxid verbrennt kohlenstoffmonooxid
Rote Ampel
Verbrennung von CO
Kohlenstoffmonooxid

Gefahren

Kohlenstoffmonooxid ist ein heimtückisches Gas, da es geruchlos ist und auch keine Atemnot auslöst. Eine akute Vergiftung äußert sich zuerst in Euphorie und Gleichgültigkeit, dann folgen Kopfschmerzen, Benommenheit, Bewusstlosigkeit und Tod. Während dem Schlaf bemerkt man eine tödliche Vergiftung überhaupt nicht. Die Giftwirkung des Gases beruht auf einer chemischen Reaktion mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, so dass der Sauerstofftransport im Blut gestört wird. Eine Konzentration von 0,1 Volumenprozent in der Atemluft wirkt nach längerem Einatmen tödlich. Selbst das Einatmen geringer Konzentrationen (0,01%) führt langfristig zu chronischen Erkrankungen an Herz und Nerven. Diese Gefahr besteht vor allem in dicht besiedelten Gebieten mit viel Straßenverkehr und Ampeln, da Autos im Leerlauf eine hohe Dosis Kohlenstoffmonooxid an die Luft abgeben. Das Gas ist auch ein reprotoxischer Stoff: Gebärfähige Frauen, sowie werdende oder stillende Mütter dürfen im Labor damit nicht arbeiten.
  

Vorsichtsmaßnahmen

Jede Person muss sich der Gefahr bewusst sein, weil es fast jeden treffen kann. In Deutschland sterben jährlich etwa 1000 Personen an einer Kohlenstoffmonooxid-Vergiftung, mehr als 3000 vergiften sich. Auch chronische Vergiftungen kommen vor. Ein bekannter Fall ist die Tragödie von Arnstein, bei der sechs junge Menschen ums Leben kamen. Diese Regeln sind zu beachten:
  • Offene Kaminfeuer in einem Haus sind nicht mehr empfehlenswert. Man darf auch niemals in einem Haus oder Raum schlafen, in dem ein offenes Feuer brennt oder noch schwelt. Besonders gefährlich ist das bei geschlossenen Fenstern. Wenn das Feuer nicht richtig zieht, kann schon ein kurzer Aufenthalt im Raum gefährlich sein.
  • Eine Gefahr besteht auch bei geschlossenen Öfen oder Kaminen, wenn sie nicht richtig ziehen. Das kann auch bei speziellen Wetterlagen passieren. Manchmal sind Abluftschächte verstopft, beispielsweise durch ein Vogelnest. Eine verminderte Frischluftzuführ kann zum Beispiel vorliegen, wenn ein Kamin und eine Dunstabzugshaube gleichzeitig betrieben werden.
  • CO-Gasmelder zeigen die Werte in der Raumluft an. Der Alarm muss unbedingt so eingestellt werden, dass er schon vor dem Erreichen des Grenzwertes losgeht.
  • Heizöfen aller Art (Gas, Öl, Pellet, Brikett) und auch Gasherde und Gasboiler sind vom Fachpersonal regelmäßig zu warten. Die Messwerte im Kamin und in den Räumen müssen vom Kaminfeger regelmäßig gemessen werden.
  • Ein defekter Ölbrenner oder eine defekte Abdichtung im Heizgerät kann zu einem erhöhten Kohlenstoffmonooxid-Ausstoß führen.
  • Schon wenige Zigaretten können das Überschreiten des CO-Grenzwerts 30 ml/m3 (TRGS 900) in einem Raum verursachen.
  • Niemals darf man einen Holzkohlegrill, einen Gaspilz, einen Gasheizstrahler oder kraftstoffgetriebene Geräte wie Rasenmäher, Kettensägen und Stromaggregate in einem Raum benutzen. Zum Heizen geschlossener Räume eignen sich nur Elektro-Heizgeräte, die dafür zugelassen sind.
  • Bei längerem Halt beim Parken, an Ampeln oder Bahnschranken stellt man den Motor immer ab.


 
Schimmel

Schimmel wird von einer Gruppe von Pilzen gebildet, die Mycelien und Sporen ausbilden. Das verflochtene Pilzgewebe, das Mycel, ist meist weißlich, grünlich oder grau gefärbt. Die bei der Fortpflanzung gebildeten Sporen sind aufgrund ihrer geringen Größe nicht sichtbar. Die Pilze können nicht wie die Pflanzen aus Sonnenlicht Energie gewinnen, sie benötigen dafür organisches Material, sowie Feuchtigkeit, eine bestimmte Temperatur und ein geeigneter pH-Wert. Schimmelpilze entstehen gerne auf verdorbenen Lebensmitteln, an feuchten Wänden oder in Abfallbehältern. Neben den schädlichen Toxinen erzeugen sie auch unangenehme Geruchsstoffe wie Alkohole, Ketone, Aldehyde, Ester oder Terpene, die allerdings nicht so gefährlich wie die Toxine sind. Nicht alle Schimmelpilze sind gesundheitsschädlich: Der typische Schimmelkäse enthält harmlose Pilze, die für die Reifung und das Aroma von Bedeutung sind.

Rote Ampel Strukturformel Aflatoxin G1 Verschimmeltes Brot
Rote Ampel
Aflatoxin G1
Schimmel am Brot

Gefahren

Die Sporen der schädlichen Schimmelpilze enthalten Schimmelpilzgifte, die Mykotoxine. Dazu zählen zum Beispiel Aflatoxin, Ochratoxin, Gliotoxin oder Satratoxin. Das Einatmen des Sporenpulvers von Schimmelpilzen kann Allergien oder Reizungen auslösen. Auch das Essen von verschimmelten Nahrungsmitteln ist gefährlich. Die Aflatoxine wurden erstmals in den Sporen des Aspergillus flavus nachgewiesen. Der Pilz bildet sich gerne auf Erdnuss- oder Getreidesamen und gelangt so in den menschlichen Nahrungskreislauf. Aflatoxine können Leberkrebs, Nierenversagen oder Herzkrankheiten auslösen. Ochratoxin A ist ein extrem toxischer Stoff, der schon in geringsten Mengen zu einem tödlichen Nierenversagen führt. Auch der "Fluch des Pharaos" ist möglicherweise auf Schimmel zurückzuführen: Beim Öffnen der Gräber atmeten die Archäologen Sporen ein und wurden von den darin enthaltenen Toxinen krank.

Vorsichtsmaßnahmen

Das Abwaschen oder Wegschneiden von verschimmelten Stellen bei feuchten Nahrungsmitteln bringt nicht viel, weil die eingedrungenen Mykotoxine nicht zu sehen sind und trotzdem zu Vergiftungen führen können. Sie lassen sich auch durch Trocknen, Kochen oder Einfrieren nicht entfernen. Verschimmelte Lebensmittel müssen komplett entsorgt werden. Sie werden in Kunststoffbeutel oder Müllsäcke gegeben, die man sofort zubindet und außerhalb der Wohnung deponiert. Eine Ausnahme bilden Hartkäsesorten oder luftgetrocknete Wurst, in denen sich die Mykotoxine aufgrund der fehlenden Feuchtigkeit nicht gut verbreiten können. Hier kann man die betroffenen Stellen großzügig herausschneiden. Bei Schimmelbefall wird der Kühlschrank abgeschaltet, abgetaut, sorgfältig gesäubert und dann mit 70%igem Isopropylalkohol (entzündbar!) oder mit Essig behandelt. Essig ist nicht so gut wirksam wie Alkohol. Es wird generell empfohlen, Kühlschränke alle ein bis zwei Monate zu reinigen. Chemische Schimmelentferner dürfen bei der Lebensmittelaufbewahrung nicht angewendet werden.

Schimmel am Bau wird meistens durch Baumängel, zu hohe Feuchtigkeit oder durch falsche Nutzung verursacht. Bei einem kleinen Befall können die Stellen mit 70%igem Isopropylalkohol oder Ethanol gereinigt werden. Schimmelentferner enthalten ein biozid wirkendes Tensid wie Benzalkoniumchlorid oder Natriumhypochlorit, das Chlor freisetzt. Auch eine verdünnte Wasserstoffperoxid-Lösung tötet Schimmelpilze zuverlässig. Schimmel kann zum Beispiel durch defekte Leitungen oder eingedrungenes Regenwasser verursacht werden. Nach der groben Reinigung erfolgen intensive Belüftungs- oder Trocknungsmaßnahmen und die Beseitigung der Ursache. Ein großflächiger Befall muss immer durch einen Experten bekämpft werden. Nach der Biostoff-Verordnung müssen Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und unverzüglich Schutzmaßnahmen ergreifen, wenn Schimmel am Arbeitsplatz auftritt. Schimmelbefall an den Wänden in einer Wohnung muss dem Vermieter gemeldet werden. Es handelt sich immer um einen Mangel, der entweder auf Schäden am Bau hinweist oder durch Feuchtigkeit bedingt ist. Die Behauptung mancher Vermieter, dass zu "weniges Lüften" verantwortlich sein soll, ist Unsinn. Das alleine verursacht kein Schimmel. Allerdings gibt es auch Mieter, die durch ihr eigenes Verhalten in einer Wohnung zu viel Feuchtigkeit produzieren.


 
Tabakrauch (und Zigaretten)

Die Tabakpflanze Nicotiana tabacum enthält mehr als 2500 nachgewiesene Wirkstoffe. Tabakrauch entsteht beim Verbrennen oder Schwelen der getrockneten Tabakblätter. Das Aerosol des Rauchs besteht aus Rauch, Dämpfen, Gasen und Feststoffpartikeln. Es enthält mehr als 9000 verschiedene Stoffe. Den Hauptanteil der Schadstoffe machen Kohlenstoffmonooxid, Nicotin, Acetaldehyd, Blausäure, Hydrochinon, Stickoxide und Formaldehyd aus. Es sind auch besonders stark krebserzeugende Stoffe wie Nitrosamine oder mehrere polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzo(a)pyren enthalten. Reines Nicotin ist eine ölige Flüssigkeit, die sich an der Luft braun verfärbt.

Rote Ampel Tabakpflanze Nicotin Benzo(a)pyren
Rote Ampel
Nicotiana tabacum
NicotinBenzo(a)pyren

Gefahren

Nicotin ist nicht nur toxisch, es besitzt auch ein hohes Suchtpotenzial. Es führt zur physischen und psychischen Abhängigkeit und ist damit mit Drogen wie Alkohol oder Kokain vergleichbar. Eine ganze Reihe der Stoffe im Tabakrauch ist als krebserzeugend eingestuft. Auch reprotoxische, erbgutschädigende oder neurotoxische Stoffe kommen darin vor. Die Stoffe werden auch beim Passivrauchen eingeatmet. Das Passivrauchen ist für Kinder besonders gefährlich. Die neugeborenen Kinder von Rauchern sind besonders anfällig gegen Allergien und chronischen Atemwegserkrankungen. Das größte Problem in Wohnungen besteht darin, dass einige der Stoffe von den Tapeten und Wänden absorbiert werden und dann langfristig zu den am meisten belastenden Schadstoffen in einer Wohnung gehören. Ein von exzessiven Rauchern bewohntes Haus benötigt eine Totalsanierung, die Schadstoffe in den Wänden können niemals mehr komplett entfernt werden. Zigarettenstummel in der Natur wirken umweltgefährlich für Gewässer. Tiere können sich daran vergiften, wenn sie diese fressen.

Vorsichtsmaßnahmen

Dass das Rauchen die eigene Gesundheit stark gefährdet und Lungenkrebs oder Kreislauferkrankungen verursacht, ist wohl jedem Raucher bewusst. Es wird dringend empfohlen, in Mietwohnungen nicht zu rauchen. Betroffen sind nicht nur die Mitbewohner und die potenziellen Nachmieter, sondern auch alle anderen Mieter im Haus, weil die Schadstoffe durch die Wände gehen können. Raucher müssen sich so verantwortlich verhalten, dass andere Personen und insbesondere Kinder nicht passiv mitrauchen müssen. Auch das Rauchen auf dem Balkon oder auf einer Terrasse kann die Gesundheit der darüber liegenden Mieter gefährden. Zigaretten werden in einem Aschenbecher ausgedrückt, man sollte sie nicht ausbrennen lassen ohne sie zu rauchen. Die nicht mehr glimmenden Reste werden im Restmüll entsorgt, niemals im Abwasser, auf der Straße oder in der Natur.


 
Weichmacher

Weichmacher sind Stoffe mit relativ hohem Siedepunkt, die mit Kunststoffen oder Farben und Lacken vermischt werden, damit diese elastischer werden. Es existieren mehrere hundert Weichmacher. Es eignen sich die höher siedenden Ester der Carbonsäuren, aber auch fette Öle, elastische Harze oder Campher. Weichmacher finden sich zum Beispiel im PVC für Bodenbeläge, Zelte, Vorhänge, Koffer, Verpackungen, Schuhe, Flaschen, Klebebänder, Rohre, Kabelummantelungen, Schläuche oder Folien. Häufig werden die Ester der Phthalsäure, die Phthalate eingesetzt. Diese kommen nicht nur im PVC, sondern auch in Lebensmittelverpackungen, Spielzeug, Kosmetika, Textilien, Arzneien, Sexspielzeug oder in Lacken und Farben vor. Häufig eingesetzte Weichmacher sind Diisodecylphthalat (DIDP), Diisononylphthalat (DINP), Di-(2-propylheptylphthalat (DPHP), Di-(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) oder Butylbenzylphthalat (BBP).

Rote Ampel
Phthalsäure
Diethylhexylphthalat
Rote
Ampel
Ausgangsstoff
Phthalsäure
Di-(2-ethylhexyl)phthalat
(DEHP)

Gefahren

DEHP ist der am häufigsten eingesetzte Weichmacher im PVC. Der Stoff ist als reprotoxisch der Kategorie 1B eingestuft, er kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen. Die gleiche Einstufung gilt auch für DBP und für BBP. Weichmacher wie DIDP und DINP können die Leber, DPHP kann die Schilddrüse schädigen. Die Aufnahme der Weichmacher in den menschlichen Körper kann zum Beispiel durch Lebensmittelverpackungen, durch Kontakt mit Kosmetika, durch Medikamente oder durch das Einatmen von Hausstaub erfolgen. Problematisch ist es auch, wenn Kinder auf weichmacherhaltigen Kunststoffen herumkauen. Reprotoxische Weichmacher sind seit 2005 in der EU in Babyartikeln und Spielzeug verboten. Auch in frei verkäuflichen Produkten in Gemischen von Lacken, Klebstoffen oder Duftstoffen sind sie nicht erlaubt. Das Verbot gilt ebenfalls für Verpackungen von fetthaltigen Lebensmitteln und von Babynahrung. Allerdings gelangen immer wieder billige Produkte aus dem Ausland in den Handel, die mit solchen Weichmachern belastet sind.

Vorsichtsmaßnahmen

Um die Belastung mit Weichmachern zu verringern, wird empfohlen, das Essen überwiegend aus frischen Nahrungsmitteln zuzubereiten. Bei der häufigen Verwendung von eingepackten Fertigprodukten steigt die Aufnahme der Weichmacher in den menschlichen Körper. Ein abwechslungsreiches Essen vermindert ebenfalls die Gefahr. Für Kinder sollte nur geprüftes und auf dem europäischen Markt zugelassenes Spielzeug gekauft werden. Kunststoffhaltiges Spielzeug ist zu reduzieren. Nach den Einstufungen des BFR gehen von den Weichmachern erhebliche Gefahren für die Gesundheit aus
(Lit. BFR 2013). Daher erscheint der weit verbreitete Einsatz von Plastikverpackungen für Lebensmittel sehr fragwürdig. Da Aluminium wie oben ausgeführt keine Alternative darstellt, sollte überlegt werden, ob nicht generell Pfandflaschen aus Glas oder die gute, alte Papiertüte eingesetzt werden. Hier stehen Überlegungen zur Ökobilanz bei der Herstellung und dem Anfallen von Abfall teilweise im Widerspruch zur gesundheitlichen Relevanz.




Pädagogisch-didaktische Überlegungen

Gesundheitsprävention ist ein bedeutender Baustein eines modernen Chemieunterrichts. Es geht darum, wie man gesund lebt und wie man mit Chemikalien und Stoffen im Haushalt richtig umgeht. Das anwendbare Wissen stellt eine bedeutende Kompetenz mit lebenspraktischem Bezug dar. Die Auflistung mit Handlungsempfehlungen stellt eine Ergänzung zu den Produkten im Haushalt dar. Sie ist für Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 9 geeignet. Eine nachhaltige Wirkung wird erst erreicht, wenn der Unterricht mit aktuellen Beispielen aus der Praxis verknüpft wird. Zur Einführung in die Problematik liegt ein Fragebogen vor, den man selbst auswerten kann. Dadurch ergeben sich einige Diskussionspunkte.

Fragebogen:  docx    pdf


Zur Überprüfung der vermittelten Kompetenzen können diese
Fragen zur Vertiefung dienen:
  1. Überlege, wo du in deiner Wohnung oder im Alltag Änderungen vornehmen musst, um gesünder zu leben.
  2. Nenne Beispiele, die aufzeigen, wo mit dem eigenen Verhalten nicht nur die eigene Gesundheit gefährdet wird, sondern auch die von anderen, beispielsweise von Kindern, Nachbarn oder Mitmenschen allgemein.
  3. Ist das Vorhandensein von Schadstoffen in einer Wohnung das Problem von jedem einzelnen oder sollte in der Politik oder von der Industrie mehr unternommen werden, um das Gefahrenpotenzial zu minimieren? Nenne Beispiele!
  4. Was ist nach deiner Meinung wichtiger: Die Ökobilanz einer Verpackung oder das Gefahrenpotenzial für die Gesundheit. Erläutere!



Weitere Infos

Chemische Produkte im Haushalt
Umweltschutz im Haushalt
Chemikalien-Steckbriefe
Sicheres Arbeiten mit Chemikalien


Literatur

  • ages.at: Allergene Duftstoffe, abgerufen 2/2017 auf: https://www.ages.at/themen/kosmetik/kennzeichnung/allergene-duftstoffe/
  • Amtsblatt der Europäischen Union: Kosmetikverordnung, abgerufen 2/2017 auf:
    http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32009R1223&from=DE
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Untersuchung zu Moschusverbindungen in der Muttermilch, abgerufen 2/2017 auf: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/praevention/kindergesundheit/stillen/moschusverbindungen_muttermilch.htm
  • Bundesinstitut für Risikobewertung BFR: Fragen und Antworten zu Phthalat-Weichmachern, herausgegeben 2013, abgerufen 2/2017 auf: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_phthalat_weichmachern-186796.html
  • www.chemikalienlexikon.de: Riechstoff-Lexikon, abgerufen 2/2017 auf: www.chemikalienlexikon.de/aroinfo/aroindex.htm
  • Daunderer, Max: Klinische Toxikologie, Heidelberg 1987 und 2000
  • Deutsches Gefahrinformationssystem der gewerblichen Berufsgenossenschaften (GESTIS)
  • haut.de, Lexikon der Kosmetik-Inhaltsstoffe
  • Kantonales Labor Zürich (2013): Sicherer Umgang mit Chemikalien in Naturwissenschaft und Technik, Zürich
  • Legrum, Wolfgang: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft: Vorkommen, Eigenschaften und Anwendung von Riechstoffen und deren Gemische, Heidelberg 2015
  • Ökotest: Achtung Duftstoffe, vom 25.4.2012, abgerufen 2/2017 auf:
    http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=11290&gartnr=91&bernr=10&seite=06
  • Römpp: Chemielexikon, verschiedene Jahrgänge
  • Schäfer, Bernd: Naturstoffe der chemischen Industrie, München 2007
  • www.schimmel-entfernung.org, abgerufen 2/2017
  • Schnuch, Axel - Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK): Allergierisiko von Konservierungsmitteln und Duftstoffen in Kosmetika, GD Symposium: Aktuelle Aspekte zur Sicherheit von Kosmetika -Vortragssitzung 2, 2015, abgerufen 2/2017 auf: gd-online.de
  • www.staubsauger.net, test und Ratgeber: Hausstaub bekämpfen: Die besten Tipps gegen Milben, abgerufen 2/2017 auf: www.staubsauger.net/hausstaub/
  • Umweltbundesamt: Duftstoffe, abgerufen 2/2017 auf:
    http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/duftstoffe
  • Seilnacht, Thomas: Entwurf für eine Broschüre des Bundesgesundheitsamtes (BAG), Bern
  • Speicher, H., Brettschneider, F.: Ökorat von A bis Z. Produktempfehlungen - Verhaltenstipps - Rezepte, Frankfurt a.M. 1990
  • Strubelt, Otfried: Gifte in unserer Umwelt, Heidelberg 1996
  • Toptarif - Gaswissen: Kohlenmonoxid, abgerufen 2/2017 auf: http://www.toptarif.de/gas/wissen/kohlenmonoxid/
  • Umweltbundesamt (Hg.): Umweltbewusst leben, Berlin  1994
  • Wikipedia, Internet-Enzyklopädie
  • Zwiener, Gerd und Mötzl, Hildegund: Ökologisches Baustofflexikon, Heidelberg 2006

Literaturquellen Aluminiumsalze: Aluminium - Toxikologie
Literaturquellen Formaldehyd


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